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Windgenossen stecken in der Flaute

Energiegenossenschaft Windgenossen stecken in der Flaute

Ob Wind, Solarstrom oder Energie aus nachwachsenden Rohstoffen: Zurzeit stocken alle Projekte der Windgenossenschaft Dautphetal-Gladenbach, weil sie nicht wirtschaftlich zu betreiben sind.

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Ob sich rund um Herzhausen Windräder auf den Hügeln wie beim Windpark Hohensolms emporrecken werden, steht mehr denn je in den Sternen.

Quelle: Archivfoto

Herzhausen. Angesprochen auf die neue Version des Regionalteilplans Energie äußert sich Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt zwiegespalten: Mit dem Weißenberg, auf dem die Gemeinde einen Windpark errichten will, liege man im Plan, da müsse man nur unwesentliche Abstriche machen. In den anderen Bereichen, wo man alles gemeldet habe, was wünschenswert war, um die Möglichkeiten auszuloten, habe man „nicht alles erhalten“. „Da müssen wir mit leben“, sagt Schmidt.

Mit nicht alles ist zum Beispiel die Herzhäuser Sichel gemeint, die mal größer angelegt, zwischenzeitlich verschwunden und nun fast wieder komplett vorhanden ist. Doch da will die Gemeinde nicht selbst tätig werden, da die geeigneten Flächen im Gegensatz zum Weißenberg in Privathand sind. Zudem sei dort die Genossenschaft aktiv und somit am Zug, sagte Schmidt.

Windgeschwindigkeit erreicht Wert von 5,75

„Das ist uns momentan egal“, sagt Gernot Wege, Vorsitzender der Energie-Genossenschaft Dautphetal-Gladenbach. „Wir haben andere Probleme“, bekennt Wege. Die hat er den Genossen während einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, zu der rund 20 der 111 Genossen kamen, dargelegt. Zusammengefasst lautet die Bilanz: Die Genossenschaft steckt mit ihren Energievorhaben - sei es nun mit Windkraft, Photovoltaik oder andere alternative Energieerzeugungsformen - in der Flaute fest.

Da ist zuallererst die Windkraftnutzung. Was sich schon im vergangenen Jahr andeutete, bestätigte ein Windgutachten. Es weist mit 5,75 bis 5,8 Metern pro Sekunde eine wesentlich geringere mittlere Windgeschwindigkeit aus, als in den Prognosen mit 6,25 angegeben wurde. Als Folge mussten die zu erwartenden Erträge von fünf Anlagen von 37,5 Megawatt um 18 Prozent gesenkt werden. „Damit sind Windkraftanlagen nicht wirtschaftlich zu betreiben, wenn man ordentlich kalkuliert“, sagt Wege. Das daraus resultierende finanzielle Risiko will der Vorstand den Genossen nicht zumuten.

Zwar beauftragten die Genossen den Vorstand, bis zur Mitgliederversammlung am 26. Januar, die ein Jahr alten Zahlen zu aktualisieren und neue Angebote einzuholen, doch Wege glaubt nicht daran, dass sich „daran dramatisch was ändert“.

Holzhackschnitzel können mit Gas nicht konkurrieren

Auch will man nicht 60000 bis 70000 Euro „fahrlässig für Windmessungen verbraten“. Die Genossenschaft verfügt schließlich über kein Grundstück, auf dem exakte Messungen erfolgen könnten, sie müssten erst gepachtet werden. Doch 60 Herzhäuser hätten schon erklärt, keine Grundstücke für den Bau eines Windparks abzugeben.

Doch das ist nur einer der Nackenschläge, die die Genossenschaft verarbeiten muss. Auch die Bemühungen zur Bereitstellung von Wärmeenergie seien „ernüchternd“. Mit Wärmeenergie, die aus Holzhackschnitzel erzeugt wird, ein nachwachsender Rohstoff aus der Region, hätten die Schulen, die Verwaltungen, Industriebetriebe und Heime in Dautphetal oder Gladenbach beliefert werden können.

Doch man sei zu der Erkenntnis gekommen: „Wo es Erdgas gibt, haben wir keine Chance.“ Und solange die USA und Kanada durch die Rohstoffförderung mit dem Fraking-Verfahren die Rohstoffpreise drücken, sei eine solche langfristige Investition nicht sinnvoll. „Da wirkt sich die Weltpolitik bis auf unsere kleine Genossenschaft aus“, sagt Wege bitter.

Bei Photovoltaik von Anbietern ausgeknockt

Ebenfalls mit negativem Ergebnis behaftet ist das angestrebte Projekt der Energiegenossenschaft, an der Kläranlage Elmshausen eine Photovoltaikanlage zu errichten und den Strom der Kläranlage als Abnehmer zuzuführen. Das Projekt starb, als der Energielieferant der Kläranlage - vormals Eon, jetzt EAM - den Strompreis für das Klärwerk um zwei Cent senkte und damit ein Preisniveau erreicht wurde, der das Projekt für die Energiegenossenschaft unwirtschaftlich macht.

von Gianfranco Fain

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