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Wallach verneigt sich vor den Gästen

Gestüt Fjellhorn erhält Staatsehrenpreis des Landes Hessen Wallach verneigt sich vor den Gästen

Das Fjordgestüt Fjellhorn in Friedensdorf ist ausgezeichnet: mit dem Staatsehrenpreis des Landes Hessen. Das Gestüt ist ein Beispiel für den Einklang von Natur, Pferden und Menschen

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Der 24-jährige Wallach Silvester studiert seit einem Jahr Zirkuslektionen ein und vollführte vor dem Publikum kleine Kunststücke.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Friedensdorf. Sigrid und Manfred Heck legten 1981 mit dem Kauf einer jungen Fjordstute den Grundstein für das Gestüt Fjellhorn, das sich oberhalb von Friedensdorf am Waldrand befindet. Bei den beiden älteren der vier Töchter, Mirjam und Angela, entwickelte sich über die Jahre der Wunsch, das Hobby zum Beruf zu machen.

Die Schwestern bildeten sich reiterlich weiter, qualifizierten sich im therapeutischen Reiten und widmeten sich der Fjordzucht. Mirjam Hentschel schloss eine Ausbildung als Physiotherapeutin ab und Angela Ruf ist Diplompädagogin.

Reitanlage wurde 2012 erbaut

Heute betreiben die Schwestern mit Angelas Ehemann Rüdiger Ruf ein 52 Hektar großes Areal. Auf dem Gestüt werden 65 Fjordpferde und einige Tiroler Grauvieh-­Kühe gehalten. Die überwiegende Zahl des Pferdebestandes stammt aus eigener Zucht und Aufzucht, ein Drittel der Pferde sind Pensionspferde.

2012 wurde die Reitanlage in Friedensdorf gebaut. Der Familienbetrieb legt Wert auf artgerechte Haltung. Die Pferde stehen ausschließlich im Offenstall, für kranke Pferde stehen zwei Boxen zur Verfügung.

„Die Pferde sind extrem entspannt und ausgeglichen“, sagt Angela Ruf bei einem Rundgang über die Reitanlage. Zudem sind die Gruppen getrennt nach Senioren, nach Pferden, bei denen auf das Gewicht geachtet werden muss, und nach Spielgruppen. Der Hengst steht mit seinem Harem zusammen.

„Das ist gut gegen Demenz und hält fit“

Die Anlage verfügt über einen separaten Wasch- sowie Schmiedeplatz, einen Roundpen, und die Halle ist nicht komplett geschlossen, „um ein besseres Klima zu haben. Den Ostwind spürt man zwar deutlich, dafür kriegen die Pferde viel mehr mit“, erläutert Angela Ruf.

Bevor der Preis verliehen wurde, stellten die Gestütsbetreiber ihre Arbeit vor. Zunächst fuhr Angela Ruf mit einer Kutsche in die Halle ein, danach zeigte der 24-jährige „Gemütswallach“ Silvester Zirkuslektionen. Seit einen Jahr wird mit dem Pferd trainiert. „Das ist gut gegen Demenz und hält fit“, erklärt Mirjam Hentschel.

Anschließend gab es eine Voltigieraufführung, der sich das therapeutische Reiten anschloss. Hentschel erläuterte, dass die Pferde zunächst lernen müssen, an einer Rampe einzuparken und ruhig stehen zu bleiben, bis ein Mensch mit Handicap aufgesessen ist.

Die Pferde würden merken, dass sie den Menschen etwas Gutes tun, die durch das Reiten das eigene Gangbild verbessern könnten. Die Therapiepferde seien besonders menschenfreundlich und verzeihen Fehler. In den Reitstunden werde viel gesungen, um Spaß miteinander zu haben und um etwas Schönes zu teilen, sagte Hentschel.

Fjordpferde beweisen Vielseitigkeit

Mit einem Trail, einem Training, das eigentlich aus dem Westernreitsport und der Gebrauchsreiterei stammt, wurde die Geschicklichkeit von Pferd und Reiter demonstriert. „Auf dem Gestüt müssen alle Pferde diese Ausbildung durchlaufen. Wir brauchen Pferde, auf die bei allen Eventualitäten Verlass ist“, bestätigte Hentschel.

Die Vielseitigkeit der Fjordpferde demonstrierte der Programmpunkt Dressurreiten, bei dem zwei Reiter ein schnelles Umschalten der Pferde zeigten und nach dem Reiten der Lektionen ohne Sattel und ohne Trense, sondern nur mit einem Halsring, im gestreckten Galopp durch die Halle über Hindernisse ritten.

Dann präsentierte das Gestüt seine vier Hauptstamm-
 stuten, von denen zwei drei Wochen alte Fohlen bei Fuß hatten. Die älteste der Stute, die 26-jährige Fenja, hat bereits zahlreiche Nachkommen. Den Abschluss bildete der Zuchthengst, der als „Babysitter“ eine Jungherde im Zaum hielt, nicht ohne sich für die Stuten auf der Hallen-
außenseite zu interessieren.

Simone Sandt vom Hessischen Umweltministerium war beeindruckt von der Vielseitigkeit des Gestüts, dem für sein Betriebskonzept der Staatsehrenpreis 2015 des Landes Hessen verliehen wurde.

von Silke Pfeifer-Sternke

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