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Vor 10 Jahren: "Nautilust" brennt nieder

Brandkatastrophe Vor 10 Jahren: "Nautilust" brennt nieder

Vor fast auf den Tag genau zehn Jahren, am 2. Januar 2005, geschah eine der schlimmsten Brandkatastrophen in der Kirschenmarktstadt: Das Freizeitbad „Nautilust“ wurde ein Raub der Flammen.

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Quelle: RainerWaldinger

Gladenbach. Kurz vor Schließung des weit über die Grenzen Gladenbachs hinaus beliebten Bades hatte der Betreiber des Restaurants im „Nautilust“ den Brand entdeckt und um 18.53 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Fast zur gleichen Zeit bemerkte Schwimmmeister Harald Losert bei seinem letzten Rundgang Rauchgeruch. Im Solarium brannte es. Während die Einsatzkräfte anrückten, suchten die Schwimmmeister das Bad ab, die letzten Gäste verließen das Gebäude. Losert versuchte, die Flammen mithilfe von Feuerlöschern zu ersticken - vergeblich. Er führte zwei Saunabesucher durch den Keller ins Freie und verletzte sich dabei. Sonst kam niemand zu Schaden. Binnen weniger Minuten stand das gesamte Gebäude in Flammen. Etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Nach etwa einer Stunde war das Feuer unter Kontrolle, der größte Teil des Bades aber längst abgebrannt.

Vor allem die vielen „Nautilust“-Freunde waren im Schockzustand. Doch zu beklagen war in erster Linie der Sachschaden. Es hätte weitaus schlimmer kommen können: Am Unglückstag zählte man im Bad 1000 Besucher, beim Ausbruch des Feuers hielten sich nur noch wenige im Gebäude auf.

Wiederaufbau hing von Versicherung ab

Ob das damals 14 Jahre junge neue Wahrzeichen Gladenbachs endgültig der Vergangenheit angehörte, hing im Wesentlichen von der Entschädigungssumme der Versicherung ab.

Es folgten lange und zähe Verhandlungen. Der lange Atem der Gladenbacher zahlte sich aus: 6,75 Millionen Euro zahlte die Versicherung. 9,86 Millionen Euro sollte nach ersten Planungen der Neubau kosten. Weil viel Zeit von den ersten Kalkulationen bis zu Baubeginn vergingen und zu Beginn nicht vorhersehbare zusätzliche Arbeiten zu leisten waren, stiegen die Kosten nicht unerheblich. In einem Zug neu aufgebaut werden sollte auch das marode Freibad, eine ans „Nautilust“ angeschlossene Sommerbadanlage entstand.

Am Ende waren die Kosten auf 13,2 Millionen Euro angestiegen. Was nicht über die Versicherungssumme abgedeckt werden konnte, wurde über Zuschüsse und günstige Kredite finanziert.

Am 2. Mai 2009 wurde das neu errichtete Freizeitbad „Nautilust“ seiner Bestimmung übergeben. Die Saunalandschaft öffnete am 1. August desselben Jahres ihre Pforten. Nach einem Jahr „am Netz“ zogen seinerzeit die Verantwortlichen eine durchweg positive Bilanz. Etwa 160000 Gäste besuchten die Badelandschaft und das „Saunaparadies“. Die Besucherzahl belegte schon damals, dass man mit den Prognosen richtig lag. Denn die gutachterliche Schätzung von Bäder-Experten ging von jährlich durchschnittlich 150000 Gästen aus.

Im August 2010 wurde die Außenanlage mit dem Sprungturm ihrer Bestimmung übergeben. 1,79 Millionen Euro an Kosten waren im Wirtschaftsplan 2014 für das Freizeitbad kalkuliert. Unter dem Strich bleibt ein Defizit von 821.000 Euro, 75.000 Euro mehr als 2013. Einen guten Teil des „Nautilust“-Defizits verursachen die Raten für die Darlehen, die aufgenommen wurden. Zieht man diese Kosten ab, bleibt ein Defizit von etwa 500.000 Euro.

Millionster Besucher voraussichtlich im Frühjahr 2015

Im kommenden Frühjahr wird im „Nautilust“ der millionste Besucher begrüßt. Günter Euler, Geschäftsführer der Stadtmarketing-Energie-Bäder Gladenbach GmbH (SEB), früher KFG - sie ist zuständig für die Bäder - sagt, das Bad passe zu Gladenbach, zum Image der Stadt. Er beschreibt den wesentlichen Unterschied zum alten Freizeitbad: Bei der Frage „Was verbinden Sie mit Gladenbach?“, komme das neue Nautilust gleich hinter dem Kirschenmarkt auf Rang zwei. Das alte Freizeitbad habe diese Wertschätzung bei Weitem nicht genossen, sagt Euler.

25 Prozent der Besucher kommen aus dem Raum Marburg, Weimar, Wetter und Lahntal, 10 Prozent aus Ebsdorfergrund und Fronhausen. In den vergangenen Jahren pendelte sich die Besucherzahl zwischen 180.000 und 185.000 ein. 140.000 kamen in den Spitzenjahren ins alte „Nautilust“, damals allerdings noch ohne das „Aquamar“ in Marburg als Konkurrenz. 200.000 Besucher sei das erklärte Ziel aller Beteiligten, sagt der Geschäftsführer optimistisch. Dann könnte das jährliche Minus auf etwa 450.000 Euro gedrückt werden.

von Hartmut Berge

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