Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Wildkatze führt Rodungs-Stopp herbei

Windpark Hilsberg Wildkatze führt Rodungs-Stopp herbei

Wieder einmal untersagte die letzte Verwaltungsgerichtsinstanz den für heute geplanten Arbeitsbeginn auf dem Hilsberg. Diesmal gibt es einen Aufschub bis, wahrscheinlich Mitte Oktober, das eigentliche Eilverfahren ansteht.

Voriger Artikel
Tolles Fest auf Millisch Hop
Nächster Artikel
Flügelschlagkonzert fällt aus
Quelle: Nicola Ohlen

Bad Endbach. Keine drei Tage ist es her und schon wechselt die Stimmungslage bei den beteiligten Parteien nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) in Kassel vom Montag wieder. Völlige Enttäuschung war aus den Äußerungen von Thomas Reuter zu hören. Der Bauamtsleiter hatte soeben die für Dienstag geplante Aktion auf dem Hilsberg abgeblasen, weil der VGH den Beschluss des Verwaltungsgerichts Gießen vom Freitag wieder aufgehoben hat. Nach diesem herrschte Freude bei den Verantwortlichen der Gemeinde und die Vorbereitungen für die Rodungen liefen am Freitag richtig an, nun ist die Enttäuschung wieder in Bad Endbach eingefallen. Die Gerichte entscheiden „mal so, mal so, ich kann mir das nicht erklären“, sagt Reuter, den der gestrige Beschluss offensichtlich trifft.

Zwar stimmte der VGH Kassel in seiner gestrigen Begründung dem VG Gießen insoweit zu, dass mit dem Antrag für einen „Hängebeschluss“ erst drei Tage vor dem angekündigten Arbeitsbeginn prozesstaktische Gründe zu vermuten seien, jedoch sieht es das von den Naturschützern neu aufgeführte Vorkommen von geschützten Wildkatzen nicht als völlig aus der Luft gegriffen an. Weiter erläutert VGH-Sprecher Harald Pabst auf OP-Anfrage, dass somit einsetzende Fäll- und Rodungsarbeiten sich negativ für den Lebensraum der „streng geschützten Wildkatzen“ auswirken könnten, die Gemeinde andererseits aber bis zum 28. Februar Zeit für die Arbeiten habe, die nur wenige Tage in Anspruch nehmen würden. Zudem könne auch abgewartet werden, bis wahrscheinlich Mitte Oktober eine Entscheidung im Eilverfahren gegen den Sofortvollzug der Baugenehmigung für den Windpark Hilsberg vorliege. Somit sei die Interessensabwägung zugunsten des Naturschutzes ausgegangen.

„Die letzte Instanz hat das letzte Wort“, sagt Reuter und versichert, dass sich die Gemeinde Bad Endbach an den Beschluss halten werde. Das muss sie auch tun, weil das Regierungspräsidium (RP) Gießen gestern sogleich eine Unterlassungsverfügung an die Gemeinde Bad Endbach gesandt hat. Die Sprecherin der Genehmigungsbehörde begrüßte, dass das VGH in seiner Rechtsfindung Sorgfalt vor Schnelligkeit walten ließ. Das RP hoffe nun darauf, dass das Eilverfahren eine Klärung bringt, erklärte Ina Velte.

Das hofft auch Otto Lixfeld. Der Vorsitzende des klagenden Vogelschutzvereins Holzhausen begrüßt die gestrige VGH-Entscheidung. „Somit werden vor der Behandlung des Eilantrags keine Fakten geschaffen“, freut sich Lixfeld und fügt an: „Einen solchen Beschluss hätte ich auch vom Verwaltungsgericht Gießen erwartet.“

Das Eilverfahren richtet sich gegen den vom RP erlassene Sofortvollzug der Baugenehmigung, gegen die auch ein Hauptverfahren ansteht.

FELIS SILVESTRIS SILVESTRIS

Die Europäische Wildkatze oder Waldkatze (Felis silvestris silvestris) ist eine Unterart der Wildkatze, die in Westeuropa von Schottland bis Portugal und in Osteuropa bis zum Kaukasus vorkommt. Im Erscheinungsbild ist die Wildkatze massiger und kraftvoller als die Hauskatze. Der Schwanz ist dick und relativ kurz, weist eine typische Dreier-Ringelung auf und endet stumpf. Die Augen liegen weit auseinander. An der Sohle befindet sich ein kleiner, schwarzer Fleck. Auf dem Rücken befindet sich ein typischer, durchgehender schwarzer Strich. Weiteres Erscheinungsmerkmal ist der helle Nasenspiegel.

Europäische Wildkatzen leben vorwiegend in Wäldern. Große Populationen kommen in Laubwäldern oder Mischwäldern vor, die von Menschen nicht gestört werden. Sie meiden Gebiete mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Seit den 1920er-Jahren erholen sich die Populationen in Belgien, Tschechien und der Slowakei, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien wieder, nachdem sie seit dem späten 18. Jahrhundert nahezu ausgerottet waren. In Nordhessen sind die Populationen heute ebenfalls wieder im Wachstum begriffen. Die Populationen sollen mit naturbelassenen Waldkorridoren verbunden werden oder sind es bereits. Die bisher vorherrschende Meinung über die als Raubtiere verschrienen Wildkatzen war bis Mitte des 20. Jahrhunderts, dass sie wegen starker Bejagung vielerorts ausgerottet waren. Neue Untersuchungen belegen, dass die Bestände zeitgleich auch in Gebieten mit Totalschutz, wie etwa in Hessen, abnahmen. Deshalb wird jetzt eher eine epidemisches Ereignis als wahrscheinlich angenommen.

Quelle: Wikipedia

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr