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„Wenn Du kommst, geht die Sonne auf“

Bürgerengagement „Wenn Du kommst, geht die Sonne auf“

Elfriede Köhler erhält am Freitag eine Auszeichnung des Landes Hessen für ihr „Soziales Bürgerengagement“

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Nicht nur das von ihr initiierte Suppenfest beim Lohraer „Tag der Integration“ ist ein Kennzeichen von Elfriede Köhler, auch sonst spielen Suppen bei ihren Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen eine Rolle.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Eine ihrer Aufgaben ist, sich für Menschen einsetzen, die der Hilfe bedürfen, und dies seit Jahrzehnten. „Ich freue mich über die Auszeichnung für „Soziales Bürgerengagement“, die mir zu teil wird. Dennoch engagiere ich mich nicht des Lobes wegen“, sagt Elfriede Köhler.

Soziales Bürgerengagement ist für die Lohraerin eine ganz selbstverständliche Aufgabe. In ihrer Familie haben Elfriede und Horst Köhler neben ihrem eigenen Sohn auch einem Pflegesohn und einer albanischen Adoptivtochter eine Heimat geboten.

Elfriede Köhler führt den Arbeitskreis für Menschenrechte und Menschenwürde in Lohra. Die Aufgabe dieses Arbeitskreises ist es, sich um Menschen zu kümmern, die das Schicksal nach Lohra führt. So kümmert sich Elfriede Köhler derzeit um sieben somalische Männer und alleinerziehende Frauen, die als Flüchtlinge in der ehemaligen Molkerei in Lohra untergebracht sind.

Mit diesen Menschen einmal in der Woche mittwochs zusammen eine abwechslungsreiche schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten, das bereitet ihr Freude. „Mama - so wird sie dort genannt -, das schmeckt“, diese Worte des Dankes genügen ihr.

Wie die 67-Jährige erzählt, kümmerte sie sich bereits vor 20 Jahren in Rodenhausen um Flüchtlinge, die damals aus Albanien kamen und in jenem Lohraer Ortsteil ohne Infrastruktur untergebracht gewesen seien. „Alle saßen um mich herum und ich habe angefangen, diese Menschen mit der deutschen Sprache bekannt zu machen.“ Dort habe sie auch ihre spätere Adoptivtochter kennengelernt und sich mit ihr in französischer Sprache verständigt.

Ayslbewerberfrage ließ sie in die SPD eintreten

Sie lernte französisch, da die Gemeinde Lohra seit 45 Jahren eine Partnerschaft mit Vivonne pflegt. Fünf Familien waren damals in Rodenhausen untergebracht. Ganz normal für sie sei es gewesen, dass sie zum Beispiel auch Frauen zur Entbindung in die Klinik oder auch bei

anderen „Dienstfahrten“ begleitet habe. „Wenn du kommst, geht die Sonne auf“. Diese Worte, die sie sehr berührt hätten, vergesse sie nicht.

Zu den Aktivitäten des Arbeitskreises für Menschenrechte und Menschenwürde Lohra gehört das Sommerfest und seit vier Jahren ein „Internationales Suppenfest“, das sehr gut angenommen und auch von ehemaligen Flüchtlingsfamilien besucht wird.

In der kommenden Woche findet eine Nikolausfeier statt. Es sind nicht nur die Aufgaben der Gegenwart, denen sich Elfriede Köhler stellt, sie wendet sich mit dem Arbeitskreis auch der Vergangenheit zu: mit einer jährlichen Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am jüdischen Denkmal in Lohra.

Elfriede Köhler arbeitet im Vorstand des Hospizdienstes „Immanuel“ und begleitet seit etwa fünf Jahren Sterbende. Eine solche Begleitung ausführen zu dürfen, habe für sie Priorität. Durch die Krankheit ihrer Schwester und deren Tod kam sie in Berührung mit dem Hospizdienst und sich für eine solche gewiss nicht leichte Zuwendung zu sterbenden Menschen und deren Angehörigen entschlossen. „Es ist das Gefühl der inneren Zufriedenheit, das mir eine solche Sterbebegleitung zurück gibt“, bekennt Elfriede Köhler.

Der Motor ihres Wirkens ist der Ehemann

Das Amt der Ortsvorsteherin von Lohra bekleidet Elfriede Köhler ebenfalls, und das schon seit acht Jahren. Dem Gemeindeparlament gehört sie seit 1993 an. Der geplante Bau eines Asylbewerberheims, der in einer außerordentlichen Parlamentssitzung im Februar 1993 ausdiskutiert worden sei, habe in ihr den

Entschluss reifen lassen: „Jetzt musst du Farbe bekennen“ und trat in die SPD ein. Im Übrigen hebt Elfriede Köhler hervor, ist ihr Heimatdorf Lohra ein sehr offenes Dorf. Sie stellt fest: „Ich bin froh und glücklich, dass ich mein Leben hier verbringen kann.“

Der Motor ihres Wirkens sei ihr Mann Horst, ist sich die gelernte Friseurin sicher, die das Singen im Gemischten Chor Lohra seit 40 Jahren als ihr Hobby bezeichnet.

von Helga Peter

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