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Wettläufer setzen auf Hermann Damm

Grenzgang Buchenau Wettläufer setzen auf Hermann Damm

Wenn die Wettläufer das Peitschenknallen üben, kann einiges schiefgehen. Werden die Peitschen beschädigt, dann wenden sich die Wettläufer an Hermann Damm.

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Wettläufer Stefan Landschneider (links) und Christian Platt (rechts) sind froh, dass Hermann Damms Fähigkeiten als gelernter Sattler und Polsterer zumindest während des Grenzgangs noch nicht benötigt wurden.Foto: Salomé Weber

Buchenau. „Seit ungefähr 21 Jahren kümmere ich mich um die Peitschen der Wettläufer“, berichtet Hermann Damm. Die Peitsche gehört zu der Uniform der Wettläufer, wie die Grenzsteine zum Grenzgang. „Und genau wegen dieser Grenzsteine ist die Idee des Grenzgangs mit den dazugehörigen Figuren, Ritualen und Traditionen entstanden“, berichtet Damm weiter. Der Wald rund um Buchenau gehöre verschiedenen Menschen. Die Grenzen zwischen diesen Grundbesitztümern seien durch Grenzsteine markiert.

Aus Eigennutz hatten „böse Nachbarn“ damit begonnen die Grenzsteine zu ihren Gunsten zu versetzen. „Die Besitzer wollten sich dieses Vorgehen nicht gefallen lassen.

Sie schickten zwei Wettläufer mit Peitschen und einen ‚Mohr‘ in den Wald. Sie sollten die Grenzen ablaufen und den ‚Nachbarn‘ Angst einjagen“, so Damm weiter. Aus diesem Vorgehen entstand schließlich der Grenzgang.

Die Uniformen der Wettläufer sind im Laufe der Jahrzehnte sicherlich etwas farbenprächtiger geworden, aber die Peitschen sind geblieben. Es sind nicht die gleichen Peitschen, wie damals, als die Nachbarn vertrieben werden sollten, denn jeder Wettläufer darf seine Peitsche behalten - zur Erinnerung. Obwohl jeder Wettläufer eine neue Peitsche erhält, ist das kein Garant dafür, dass beim Peitschenknallen nichts kaputt geht. „So ein Peitschenhieb hinterlässt Spuren, die sind scharf wie ein Messerschnitt. Meistens treffen die angehenden Läufer bei ihren Übungen das Seil der Peitsche mit den Platzschnüren.

Sie kommen dann ganz zerknirscht zu mir und ich repariere die Abnutzungserscheinungen“, berichtet der gelernte Sattler und Polsterer und fügt lachend hinzu: „Ich mache das gerne, möchte auch gar nichts dafür haben, aber die Jungs bestehen meistens auf eine Einladung zum Mittagessen - das lasse ich mir dann doch ganz gerne gefallen“. Weil das Üben mit der Peitsche auch für die Wettläufer gefährlich werden kann, kamen die Vorgänger von Stefan Landschneider und Christian Platt auf die Idee, bei den Übungen, Motorradhelme zu tragen. „Die Verletzungsgefahr darf man wirklich nicht unterschätzen“, sagt der 74-Jährige und weiter: „Einmal gab es einen Vorfall, als ein Wettläufer eine Rangelei mit einem Peitschenschlag beenden wollte. Leider traf er dabei einen der Beteiligten und trennte ihm ein Stück seines Ohres ab.“

Die Peitschen bestehen aus Hart-Rohr, das aus Peru importiert wird und einer etwa zwei Meter langen Lederschnur. An dem Ende dieser Schnur befinden sich die sogenannten Platzschnüre, die das laute Knallen verursachen. „Eine Frau sagte mal zu ihrer Freundin: ‚Wie schaffen die das bloß, die Zündplättchen so schnell zu werfen, wenn sie die Peitschen schwingen?‘

Ich habe ihr dann erklärt, dass das Geräusch durch die Platzschüre entsteht - ähnlich, wie bei einem Düsenjet, der die Schallmauer durchbricht“. Als die beiden Wettläufer Hermann Damm am Samstag auf dem Dornochsenberg begegnen, laufen sie schmunzelnd auf ihn zu. „Bis jetzt ist noch nichts schiefgegangen“, sagen sie freudestrahlend. „Dieser Grenzgang ist noch mal um einiges größer als die vergangenen. Das ganze Dorf ist schön geschmückt, es gibt mehr Fahrgeschäfte, und ich habe das Gefühl, dass sogar noch mehr Leute gekommen sind“, resümiert Damm. Neben all dem Lob hat er aber auch einen Kritikpunkt, den er mit einem Zwinkern hinzufügt: „Die jungen Leute können gar nicht mehr richtig tanzen.

Heutzutage wird nur noch auf den Tischen geschunkelt. Früher war das Tanzparkett brechend voll - da war es für die Jungs und Mädels viel einfacher sich kennenzulernen, um vielleicht eine Partnerschaft fürs Leben zu schließen.“

von Salomé Weber

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