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Wie der Wind so weht

Windpark Hilsberg Wie der Wind so weht

In der Abenddämmerung sind die Windräder oberhalb des Hünsteinortes noch zu sehen, zu hören sind sie nicht. Der Wind weht günstig für Holzhausen.

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Das Regierungspräsidium kündigt für die nächsten Tage weitere Messungen des Lärmpegels am Hilsberg an.

Quelle: Gianfranco Fain

Holzhausen. Dennoch ist es nicht wirklich still in einem der größeren Orte der Gemeinde Dautphetal: Ein Flugzeug ist in der Höhe zu hören, auch Autoverkehr rauscht in der Ferne vorbei, Menschen sind zum Bürgerhaus unterwegs, Autos fahren vor, es wird geredet.

Bis zu 50 Dezibel (dB) zeigt das Messgerät der OP je nach Geräuschkulisse um 19 Uhr vor dem Haus an. Darin hat die Bürgerinitiative (BI) zur Förderung des Naturschutzes und der Heimatpflege Holzhausen am Hünstein und Umgebung zu ihrer Jahreshauptversammlung gerufen und drinnen wird es lauter werden.

Knapp 90 Mitglieder sind in den kleinen Saal des Bürgerhauses gekommen, annähernd so viele wie bei vorherigen Sitzungen. Die Zulassung der vorzeitigen Baugenehmigung durch die Verwaltungsgerichte habe sich kaum auf die Mitgliederzahl ausgewirkt, es seien immer noch rund 1300 erklärt Vorsitzender Reinhold Leinweber der OP.

Ging es in den vorigen Jahren darum, den Bau der Windkraftanlagen auf dem Hilsberg durch die Gemeinde Bad Endbach zu verhindern, so dominiert jetzt, wo die Windräder im Probebetrieb laufen, ein Thema: Der durch sie verursachte Lärm.

82 Dezibel

Darüber gerät der Bericht des Vorsitzenden über das vergangene Jahr fast zur Nebensache, kennt doch jeder im Raum die Vorkommnisse (die OP berichtete) und weiß auch, dass die Hoffnungen auf dem Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht ruhen. Die Klage wird vom Vogelschutzverein Holzhausen betrieben, für den der stellvertretende Vorsitzende Marc Sänger anwesend ist, doch auch er weiß nicht, wann die Verhandlung stattfinden wird.

„Die Verunstaltungen der Natur sind noch viel schlimmer als erwartet und wir müssen täglich damit leben“, sagt Leinweber und Schall und Schlagschatten seien Belastungen, die „so nicht hinnehmbar sind“. Der Beifall erreicht 82 Dezibel.

Es gebe viele, viele Beschwerden über die Schallbelästigung im Ort, sagt Leinweber und erklärt anhand einer Schallkarte, wie die zulässigen Werte „zurechtgerechnet“ wurden, damit sie für das Wochenendgebiet und für Holzhausen „passen“. Mit Modellwerten, die für das flache Land ermittelt wurden und nicht für die Standorte auf dem Hilsberg mit seinen topografischen Besonderheiten, die bis nach Holzhausen wirken.

Bei Süd-/Westwind treffe Holzhausen die komplette Belastung, prophezeit Leinweber, der befürchtet: Die Lärmbelästigung durch die Windräder könne im Normalbetrieb 60 bis 70 Dezibel erreichen. Der BI-Vorsitzende fordert deshalb vom Regierungspräsidium (RP) in Gießen eine Einzelfallprüfung.

84, 87, 90 Dezibel

Der Verein solle selbst Messungen vornehmen fordert ein Teilnehmer, weil man dem RP misstraut. Das sei geschehen wird versichert. Ein anderer berichtet, dass die Lärmbelästigung in den vergangenen Wochen vor allem abends und am Wochenende sehr groß gewesen sei. Ein weiterer beschreibt es so: „Wenn alle Anlagen laufen, glaubst Du, Du wärst auf dem Flughafen.“

Der Schall werde im Ort unterschiedlich wahrgenommen, je nach Windrichtung und Wetterlage seien die Räder auch gar nicht zu hören, und deshalb bekräftigt Leinweber die Forderung nach der Einzelfallprüfung.

Während der Kassenbericht – der Verein steht finanziell gut da – mit 84 Dezibel und die Bestätigung des Vorstands im Amt mit 87 Dezibel in dem kleinen Raum schon sehr laut ausfällt, werden die Werte durch den Beitrag von Dieter Jurkat noch übertroffen.

90 dB zeigt das Messgerät an, nachdem er über die ersten Erfahrungen mit Schlagschatten, Eisabwurf und Geräuschbelästigung berichtete und auch darüber, was Regierungspräsident Dr. Lars Witteck unter anderem auf die Beschwerden geantwortet habe, nämlich, dass man von weiteren Meldungen zu Lärmereignissen absehen möge.

38 Dezibel

Dies sei eine „Unverschämtheit“, sagt Jurkat und fordert, wie zuvor auch andere Vorstandsmitglieder, die Holzhäuser auf: „Schickt eure Beschwerden direkt an das RP und die Gemeinde Bad Endbach, damit die wissen, was hier los ist.“

Damit die Mitglieder wissen, wer gemeint ist, wirft ein Beamer ­E-Mail-Adressen an die Wand und Zettel zum Mitnehmen liegen im Foyer auch bereit. Die Versammlung löst sich nach zwei Stunden auf. Draußen hat der Wind noch nicht gedreht, aber es ist ruhiger geworden: 38 dB.

von Gianfranco Fain

 
Anlagen dürfen bis zu den Grenzwerten zu hören sein

von Gianfranco Fain

Die Oberhessische Presse fragte beim Regierungspräsidium (RP) in Gießen nach, wie die Aufsichtsbehörde mit den Beschwerden der Holzhäuser über die drei im Normalbetrieb und zwei im Probe­betrieb laufenden Windräder umgeht.

„Das RP Gießen geht allen Beschwerden aufmerksam nach“, sagte Sprecherin Ina Velte. Bisher gebe es 13 Beschwerdeführer, einige davon wandten sich mehrfach ans RP. Bereits nach den ersten Anrufen fand ein Ortstermin für eine Immissionsmessung statt. „Da die Anlagen aber trotz ausreichendem Wind nicht in Betrieb waren, blieb dieser Versuch erfolglos“, erklärt Velte.

Bei einer mittlerweile erfolgten Messung erreichte der Lärm allerdings nicht die Grenzwerte. „Die Anlagen waren an diesem Tag gegenüber den normalen Umgebungsgeräuschen kaum wahrnehmbar“, sagt Velte. Allerdings wurde die maximale Anlagenleistung auch nicht erreicht. Deshalb würden in den nächsten Tagen weitere Messungen bei Maximalbetrieb stattfinden, womöglich auch nachts oder am Wochenende.

„Unabhängig davon gleichen unsere Fachleute aber auch die Protokolle der Anlagen mit den Beschwerden ab und schauen, ob sich aus dem Betrieb der Anlage selbst ein Schluss herleiten lässt, der zu den vermehrten Geräuschwahrnehmungen führen könnte“, erklärt Velte.

Der laut Genehmigungsbescheid zulässige Immissions­pegel beträgt 40 dB am Ortsrand und 35 dB im Wochenendhausgebiet. „Entscheidend ist dabei, was als Anlagenlärm am Messgerät ankommt, also der Lärm insgesamt – wenn er unter die TA Lärm fällt, wie zum Beispiel auch gewerbliche Betriebe vor Ort oder andere gewerbliche Anlagen“, schränkt Velte ein.

Rechnerisch und messtechnisch abgezogen würden hingegen der Lärm aus Straßenverkehr und sonstige Umweltgeräusche, wie beispielsweise das Rauschen des Windes allgemein oder Blätterrauschen.

Die kommenden Messungen würden zeigen, ob die Grenzwerte überschritten oder eingehalten werden. „Einen Anspruch auf absolute Ruhe gibt es aber nicht“, betont Velte. Die Anlagen dürfen bis zur Ausschöpfung der Grenzwerte zu hören sein.

 
Wahlen

Vorsitzender: Reinhold Leinweber, Stellvertreter Dieter Jurkat

Kassierer: Mathias Kamm

Schriftführerin: Bärbel Bastian, Stellv.: Sybille O. Beinborn

Beisitzer: Ursula Bösser, Uwe Bösser, Walter Debus, Ulli Donges, Andreas Knoll, Uwe Kramer, Charly Mutschler, Mark Sänger.

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