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Wettläufer: ein Wunsch von Kindesbeinen an

Grenzgang Buchenau 2013 Wettläufer: ein Wunsch von Kindesbeinen an

Christian Platt und Stefan Landschneider sind die Wettläufer des Buchenauer Grenzgangs 2013. Gemeinsam bereiten sich die Männer auf ihre traditionsreiche Rolle beim Heimatfest vor und finden: „Es ist eine große Ehre!“

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Die Wettläufer des Buchenauer Grenzgangs 2013 sind Stefan Landschneider (links) und sein Freund Christian Platt.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Buchenau. Für die offiziellen Grenzgangsfotos haben sich alle in feinen Zwirn gehüllt. Auch die Wettläufer zeigen sich erstmals in voller Montur in der Öffentlichkeit. Und als Christian Platt und Stefan Landschneider in Begleitung von Mohr Jens Wege am Treffpunkt erscheinen, sind alle Augen und Dutzende Fotoapparate auf die Symbolfiguren gerichtet, werden Hunderte Bilder gemacht.

„Das war ein Gänsehautmoment“, betont Stefan rückblickend. Auch Christian, den die Begeisterung der Leute überraschte, war überwältigt. „Bei dem Termin habe ich gemerkt, dass es allmählich ernst wird“, sagt er schmunzelnd.

Die Geschichte des sympathischen Wettläufer-Duos begann vor zwei Jahren, nachdem beide entschieden, sich um die besonderen Ämter zu bewerben. Schon zwei Grenzgänge haben sie als Kinder mitgemacht, zwei als Jugendliche ausgiebig gefeiert. Auch deshalb sei es Zeit für den nächsten Schritt gewesen: Die Kandidatur für ein Repräsentanten-Amt. Im August 2011 gaben der 31-jährige Christian von der Burschenschaft Muth und der 34-jährige Stefan von der Burschenschaft Damm ihre Bewerbungen beim Komitee ab und wurden schon einen Monat später aus vier Anwärtern ausgewählt.

Training mit Peitschen, Schals und Schutzbrillen

Im Jahr 1985 erlebten die Burschen ihren ersten Grenzgang, bei dem Christian an der Seite seiner Oma die Frühstücksplätze besuchte und Stefan, mit einer kleinen Peitsche in der Hand über den Rummelplatz tollte. Während Stefan auch 1992 noch Zuschauer war, begleitete Christian das Fest bereits aktiv als Querflötist im Spielmannszug. „Schon das war etwas Besonderes für mich“, betont der Konstrukteur stolz. Nach der Konfirmation traten die Jugendlichen den Burschenschaften bei: Stefan wird 1996 Mitglied bei „Heurersch“, Christian 1997 bei „Scheus“. In der Folgezeit bekleideten die jungen Männer Vorstandsposten, waren Schriftführer oder Fahnenträger ihrer Gesellschaften. Den Wunsch, Wettläufer beim Grenzgang zu sein, trug Christian - ebenso wie Stefan - schon seit Kindertagen in sich: „Das ist ein reizvolles Amt! Ich habe schon früh gedacht: Das will ich auch mal machen!“

Im Mai des vergangenen Jahres bekamen die Wettläufer ihre Peitschen und begannen mit der Vorbereitung auf das Fest. Zunächst trainierte das Duo den Umgang - und weil sie die Gruselgeschichten ihrer Vorgänger kannten waren sie mit dickem Schal und Schutzbrille ausgestattet. Wertvolle Tipps holten sie sich von ehemaligen Buchenauer Wettläufern und den Biedenkopfer Kollegen.

Links- und Rechtshänder harmonieren

Beide, der Linkshänder Christian und der Rechtshänder Stefan, harmonierten von Beginn an und lernten ihr Handwerk rasch. „Es ist im Grunde wie Rad fahren: Irgendwann läuft es von allein“, weiß Stefan und Christian nickt. Seit Januar befinden sich die Männer zudem im Lauftraining, legen wöchentlich rund 80 Wald- und Wiesenkilometer zurück. Außerdem trainieren beide das Huppchen auf den Grenzsteinen, denn während des Festes wollen mehr als 1000 Menschen gehoben werden.

Daneben absolvieren beide eine Vielzahl an Terminen, von Sitzungen bis zu den Besuchen der Gesellschaften. Bei fast jedem Termin greifen die Wettläufer zu den Peitschen und zeigen ihr Können. Mittlerweile ist die anfängliche Nervosität der Freunde, die sich schon als Kinder kannten, einer gewissen Routine gewichen.

Die gemeinsame Vorgrenzgangszeit hat die Wettläufer enger zusammengeschweißt. Beide investieren viel in die Vorbereitungen, verbringen beinahe jeden Tag zusammen. „Ich sehe Stefan derzeit fast häufiger als meine Freundin“, scherzt Christian. Es sei eben wichtig, bestmöglich vorbereitet in den Grenzgang zu starten, beteuert Informatik-Student Stefan und ergänzt: „Wir wollen unser Können zeigen und die Leute beim Grenzgang begeistern!“

Bis zum Fest haben Christian und Stefan noch viel Arbeit vor sich: Auf den Grenzsteinen an den Frühstücksplätzen müssen die Jahreszahlen noch aktualisiert und der Symbolstein für den Zeltvorplatz gebaut werden. Denken sie an den Grenzgang, beeindruckt beide vor allem, dass aus Streitigkeiten zwischen Orten über die Jahrhunderte ein Fest wurde, bei dem alle Seiten gemeinsam ausgelassen feiern. „Und wir sind mittendrin“, betonen Stefan und Christian, der glaubt, dass auch sein fünfjähriger Sohn Louis einmal Wettläufer sein möchte. Schließlich hat er ihm schon eine kleine Peitsche gebaut. Doch Louis hat - zum Entsetzen der beiden Wettläufer - andere Pläne: „Wenn ich groß bin, will ich Mohr werden!“

von Benedikt Bernshausen

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