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Von der Idee über die Beine zum Buch

Hinterländer Mountainbiker Von der Idee über die Beine zum Buch

Fast 25 Jahre echte 
Männerfreundschaft, schon 100.000 Kilometer in den Beinen, und 
immer noch haben die Hinterländer Mountainbiker Ziele vor Augen.

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Vor dem Pressetermin waren die Hinterländer Mountainbiker nur zu dritt auf Trainingstour: (von links) Ulrich Weigel, Matthias Schmidt und Harald Becker.

Quelle: Gianfranco Fain

Oberhörlen. „Mit 80 noch schnell den Berg hinabfahren“, das möchte der 55-jährige 
Ulrich Weigel können. Wie viele Fahrrad-Kilometer er dann in den Beinen haben würde, vermag der gebürtige Oberhörlener nicht zu sagen. Bis heute sind es geschätzte 100.000 Kilometer, die er allein oder mit seinen Freunden beim Training, früher etwa 4000 Kilometer pro Jahr, und auf Touren abfuhr.

Seine Freunde sind Harald Becker, Jörg Krug, Siegfried Pitzer und Matthias Schmidt. Sie bilden die Hinterländer Mountainbiker, deren Keimzelle die Wohngemeinschaft des heute 53-jährigen Becker und Weigel während ihrer Studienzeit an der Maschinentechnikerschule war. Es kamen kurz darauf die in ähnlichen Altersklassen strampelnden Pitzer und Schmidt hinzu, während Krug als Sohn des WG-Wohnungsvermieters den Altersdurchschnitt senkt.

Sie verband die Leidenschaft zum damals aufkommenden Mountainbike-Sport. Und so sattelten sie nicht nur von ihren normalen Rädern um, sie suchten sich auch eine neue Aufgabe, „schließlich hatten wir unseren sportlichen Zenit schon überschritten“, bekennt Weigel. Sie entwickelten die Idee, bei ihren Touren geschichtlichen Hintergründen nachzugehen. „Geschichte zu erfahren, aber mit Spaß, darauf sind wir schon stolz“, sagt Weigel.

Mountainbiker verschleißen ein Rad Person und pro Tour

Die fünf Freunde begaben sich auf die Autobahnen des Mittelalters, fuhren auf ihnen die ehemals unbewaldeten Bergrücken ab, hefteten sich auf die Spuren Barbarossas, bereisten die Brabanter Straße oder den Ortesweg, immer auf den Spuren von irgendwas und irgendwem und ahnten nicht, dass sie selbst Geschichten „schreiben“ würden. Zum Beispiel, als sie die „Tiefste Mountainbike-Tour“ unternahmen. Sie führte sie in ein Bergwerk bis zu 1000 Meter unter die Erde – und ins Guinessbuch der Rekorde. „Das war aufregend und spannend“, erinnert sich Weigel.

So wie unter der Erde sind es auch bei ihren anderen Touren die Höhenkilometer, die den Unterschied ausmachen. Es kommt durchaus vor, dass nach zwei Jahren Recherche und Training am Ende nur eine Strecke von 200 bis 300 Kilometern mit ständigen Auf- und Abfahrten zusammenkommt. Die haben es aber in sich. Pro Tour verschleißen sie je ein Mountainbike, erklärt Becker, und Schmidt verrät, dass die Männerfreundschaft dabei auch auf manch harte Probe gestellt wird, wenn man vielleicht doch an einer Gabelung anders hätte fahren sollen.

Wie im Sattel müssen sie auch bei der Recherche in Staatsarchiven oder in verstaubten Kirchenbüchern Sitzfleisch haben. Oft würden sie bei ihrer Suche nach Themen von Historikern unterstützt oder von echten Hinterländern auf die Spur gesetzt. Ein Oberhörlener habe sie zum Beispiel darauf gebracht, was die Freiheitsstatue mit dem Ort zu tun hat, später fanden sie heraus, dass auch die Wurzeln des Eiffelturms bis ins Hinterland reichen. Manchmal reicht aber auch die Spur eines Hessen in China oder den USA, um eine Tour zu planen.

Ihre Abenteuer beim Erstrampeln der Geschichte haben die Hinterländer Mountainbiker nun in einem Buch zusammengetragen. Damit ist aber noch nicht Schluss. Das nächste Projekt steht schon fest: Im Mai wiederholen sie nach mehr als 20 Jahren ihre Barbarossatour, diesmal begleitet vom Hessen-Fernsehen. Danach werde über die nächste Nachforschung entschieden. Bis 80 ist ja noch Zeit für einige Touren und Kilometer.
Seit rund zehn Jahren gehört auch der 79-jährige Reinhard Balzer zum Team, als Fahrer des „Besenwagens“ und als Berater und Gönner.

von Gianfranco Fain

 „Schurken, Schätze, schnelle Beine“
„Schurken, Schätze, schnelle Beine“ ist ein schön gestaltetes Buch mit vielen Bildern auf 225 Seiten, in dem die Reisen der Hinterländer Mountainbiker nach China, Brasilien, Namibia, Japan, USA und auf dem Ortesweg abgebildet sind. Es kostet 24,90 Euro und ist in folgenden Verkaufsstellen erhältlich.
Allendorf: Gaststätte Hohenfels; Bad Endbach: Hipf Race Bikes; Bad Laasphe: Lindenhof Hesselbach; Biedenkopf: Schäfer‘s Backstuben, Hainstraße 101 sowie in den Filialen Niedereisenhausen und Buchenau, Buchhandlung Stephani, Wirtshaus Frauental, Gaststätte Luise; Breidenbach: Waldhotel Gille Boxbach; Frechenhausen: Gaststätte Klaus Mayer; Gladenbach: Fahrrad Wießner, Holzhausen: Bäckerei Leinweber mit Filialen in Hommertshausen und Lixfeld; Marburg: Geschäftsstellen der Oberhessischen Presse im Schlossbergcenter sowie im Franz-Tuczek-Weg 1; Niederdieten: Cafe Q; Niedereisenhausen: Pizzeria Roma; Lixfeld: Haus des Angelsportvereins Höhe 500 Lixfeld; Oberdieten: Gaststätte Schmidt; Oberhörlen: Vereinsheim SSV Hörlen und in der Schule; Steinperf: Bäckerei Pitzer und in der Filiale in Gönnern; Wallau: Henkellädchen; Wetzlar: Leica Store; Wissenbach: Elektrorad-Zentrum „Leichter fahren“; Wolfgruben: Loco Motion Sports, Gaststätte Boxenstopp; Wolzhausen: Hinterländer Braustube; Online-Shop: himobiker.de.
 
 
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