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Vollrausch mit gravierenden Folgen

Amtsgericht Biedenkopf Vollrausch mit gravierenden Folgen

In der Silvesternacht schlidderte ein 23-jähriger Dautphetaler im Vollrausch innerhalb weniger Minuten von der Verlobungsfeier in die Ausnüchterungszelle.

Biedenkopf. Weil der Angeklagte seine Ex-Verlobte mit einem Brotmesser bedroht und sich während der Verhaftung widersetzt und die Polizisten aufs Übelste beleidigt hat, wurde er gestern vor dem Amtsgericht Biedenkopf zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Der 23-Jährige hatte seiner Ex-Verlobten versprochen in der Silvesternacht auf Alkohol zu verzichten, weil er im Vollrausch zu unkontrollierten Aggressionen neigt. Das Amtsgericht in Gießen hatte ihn 2012 bereits wegen einer ähnlichen Tat verurteilt. Als er sein Versprechen brach, stand der junge Vater noch unter Bewährung.

Die Zeugin sagte aus, dass sich ihr Ex-Verlobter „zugeschüttet“ hat. Um ihn vom weiteren Trinken abzuhalten, kippte sie sämtlichen Alkohol aus den Flaschen in den Ausguss. Das brachte den Angeklagten erst in Rage. Er habe sie gepackt, in den Flur gezerrt und ihr beide Arme hinter dem Körper noch oben gezogen. Ein Freund sei dazwischen gegangen, dann habe der Angeklagte sie losgelassen.

Er habe sich ein Brotmesser aus der Küche geholt und sie und ein befreundetes Pärchen mit Kind bedroht und gesagt: „Wenn ihr mir zu nahe kommt, bringe ich euch alle um.“ Als er das Haus verließ, ist die Polizei gerufen worden.

Die eintreffenden Polizisten fanden einen Mann vor, der hochgradig aggressiv war und der ein Messer in seiner Jackentasche trug. Um dem 23-Jährigen die Handschellen anzulegen, mussten sie ihn zu Boden werfen. Während der Verhaftung beschimpfte und beleidigte der Angeklagte die Polizisten, unter anderen mit den Worten „Bullenschweine“. Ein Polizist brach sich bei der Rangelei einen Finger. Zur Ausnüchterungszelle ließ sich der Angeklagte tragen, aber nicht ohne die Polizisten weiter zu beleidigen.

Die Blutentnahme ergab eine Alkoholkonzentration von 2,15 Promille, zum Zeitpunkt der Tat lag sie zwischen 2,22 und 2.65 Promille. „Das war ein kräftiger Alkoholrausch“, sagte Richter Schulte. Der Angeklagte sei am Neujahrsmorgen trotz kräftigen Schüttelns nicht ansprechbar gewesen.

Den ersten Vollrausch hat der Angeklagte im Alter von 19 Jahren gehabt, drei Jahre zuvor kam er zum ersten Mal mit Alkohol in Kontakt. Drogen hat er keine konsumiert.

Mittlerweile hat der Angeklagte erkannt, „was für einen Scheiß“ er gemacht hat. Aus der gemeinsamen Wohnung mit seiner Ex-Verlobten musste er ausziehen und hat sich kurz nach der Tat um einen Therapieplatz bemüht. Zurzeit ist er noch stationär untergebracht, will aber eine Verlängerung erreichen, damit er ein Leben ohne Alkohol in den Griff kriegt. An den Vorfall und auch an die Festnahme kann er sich nach eigenen Angaben nicht mehr erinnern. Dass ihm sein Wutausbruch sehr leid tut, hat er während der Verhandlung gezeigt und sich beim Opfer entschuldigt. Auch gegenüber den Polizisten will er sich entschuldigen. Dem Beamten, der sich bei dem Gerangel mit dem Angeklagten den Finger brach, will er 100 Euro als Schadenswiedergutmachung zahlen.

Zudem erlegte Richter Mirko Schulte dem 23-Jährigen auf, die begonnene Therapie fortzusetzen. Im Anschluss muss er sich in eine ambulante Nachsorge begeben und an einem sechsmonatigen Abstinenzprogramm teilnehmen.

Schulte bezeichnete den Angeklagten als einen jungen Mann, der sehr spät mit dem Trinken begann und der erheblich auf Schnaps reagiert.

„Wenn das Alkoholproblem gelöst wäre, würde hier kein Täter sitzen“, ist er überzeugt. Der Angeklagte war bereits vor der Verurteilung in Gießen zweimal straffällig geworden, weil er betrunken Auto gefahren ist. Die verurteilte Tat sei im Vollrausch begangen worden. Deshalb ging Schulte von einer verminderter Schuldfähigkeit aus und attestierte ihm eine gute Sozialprognose.

von Silke Pfeifer-Sternke

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