Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Von Gipfelkreuzen und Einmachobst

Themenwanderung Von Gipfelkreuzen und Einmachobst

Das Gipfelkreuz auf dem Hemmerich und die Obstverarbeitung in vergangenen Zeiten waren die Themen der zehnten Grenzgangswanderung, die das Grenzgangs-Team Rodenhausen am Samstag organisierte.

Voriger Artikel
250 Teller Suppe verkauft
Nächster Artikel
Schwer zu kontrollieren: gleitende Farbe

Bei strahlendem Sonnenschein wanderten die Rodenhäuser und ihre Gäste durch die Gemarkung.Foto: Anita Ruprecht

Rodenhausen. Die frühherbstliche Themenwanderung in der Gemarkung von Rodenhausen erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Diesmal meldeten sich rund 100 Teilnehmer an, um am Samstag bei dem Spaziergang zum Gipfelkreuz des Hemmerichs Wissenswertes über den Obstbaumbestand in der Gemarkung zu erfahren, und auch darüber, welche Rolle die Obstbäume für die Versorgung der ländlichen Bevölkerung in der Vergangenheit spielten.

Günther Kraft vom Grenzgangs-Team begrüßte die Teilnehmer der Wanderung an der „Alten Schule“ und erinnerte an die erste Wanderung, die am 17. September 2005 stattfand. Die Mitglieder des Grenzgangs-Komitees stellen anlässlich der jährlichen Themenwanderung eine informative Broschüre her, die jeder Wanderer bekommt. Finanziell unterstützt wird der Rodenhäuser Grenzgang von der Freiwilligen Feuerwehr und der Jagdgenossenschaft Rodenhausen.

Hölzernes Kreuz schon einmal abgesägt

Die Wanderung führte von der alten Schule in Rodenhausens Ortsmitte über den Kasig, an einer neuen Obstbaumwiese vorbei bis vor den Berg. Dann am Banggarten vorbei zur Kreisstraße bis auf die Grub und von da aus zur Runkelhütte und zum Gipfelkreuz des Hemmerichs. Der Rückweg führte über den Stangenrod zur Maschinenhalle am Dünkelsloh, wo es für die Wanderer nach den rund acht Kilometern ein Mittagessen und anschließend Kaffee und Kuchen gab.

Ein erstes Gipfelkreuz wurde auf dem Hemmerich Ende der 1970er Jahre von Rodenhäusern errichtet, die auf Urlaubsreisen in den Alpen inspiriert wurden. Der Hemmerich gehört mit 476 Metern zu den höchsten Erhebungen des Landkreises. Nachdem das hölzerne Kreuz abgesägt worden war, wurde 1989 ein massives Kreuz auf einem Betonfundament errichtet, das die Rodenhäuser 2009 sanierten.

Hanna Bodenbender berichtete über den reichen Obstbaumbestand in der Rodenhäuser Gemarkung, der zur Versorgung der Bevölkerung mit Obst diente. Entlang der Hauptstraße Richtung Seelbach und Richtung Erdhausen standen gemeindeeigene Obstbäume, die im Herbst versteigert wurden.

Aus Birnen und Zwetschgen wurde „Quetschehuing“

Vor allem nach Straßenarbeiten und im Laufe der Zeit seien die meisten dieser Bäume verschwunden, erzählte Bodenbender.

Das älteste Verfahren zum Haltbarmachen von Obst, sei das Dörren von Apfelschnitzen und Zwetschgen bei mäßiger Hitze im Backhaus, erläuterte Bodenbender. In nahezu jedem Haushalt wurde im Herbst im großen Kessel Zwetschgenmus, der landläufig bekannte „Quetschehuing“, hergestellt. Die entsteinten Zwetschgen wurden mehrere Stunden unter ständigem Rühren zu Mus verkocht.

Die geschälten Wildbirnen wurden dazugegeben, damit das Mus etwas mehr Süße bekam, denn Zucker wurde nicht hinzugegeben, berichtete Bodenbender. Heute gibt es noch etwa zehn Wildbirnbäume in der Rodenhäuser Gemarkung.

Der fertige „Quetschehuing“ wurde in Tontöpfe gefüllt und abgedeckt. Das Einkochen von Obst in Gläsern wurde in Rodenhausen erst im 20. Jahrhundert, vorwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg praktiziert, berichtete Hanna Bodenbender.

Bei Recherchen im Gemeindearchiv sind die Team-Mitglieder immer wieder auf Hinweise gestoßen, welch hohen Stellenwert die Weitergabe des Wissens über den Obstanbau und die Veredelung von Obstbäumen schon in der Schulausbildung hatte, damit mit wohlschmeckendem, hochwertigem Obst und lagerfähigen Äpfeln der winterliche Speiseplan bereichert werden konnte, ergänzte Bodenbender.

Der „Banggarten“, an dem die Wanderung vorbeiführte, war wohl eine frühe Obstbaumschule, stellten die Mitglieder des Grenzgangs-Teams bei Nachforschungen im Gemeindearchiv fest.

von Anita Ruprecht

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hinterland

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr