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„Werte können nicht verfallen“

Bruder Paulus sprach in Lohra „Werte können nicht verfallen“

Der durch Publikationen und TV-Auftritte bekannte Ordensmann Bruder Paulus sprach vor 200 Gästen des Wirtschaftsforums Lohra. Ausdrucksstark ­
und mit Humor packte er ernste Themen an.

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„Was zählen Werte, die nicht zählen?“, fragt Bruder Paulus vom Kapuzinerorden in Frankfurt.

Quelle: Nadine Weigel

Lohra. „Sie haben eine Stimme, die anerkannt wird“, sagte Bürgermeister Georg Gaul in ­seinem Grußwort zu Bruder Paulus. Ähnlich äußerte sich auch Horst Heuser vom Vorstand des Wirtschaftsforums Lohra, auf dessen Einladung am Donnerstagabend rund 200 Gäste zur Veranstaltung im Saal der Firma Hof Sonderanlagenbau kamen. Die Moderation der Veranstaltung hatte Anna Ntemiris von der Chefredaktion der Oberhessischen Presse übernommen.

Ntemiris stellte den 57-jährigen gebürtigen Münsterländer vor, der mit bürgerlichem Namen Bernhard Gerhard Terwitte heißt. Er ist seit seinem 19. Lebensjahr im Kapuzinerorden und lebt heute als Ordensmann im Kapuzinerkloster Liebfrauen in Frankfurt.

Bruder Paulus hat Theologie studiert, ist Priester, Seelsorger und Medienstar und wird nicht nur in der Bankenstadt Frankfurt gern als Experte zum Thema Ethik in der Wirtschaft eingeladen.

„Wir tragen Verantwortung“

Bruder Paulus nannte in seinem Vortrag als Werte Gerechtigkeit, Liebe, Frieden und Würde. Humorvoll, teils provokant, teils nachdenklich und vor ­allem mit ausgeprägter Gestik führte er die einzelnen Punkte aus. „Gerechtigkeit ist ein Anspruch, den wir alle an das ­Gemeinwesen haben. Liebe ist ein Wert, bei dem ich mich entscheide, nicht selbstsüchtig zu handeln.“ Der Mönch rief die Zuhörer dazu auf, raus zu schauen und in Bezogenheit zu leben. „Liebevolle Menschen sind solche Menschen, die die Augen offen halten und am ­Leben teilhaben.“

Er, der sich der Ehelosigkeit verpflichtet hat, bekannte,­ als Seelsorger viele Eheleute zu kennen. Schlimm sei, wenn „zwei Ich-AGs eine GmbH gründen“ und „dann vielleicht noch eine dritte Ich-AG erzeugen“. Das Publikum lachte. Und der Referent wurde wieder nachdenklicher. Friede sei unabdingbar für ein dauerhaftes menschliches Zusammenleben.

„Du bist es mir wert, dass ich mich um dich kümmere“, umschrieb Bruder Paulus die Würde. „Gerecht zu sein, auch wenn ich Nachteile davon haben“, nannte er eine Nagelprobe ethischen Handelns. Das Kreuz Christi lehre uns, die Hand hinzuhalten auch wenn schon dreimal daraufgeschlagen wurde. Zu der heutzutage allgegenwärtigen Klage über den Werteverfall sagte Bruder Paulus: „Werte können nicht verfallen, aber wir können sie zumüllen.“

Unsere „ach so tolerante zivilisierte westliche Gesellschaft“ könne ganz schnell intolerant werden, wenn Menschen nicht den Normen entsprechen. In den USA werde staatlich legitimiert mehrere hundert Mal im Jahr die Todesstrafe durchgeführt und hierzulande vieltausendfach ungeborenes Leben mit staatlicher Legitimation getötet.

„Wir tragen Verantwortung für alles was wir tun und nicht tun“, beendete Bruder Paulus seinen Vortrag. Danach nutzten die Zuhörer die Gelegenheit, noch rund 30 Minuten lang Fragen an den Ordensmann zu stellen.

von Anita Ruprecht

 
 
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