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Weltuntergangs-Party hat ihren Preis

Abmahnung Weltuntergangs-Party hat ihren Preis

Wegen einer Weltuntergangs-Party wird Marita Gliesche zur Kasse gebeten. Sie hat gegen das Markenrecht verstoßen.

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Rund 3 000 Euro soll Marita Gliesche zahlen, weil sie am 22. Dezember eine Weltuntergang-Party veranstaltete. Die Kopie einer Markenurkunde beweist: Ein Gastronom aus Bayern hat sich den Begriff „Weltuntergang“ schützen lassen.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Bad Laasphe . Ungläubig schüttelt Marita Gliesche den Kopf. „Ich habe eine Straftat begangen“, sagt sie und zeigt auf die entsprechende Zeile eines siebenseitigen Briefes. Als Gliesche, Inhaberin der Bad Laaspher Diskothek „Connection“, zu Beginn des neuen Jahres ihr Postfach leert, traut sie ihren Augen nicht. Von der Anwaltskanzlei „Alberter und Kollegen“ aus Hof in Oberfranken erhielt sie ein Schreiben, in dem Rechtsanwalt Georg Wolfram mitteilt, sie habe mit der „Weltuntergangs-Party“ in ihrer Diskothek, bei der kurz vor Weihnachten rund 300 Gäste feierten, das Markenrecht verletzt und damit eine strafbare Handlung begangen.

Zur Begründung schreibt der Rechtsanwalt: Sein Mandant Philip-Nicholas Blank habe sich die Wortmarke „Weltuntergang“ beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen. Deshalb soll Gliesche nun 2000 Euro Schadenersatz an Blank und zusätzlich 1023,16 Euro an Gebühren und Auslagen an die Kanzlei zahlen.

Gastronome bangen um ihre Existenz

„Zuerst habe ich gedacht, dass mich jemand veräppeln will“, sagt die Gastronomin. Der Begriff „Weltuntergang“ sei in ihren Augen ein „Allerweltswort, wie Frühling oder Silvester“ und es ist ihr unbegreiflich, dass man diesen Namen schützen könne. Das Wort sei oft durch die Medien gegangen. Bei seiner Verwendung habe sie sich auch deshalb keine besonderen Gedanken gemacht.

Bei einer Recherche im Internet finden Gliesche und ihr Mann einen Hinweis auf Annik Rauh, eine Gastronomin aus Brandenburg. Sie hat bei Facebook eine Gruppe gegründet, in der sich alle mit der Schadenersatzforderung konfrontierten - zurzeit rund 100 - der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband und ein Dortmunder Rechtsanwalt organisieren. Auch Gliesche ist nun Mitglied.Beinahe im Minutentakt weist ihr Smartphone nun auf neue Einträge im Forum hin: Der Vorsitzende eines Vereins, der zu einer „Weltuntergangsaftershowparty“ eingeladen hatte und daraufhin Post bekam, schreibt: „Es geht um unsere Existenz!“

Sogar das Kulturamt der Stadt Regensburg hat, als Veranstalter der „Die Welt geht ohne uns unter“-Feier, eine Schadenersatzforderung auf dem Tisch.„Da will einer ganz schlau sein und ohne eigene Arbeit Leute abzocken“, sagt Gliesche. Sie behauptet, dass Blank zu keiner Zeit eine eigene Weltuntergangsfeier ausgerichtet hat und fragt sich deshalb: „Welcher Schaden ist ihm dann entstanden?“

Beschwerden gibt es im gesamten Bundesgebiet

Philip-Nicholas Blank, Gastronom aus Hof, hat nach eigenen Angaben mehrere Weltuntergangspartys - die einzig echten, wenn es nach ihm geht, ausgerichtet. Um Geldmacherei gehe es ihm nicht, sagt er. Vielmehr ums Prinzip. „Der Name ,Weltuntergang‘ ist für meine Partys geschützt, wie „Coca Cola“ für das Getränk“, sagt er. Dass andere mit seinem Label Geld verdienen wollten, sei dreist. Wie viele Partyveranstalter Blank bislang in Deutschland über seinen Anwalt zur Kasse gebeten hat, will er nicht sagen. In Brandenburg haben sich zwei Diskothekenbetreiber empört an die Öffentlichkeit gewandt, Peter Knura, Diskothekenbetreiber aus Mönchengladbach, will von 15 weiteren in Nordrhein-Westfalen gehört haben.

Abmahnung wegen "Ballermann"-Party

Für Gliesche steht die Forderung von 2 000 Euro im Raum. Den Betrag hat sie bei der Feier nicht einmal verdient. Sie vermutet, dass die Kanzlei zur Ermittlung der Schadenersatzhöhe die Betriebsgrößen zugrunde legt. Die Quadratmeter-Zahl ihrer Disco stehe auf der Internetseite des Betriebs. Schon einmal ist Gliesche mit dem Markenrecht kollidiert, als sie im „Connection“ eine Ballermann-Party veranstaltet hatte und dann herausfand, dass dieser Begriff als Marke geschützt ist. Damals suchte sie den Kontakt zum Markeninhaber und zahlte 300 Euro. Diesmal wird Marita Gliesche nicht einfach bezahlen. Noch hat sie nicht mit einem Juristen darüber gesprochen, will die Sache aber prüfen lassen. Im Forum erfährt sie derweil, dass der Dortmunder Anwalt beim Patentamt in München die Löschung der Wortmarke beantragt hat. Sicher, dass am Ende alles gut ausgeht, ist sie nicht: „Ich bin gespannt, ob wir zahlen müssen.“

von Benedikt Bernshausenund Laura Hertreiter

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