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Widerstand verpufft an Ärzte-Haltung

Ärztliche Bereitschaftsdienst-Zentralen Widerstand verpufft an Ärzte-Haltung

Die Entscheidung ist gefallen, die Enttäuschung unter den Befürwortern des Erhalts der Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentrale in Gladenbach ist groß: Zum 1. Juli wird sie geschlossen. Die Fusion mit dem neuen Standort Biedenkopf währt aber nur drei Monate, dann wird alles von Marburg aus gelenkt. Das gilt ab April 2014 auch für den Ostkreis, wenn die dortige Bereitschaftsdienstzuentrale geschlossen ist.

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Hunderte Bürger, die nicht nur aus dem Hinterland nach Gladenbach kamen, demonstrierten am 13. April gegen die beabsichtigte Schließung der Ärztlichen Bereitschafts-Zentrale in der Hinterland-Stadt.

Quelle: Michael Hoffsteter

Gladenbach. Seit die Oberhessische Presse Anfang November die Pläne der Ärzteschaft des Kreises und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) publik machte, formierte sich unter den Menschen des Hinterlandes der Widerstand gegen die Schließung der Bereitschaftsdienst-Zentralen in Gladenbach und Biedenkopf mit dem Ziel einer Zentralisierung im Diakonie-Krankenhaus in Marburg-Wehrda.

Doch seit einer Mitteilung der KVH am Dienstag steht fest, dass der Kampf vergebens war. Die Enttäuschung darüber merkt man den Reaktionen der Wortführer an: „Das ist Schade, es geht wieder was verloren“, sagt Peter Kremer. Zuvor hatte der stellvertretende Fraktionschef der SPD im Gladenbacher Stadtparlament noch „was für ein Unsinn“ vorweggeschickt. Diese Entwicklung habe sich aber in Briefen der KV angedeutet, ergänzt Kremer, der den Widerstand in Gladenbach maßgeblich ins Rollen brachte.

Regelrecht resigniert klingt Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim: „Was sollen wir machen? Wenn die Ärzte dieser Entwicklung zustimmen, sind uns die Hände gebunden.“ „Nach meinem Verständnis einer medizinischen Grundversorgung, führt dieser Weg in die falsche Richtung und zu einer Benachteiligung des ländlichen Raums“, ergänzt der Gladenbacher Rathauschefs, der auch als Sprecher seiner Hinterland-Kollegen fungiert.

Die dezentrale Struktur habe sich bewährt und durch die Zentralisierung in Marburg entstünden für die Patienten nicht nur weitere Wege, sondern auch längere Wartezeiten. Zudem befürchtet Knierim, dass die Ärzte nicht mehr rechtzeitig aufgesucht werden, was für Grenzfälle gefährlich werden könne.

Enttäuscht sind die beiden Gladenbacher Wortführer auch deshalb, weil sie nicht nur protestiert haben, sondern auch einen Gegenvorschlag zur solidarischen Finanzierung der Bereitschaftsdienst-Zentralen durch alle Ärzte des Landkreises unterbreitet haben. Damit sollten die Zentralen in der jetzigen Form bestehen bleiben. Ein Vorschlag, der keinen Widerhall fand.

„Sehr überrascht“, ist auch Dr. Karsten McGovern. Man könne über ein Modell streiten, aber auch erwarten, dass man in die Entscheidung eingebunden werde, kritisiert der Gesundheitsdezernent des Kreises dass „dass die KV hier im Alleingang und trotz des großen öffentlichen Interesses eine Entscheidung getroffen hat, ohne sich mit der Region abzustimmen. Diese Chance, auch die Bevölkerung mitzunehmen, wurde leider vertan.“

In einer Presseinformation teilt die KVH am Dienstag mit, dass es zu Veränderungen kommt. Dadurch würde sich „die ambulante Versorgung außerhalb der sprechstundenfreien Zeiten verbessern“, weil sie sich zukünftig auf mehrere Ärzte mit unterschiedlichen Aufgaben verteile. Es werde „vermieden, dass Patienten abends, nachts oder am Wochenende keine Praxis aufsuchen können, weil der Bereitschafts-Arzt gerade zu einem Hausbesuch unterwegs ist“. „Im Gegenzug dafür müssen sich Patienten selbst - je nach Wohnort - auf längere Wegstrecken zur Ärztlichen Bereitschaftsdienst-Zentrale einstellen“, heißt es weiter.

Ausweichmöglichkeiten: Dillenburg und Ziegenhain

Als Lösung wird angeboten: „Um aus Randgebieten des Bezirks Fahrzeiten zu verkürzen, können mobile Patienten selbstverständlich auch die ÄBD-Zentralen in Dillenburg oder in Schwalmstadt-Ziegenhain aufsuchen.“

Es wird auch noch auf Abgrenzung zum Rettungsdienst (112) hingewiesen: „Bei starken Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit, schweren Verbrennungen oder anderen akuten lebensbedrohlichen Symptomen muss sofort der Rettungsdienst unter der Nummer 112 angefordert werden. Hier finden Patienten jederzeit innerhalb kürzester Zeit Hilfe.“

von Gianfranco Fain

Das ändert sich

  • Zum 1. Juli 2013 fusionieren die Ärztlichen Bereitschaftsdienste (ÄBD) Gladenbach und Biedenkopf am Standort DRK-Krankenhaus in Biedenkopf zum ÄBD „Hinterland“. Dieser wird 3 Monate bestehen.
  • Ab dem 1. Oktober 2013 müssen sich die Patienten telefonisch beim ÄBD in Marburg melden und ihre Symptome „medizinischem Fachpersonal“ schildern. Je nach ‚Art der Erkrankung wird mit dem Patienten vereinbart, dass er sich zum Diakoniekrankenhaus Marburg begibt oder ein Arzt ihn zu Hause aufsucht.
  • Zum 1. April 2014 wird die Fusion mit der Auflösung der ÄBD in Stadtallendorf komplettiert. Dann bilden die ÄDB Marburg, Hinterland und Ostkreis eine Einheit als ÄBD Marburg-Biedenkopf. Mobile Patienten müssen nun nach Marburg-Wehrda fahren. Von dort aus werden auch die dann für Hausbesuche gebildeten vier Fahrdienste organisiert, die sich an den Zuständigkeitsbereichen der bisherigen ÄBD-Bezirke orientieren.
  • Kontakt: Ab dem 1. Juli ist der ÄBD im Landkreis unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116117, die es seit dem vergangenen Jahr gibt, zu erreichen. Die Gemeinde Wohratal soll zum 1. Oktober an diese Rufnummer angeschlossen sein.
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