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Wilde Hinterländer "erfahren" Geschichte

Mit dem Fahrrad durch Amerika Wilde Hinterländer "erfahren" Geschichte

Alle zwei Jahre machen die Hinterländer Mountainbiker - eine Gruppe von fünf Männern - eine Reise ins Ausland. Dort fahren sie ihre Fahrräder auf den Spuren deutscher, hessischer und Hinterländer Auswanderer.

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Jörg Krug, Harald Becker, Ulrich Weigel posieren vor der Golden Gate Bridge in San Francisco. Gemeinsam waren die drei Hinterländer auf ihren Mountainbikes in den USA unterwegs.

Quelle: Privatfotos

Hinterland. Hätten Sie gedacht, dass die Vorfahren des Erschaffers der Freiheitsstatue aus dem Hinterland kommen? Oder dass die älteste Brauerei der USA von einem Wetzlarer gegründet wurde? Oder dass der einzige Überlebende der Kombächer Posträuber kurz vor seiner Hinrichtung in die USA floh und sich dort ein neues Leben aufbaute? Zehn weitere solcher Spuren waren es, die die Hinterländer Mountainbiker Ulrich Weigel, Jörg Krug, Harald Becker, Siggi Pitzer und Matthias Schmidt dazu veranlassten, die Geschichten dahinter „erfahren“ zu wollen. Zwei Jahre und intensive Planungen später werden die Mountainbikes in spezielle Koffer gepackt und es geht auf nach Übersee. „Leider konnten nur drei von uns die Reise antreten. Das war ein wenig schade“, sagt Ulrich Weigel im OP-Gespräch. Zehn Tage war er mit seinen Freunden Jörg Krug und Harald Becker in Kalifornien und New York unterwegs - Titel der Tour: „Die neue Welt und auf den Spuren des Mountainbike-Sports unterwegs in Amerika“.

Rasante Abfahrten standen ebenso im Programm wie...

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Skurrile Fahrradabenteuer sind es, die die Hinterländer erleben wollen. „Wir sind zwar alte, aber wilde Männer auf dem Rad“, sagt Weigel und lacht. Ziel sei es nicht, möglichst viele Kilometer zurückzulegen: „Was für uns zählt, ist die Qualität der Strecke“, betont der gebürtige Oberhörler. Sie seien getrieben vom Geschichtshunger auf der Suche nach deutschen, hessischen und wenn möglich Hinterländer Spuren in der ganzen Welt. „Und die verbinden wir eben gezielt mit fahrradtechnischen Abenteuern“, beschreibt der 53-Jährige, was die Hinterländer Mountainbiker seit 22 Jahren machen.

In Venice Beach in Kalifornien geht es los. Mit im Rucksack haben die Biker eine von nur noch drei existierenden Leica-Kameras, die den Absturz des Luftschiffes „Hindenburg“ am 6.Mai 1937 in Lakehurst (New Jersey) überlebten. Erstes Ziel ist daher erst einmal der Leica-­Store in Hollywood. „Los Angeles hat außer Hollywood nicht viel zu bieten, aber auch dort haben deutsche Einwanderer ihre Spuren hinterlassen“, berichtet Weigel und nennt als Beispiel Carl Laemmle, Begründer der Universal Studios. Im Napa Valley steht ein Besuch des Weingutes Charles Krug auf dem Programm, bevor sich die Mountainbiker den „Napa Trail“ hinabstürzen und in Fairfax die Legenden des Mountainbike-Sports Gary Fisher und Joe Breeze treffen.

Mit Sondergenehmigung auf Navy-Basis Lakehurst

Bevor Weigel, Krug und Becker allerdings die Reise an die Ostküste antreten, fahren sie mit ihren Rädern noch über die Golden Gate Bridge in San Francisco. „Dort hat übrigens auch deutsche Ingenieurskunst ihre Spuren hinterlassen: Die Firma Roebling war der Lieferant der innovativen Tragseile, die diese kühne Konstruktion erst ermöglichten“, erklärt Weigel.

In New York ist das erste Ziel der Hinterländer die Freiheitsstatue. „Das war ein echtes Highlight der Reise“, schwärmt Weigel. Vor zwei Jahren habe der Eschenburger Heimathistoriker Heinz Blöcher das Team auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der wesentlich zur Entscheidung für das Projektziel USA beigetragen habe. 100 Jahre nach der Enthüllung der Freiheitsstatue in New York veröffentlichte die New Yorker Staatszeitung & Herold einen Bericht über die Geschichte des Wahrzeichens, die mit den folgenden Worten begann: „Wussten Sie schon, das die Vorfahren des Schöpfers der Freiheitsstatue aus der deutschen Heimat stammen?“ Und nicht nur das: Die Eltern von Frédéric-Auguste Bartholdi wurden in der Kirche in Oberhörlen getraut. „Im Kirchenbuch haben wir auch entsprechende Eintragungen gefunden“, sagt Weigel nicht ohne Stolz: „Und weil wir quasi mit dem Erschaffer verwandt sind, wollten wir unbedingt ein Rad mit hoch auf die Aussichtsplattform nehmen. Das durften wir aber trotz intensiver Versuche über die Konsulate und geschäftlichen Kontakte leider nicht“, ergänzt der 53-Jährige.

Das abgeschirmte militärische Gebiet der Navy in Lakehurst, wo die „Hindenburg“ 1937 abstürzte, dürfen die drei Hinterländer dagegen samt ihrer Räder und der wertvollen Leica-Kamera betreten - mit Sondergenehmigung, weil offiziell nur US-Bürger Zutritt erhalten.

Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch in der ältesten Brauerei der USA „Schaefers Beer“ - gegründet von dem Wetzlarer Maximilian Schaefer, der im Jahr 1838 auswanderte.

Vom Hinterländer Posträuber David Briehl haben die Mountainbiker allerdings nichts mehr „erfahren“. Seine Spur verliert sich nach einem Brief vom 25.April 1845. „Vermutlich hat er die Ortsangabe auf dem Brief gefälscht, um nicht gefunden zu werden“, sagt Weigel, der mit seinen Freunden selbst Volkszählungsdokumente der Jahre 1920 und 1930 durchgesehen hat - ohne Erfolg. Dem Erfolg der gesamten Reise steht das aber nicht im Weg. Das soll auch die Projektbroschüre und ein Film zeigen, den die Hinterländer Mountainbiker am 2. Januar 2015 im Bürgerhaus in Oberhörlen präsentieren. Beginn ist um 19 Uhr.

Mehr über die Hinterländer Mountainbiker gibt es auf ihrem Blog zu lesen.

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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