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„Wir müssen lästig bleiben!“

Ortsumgehung Eckelshausen „Wir müssen lästig bleiben!“

Die neuerliche Verzögerung in der Planung der Ortsumgehung beunruhigt die Eckelshäuser. Ihre Sorge: Das Projekt könnte in der Priorität des Bundes zurückgestuft werden. Sie fordern: Mehr Tempo bei der Planung.

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Eine Versammlung der Bürgerinitiative an der Einmündung der B 453 in die B 62, bei der Bundestagsabgeordneter Sören Bartol zu Eckelshäuser Bürgern spricht.

Quelle: Gianfranco Fain

Eckelshausen. Samstagnachmittag an der Einmündung der Bundesstraße 453 in die B 62 im Biedenkopfer Ortsteil. Der Verkehr fließt wie immer durch den Ort, der mit rund 18 000 Fahrzeugen am Tag neben Goßfelden der am stärksten belastete im Landkreis ist. Beweis: Man versteht manchmal sein eigenes Wort nicht. Doch etwas ist anders an diesem Wochenendtag: Der Schwerlastverkehr, der den Anwohnern das Leben zusätzlich zur Hölle macht, bleibt aus; und an der Einmündung stehen rund 30 Eckelshäuser. Geladen hat die Bürgerinitiative Ortsumgehung Eckelshausen, gekommen zum Ortstermin sind auch Biedenkopfs Bürgermeister Joachim Thiemig (SPD) und der heimische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol.

Der Grund der Zusammenkunft ist „eine Katastrophe, die so nicht hinnehmbar ist“, sagt Thiemig. Gemeint ist: die neuerliche Verzögerung bei der Planung der Umgehungsstraße (die OP berichtete). Zuvor erläutert der Bürgermeister, was die Verwaltung und die politischen Gremien der Stadt in der Vergangenheit unternommen haben, damit die Umgehungsstraße so bald wie möglich gebaut wird, und unterstreicht dies auch mit den Worten: „Wir alle stehen hinter dem Eckels­häuser Projekt“.

Ein Projekt, dessen Trasse seit dem Jahr 2011 feststeht, aber dessen Vorentwurf bei Hessen Mobil noch in Arbeit ist und nun im zweiten Halbjahr dem Bundesverkehrsministerium zur Begutachtung vorgelegt werden soll. Was nun angestrebt ist, sollte eigentlich in der ersten Jahreshälfte geschehen. Deshalb bezeichnet Thiemig diese Information als „eine herbe Enttäuschung“.

Bartol: Kriterien geändert, Planung schnell vollenden

Mehr sauer als enttäuscht ist Sören Bartol: „Mich ärgert der Versuch, den Schwarzen Peter hin- und herzuschieben.“ Der heimische Bundestagsabgeordnete reagiert auf eine vom BI-Sprecher Werner Mohrherr auszugsweise verlesene Antwort des Hessischen Ministerpräsidenten. In dieser teilt Volker Bouffier zwar mit, dass die Ortsumgehung mit den bei Hessen Mobil zur Verfügung stehenden Ressourcen vorangetrieben wird, aber zu berücksichtigen sei, dass der Bund mittelfristig den Schwerpunkt auf Erhaltungsarbeiten gelegt habe, die mit den Ressourcen des Landes umzusetzen seien.

„Wer sowas schreibt, hat keine Ahnung“, wertet Bartol Bouffiers Antwort als Versuch, dem Bund mit dem Hinweis auf die Erhaltungsplanung die Schuld in die Schuhe zu schieben.
Dabei ist die B 62 als Ganzes seit 2002 vom Bund in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen. Bartol weiß das so genau, weil er in seiner ersten Legislaturperiode daran beteiligt war. Der Gedanke damals war, so der mittlerweile stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion für den Bereich Verkehr und Bau, „die Planung aus einem Guss“, damit alle Orte vom Durchgangsverkehr entlastet werden können und es demnächst Buchenau nicht so erginge wie jetzt Eckelshausen.

„An der Priorität der Ortsumgehung hat sich nichts geändert“, unterstreicht Bartol, „nur, es ist nicht genug Kapazität zum Planen reingesteckt worden.“ Dieses Versäumnis des Landes sei umso bedauerlicher, weil dieses Jahr der Bundesverkehrswegeplan fortgeschrieben wird. Das bedeute: Jedes Straßenbauprojekt wird neu bewertet nach den neuen Kriterien – also: nicht mehr Geld für den Straßenbau, aber bei Priorität für Erhaltungsbauten.

Dersch: Sollten allmählich die Sachlichkeit verlassen

Deshalb seien die jetzt nötigen Abläufe klar: Wenn nach einem sauberen Verfahren möglichst schnell die Planung steht, wofür Hessen zuständig ist, und das Projekt vom Bund genehmigt ist, dann „beginnt der Kampf ums Geld“. „Dann bin ich an Ihrer Seite, um für Sie zu kämpfen“, sagte Bartol, der aber einschränkte, dass es auch dann noch Jahre dauern könne. Dennoch sollten die Eckelshäuser weiter aktiv bleiben und Bundes- sowie Landespolitiker um Unterstützung bitten.

Das betreibt die Bürgerinitiative schon seit mehr als 25 Jahren. In sehr sachlicher Weise, wie Sprecher Mohrherr und auch Ortsvorsteher Siegfried Engelbach betonen. Doch das müsse auch mal entsprechend honoriert werden, ergänzt Engelbach, der auch Fraktionschef der CDU in der Stadtverordnetenversammlung ist, mit einem Hinweis an die Landesregierung: Es könne nicht sein, dass Krakeeler bevorzugt werden. Dann dürfe man sich nicht wundern, wenn alle krakeelen, sagt Engelbach. Er fordert, in den Bemühungen nicht nachzulassen und der Empfehlung eines Wirtschaftslenkers zu folgen: „Wir müssen lästig bleiben“.

Dass es über das Vorgehen auch unterschiedliche Meinungen gibt, verdeutlichte Ortsbeiratsmitglied Giso Dersch. „Wir sollten allmählich mal die Sachlichkeit verlassen und uns überlegen, wie man mehr Druck machen kann.“ Denn: „Die da oben sitzen vieles aus.“

von Gianfranco Fain

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