Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Warten auf Bescheide und Deutschkurse

Flüchtlingshilfe Gladenbach Warten auf Bescheide und Deutschkurse

Bei Problemen können Flüchtlinge in Gladenbach in eine Sprechstunde kommen, in der Edmund Zimmermann ihnen bei alltäglichen Herausforderungen Hilfe leistet. Ihre Dankbarkeit ist groß.

Voriger Artikel
Baustelle „wandert“ mit Verzögerung
Nächster Artikel
Teilnehmer des Camps sind rundum zufrieden

Flüchtlingshilfe Gladenbach:Mahmod Alhager (links) im Gespräch mit Edmund Zimmermann.

Quelle: Jonathan Odin-Gebhardt

Gladenbach. In der Flüchtlingsunterkunft in der Bahnhofsstraße sitzt Edmund Zimmermann in einem kleinen Büro, ihm gegenüber zwei junge Männer, Mahmod Alhager und Mohammad Ibrahim. Die Atmosphäre ist freundlich und entspannt, eine Frau bringt Tee herein. Beide sind Flüchtlinge aus Syrien. Edmund Zimmermann bietet eine offene Sprechstunde an, in der sie ihre Probleme und Fragen vorbringen können. Der 27-jährige Mahmod Alhager freut sich darüber, dass seine Frau erst vor kurzem eine Tochter geboren hat. Das Problem: Er weiß noch nicht, wann er sie wiedersehen wird. Seine Familie ist noch in Syrien, er wünscht, sie könnte nach Deutschland nachkommen.

30  Gladenbacher engagieren sich

Dabei will Edmund Zimmermann helfen. Er ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe Gladenbach, die 30 Mitglieder hat. Diese betreut ungefähr 150 bis 200 Flüchtlinge, die in Gemeinschaftsunterkünften in der Bahnhofs- und Kreuzstraße, in vermittelten Wohnungen und einem Teil des Hotels Spies wohnen. Die Flüchtlinge kommen aus Somalia, Eritrea, Syrien, Irak oder dem Iran. Viele von ihnen haben nicht das Glück, dass sich jemand um ihre alltäglichen Belange kümmert. Ohne freiwillige Helfer wie Edmund Zimmermann würde die schnelle Integration mancher Flüchtlinge nicht gelingen können.

Der 21-jährige Mohammad Ibrahim ist dankbar für die Hilfe. Er spricht schon relativ gut Deutsch und holt seinen Hauptschulabschluss auf der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg nach. „In Deutschland kann man in Frieden leben. Wer die Gesetze achtet, kann sich frei bewegen“, sagt er. „Wenn mir jemand auf der Straße entgegenkommt, lächelt er mich an.“ Die Menschen seien generell freundlich. Er hatte aber auch Befürchtungen, Deutsche würden ihn als Syrer anders behandeln. Stattdessen sagt er nun: „Wir werden als Menschen gesehen, nicht als Deutsche oder Syrer.“

Sorgen über Deutschland unbegründet

Bedenken hatte anfangs auch Abdul Shifa, ein Flüchtling aus Eritrea, der in der Flüchtlingsunterkunft wohnt. Generell gebe es ein mulmiges Gefühl unter Flüchtlingen angesichts Deutschlands NS-Vergangenheit oder bei dem Gedanken an Skinheads. „Diese Sorge war aber unbegründet, ich habe bisher nur nette Menschen getroffen“, sagt der 38-Jährige.

Und auch wenn sich die Menschen in Eritrea noch sehr viel häufiger die Hand geben würden: Deutsche seien offenherzig und würden alle auf ihre eigene Art helfen. Leider dauere es sehr lange, bis ein Asylantrag anerkannt werde, auch Abdul Shifa wartet noch darauf. Ohne die Anerkennung können Flüchtlinge keine Sprachkurse belegen. Trotzdem nimmt er den Staat in Schutz: „Wenn man sich die Anzahl der Flüchtlinge anschaut, kann man der Regierung keinen Vorwurf machen. Sie tut, so viel sie kann.“ Edmund Zimmermann hat ihm ein Buch zum Deutschlernen ausgeliehen, Abdul Shifa bringt sich das meiste selbst bei, als ehemaliger Lehrer und studierter Politologe fällt ihm das einfacher.

Beistand bei Behördengängen

Formale Probleme hat auch die 56-jährige Alganesh Habte, auch sie ist zur offenen Sprechstunde gekommen. Ursprünglich kommt sie aus Eritrea, für einige Zeit lebte sie mit ihrem Mann in Saudi-Arabien. Nachdem er starb, fürchtete sich die Christin vor Verfolgung und flüchtete. Alganesh Habte lebt seit einem Jahr in Deutschland, sie kannte das Land vor allem wegen seiner Philosophen. Ihr Asylantrag ist noch nicht anerkannt, einen Sprachkurs konnte sie deshalb nicht belegen. Sie freut sich über örtliche Helfer wie Edmund Zimmermann, mit denen sie über ihre Situation sprechen kann, auch wenn die Verständigung auf Deutsch noch schwer fällt.

Sein Beistand bei Behördengängen, bürokratischen Hürden und sein Verständnis für ihre Situation ruft bei den Flüchtlingen Dankbarkeit hervor. So hängen ihre positiven Eindrücke stark von Freiwilligen ab, deren Engagement ihnen den Alltag erleichtert. Mahmod Alhager vermisst zwar seine Familie in Syrien, im nahen Fußballverein kann er aber zumindest etwas Ablenkung finden. „Ich muss mir mal anschauen, wie du Fußball spielst“, sagt Edmund Zimmermann. Mit einem breiten Lachen zeigt Mahmod Alhager, wie sehr er sich darüber freut.

von Jonathan Odin-Gebhardt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr