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Weltrekord rührt Birgit Krahl zu Tränen

Nordic-Walking-Marathon Weltrekord rührt Birgit Krahl zu Tränen

Die Gladenbacherin Birgit Krahl hält den Weltrekord im Nordic-Walking-Marathon in der Kategorie „Damen“. 30 Stunden und 30 Minuten legte sie 2013 als Weltbestmarke vor.

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Hartes Training zahlt sich aus: Birgit Krahl hält den Weltrekord im Nordic-Walking-Marathon. Eine Urkunde, die das belegt, erhält sie am 8. April.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Gladenbach. Sport ist das Lebenselixier von Birgit Krahl. Die 41-Jährige hat eine einzigartige Leistung für die Nachwelt verewigt. 183 Kilometer lief sie vom 7. auf den 8. September 2013 mit Nordic-Walking-Stöcken auf einem 6,1 Kilometer langen Rundkurs durch die Stadt. Das war Weltrekord.

Die weltmeisterliche Leistung hat das Rekord-Institut für Deutschland (RID) jetzt bestätigt. Die Verleihung der Urkunde findet am 8. April feierlich in Hamburg statt. Derzeit ziert eine A3-Kopie ihre Wohnung. Das Original bekommt einen Ehrenplatz.

Der 30-Stunden-Lauf war generalstabsmäßig geplant. Für einen Kilometer kalkulierte Trainer und Ehemann Klaus-Dieter Krahl 10 Minuten ein. Unterwegs wechselte Krahl Schuhe und Kleidung. Eine Blase am kleinen Zeh hätte beinahe das Aus bedeutet. Doch Krahl ist zäh. Die müden Beine hat sie irgendwann nicht mehr gespürt und sie ist immer weitergelaufen. Stehenbleiben war keine Option. Am Ende war sie überglücklich, als sie am 2. Tag gegen 18.30 Uhr am Ziel einlief.

Viele Menschen feuern Birgit Krahl an

An die Strapazen, das Glücksgefühl und den Jubel erinnert sie sich gern. Ihre Augen fangen an zu leuchten, wenn sie erzählt, dass die Menschen sie auch zu später Stunde am Straßenrand oder vom Fenster aus angespornt haben. Auch hat sie sich selbst etwas bewiesen, woraus sie noch immer ihr Selbstbewusstsein tankt. Wenn sie mal nicht gut drauf ist, ruft sie sich ihre Leistung in Erinnerung. Das baut sie auf.

Birgit Krahl sitzt in Jogging­hose und Sweatshirt am Küchentisch ihrer Einliegerwohnung. Man könnte glauben, sie streift sich gleich ihre Turnschuh über, schnappt sich ihre Nordic-Walking-Stöcke und ist erstmal stundenlang unterwegs. Das Laufen ist schließlich zu einem festen Bestandteil ihres Alltags geworden.

Zudem hat sie eineinhalb Jahre eisenhart trainiert – auch nachts, während andere schliefen. Ihr Gewicht reduzierte sie auf 73 Kilogramm. Spezielle Eiweiß- und Kohlehydratdiäten haben ihr nicht das Feiern vermissen können, auch der Verzicht auf ein Stück Kuchen fiel ihr nicht schwer. Schließlich hatte sie ein Ziel vor Augen. Es war klar, dass sie das packen will.

Applaus ist gerechter Lohn für die Strapazen

Die Idee zum Weltrekord-Versuch entstand 2012. Eine Dokumentation war ebenfalls geplant. Der Weltrekord-Versuch wurde beim „Guinness Buch der Rekorde“ angemeldet. Die 41-Jährige wollte mit Thomas Müller aus Tanna, der 2008 einen Weltrekord mit einem dreitägigen Nordic-Walking-Lauf und 308 Kilometer aufstellte, und dem Österreicher Walter Geckle, der mit 175 Kilometern in 24 Stunden und somit am weitesten lief, gleichziehen.

Sie entschied sich aus einer Laune heraus 30 Stunden und 30 Minuten zu laufen. Das hatte bisher noch keine Frau versucht. Allerdings macht das „Guinness Buch der Rekorde“ keine Unterscheidung zwischen Mann und Frau. Deshalb war Krahls Lauf für das Buch der Bücher kein Weltrekord.

Dafür bescheinigt nun RID die Weltbestleistung der Gladenbacherin. Die Verantwortlichen sind keine Unbekannten. Einer der RID-Rekordrichter, Olaf Kuchenbecker, prägte zehn Jahre die deutsche Ausgabe des „Guinness Buch der Rekorde“, der andere, Joe Alexander, ­castete unter anderem Kandidaten für „Wetten, dass . . .?!

Der Applaus, mit dem rund 100 Zuschauer Birgit Krahl am Kornhaus empfingen, war der gerechte Lohn für die Entbehrungen und die Strapazen. Wenn sie an diesen Moment denkt, kommen ihr die Tränen. Sie ist gerührt von der Anteilnahme. „Es war so ein schöner emotionaler Moment“, sagt sie. Das fühlt sich gut an: „Du schwimmst nur noch mit.“ Die letzten Meter ins Ziel ist Krahl wie auf ­Wolke ­Sieben geschwebt, statt auf dem gepflasterten Weg zu laufen.

Der Beweis für eisernen Willen

Die Beine waren beleidigt und wollten keinen Meter mehr laufen – nur noch ausruhen. Am nächsten Morgen versagten sie ihr den Dienst. Jeder Meter eine Tortur – nicht wegen des Muskelkaters, sondern weil sie Birgit Krahl nicht mehr tragen wollten. Jetzt ruht sie sich etwas – sportlich. Sie läuft immer noch regelmäßig, mal eine kleine Runde, mal bis Lohra und wieder zurück. Aber ihr fehlt ein Ziel. Dass, was sie geleistet hat, kann sie nicht mehr toppen. „Es wird schwer das zu steigern.“

Die Urkunde, die RID in wenigen Wochen an die Sportlerin überreicht, ist mehr als ein Staubfänger an der Wand. Vielmehr ist sie der Beweis, dass Ausdauer und eiserner Wille ans Ziel führen. Der Erfolg der Gladenbacherin blieb nicht unbeachtet. Dietmar Pfeiffer versuchte ein Jahr nach Krahls Erfolg ebenfalls mit Nordic-Walking-Stöcken durch die Felder von Baesweiler auf Rekord-Niveau zu laufen. Angespornt hatte ihn ein Beitrag über die 41-Jährige, den er beim Surfen im Internet gefunden hat.

Als sie davon hört, gefällt ihr der Gedanken, dass sie mit ihrem Erfolg andere motiviert, auch an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen, um ein Ziel zu erreichen. Sie hat vorerst ihre Leistungsgrenze im Nordic-Walking-Sport erreicht. Jetzt will sie kein bestimmtes sportliches Projekt mehr ins ­Auge fassen – vorerst.

von Silke Pfeifer-Sternke

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