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Vier Monate Haft für ein kurzes Fahrvergnügen

Amtsgericht Vier Monate Haft für ein kurzes Fahrvergnügen

"Riesengroßes Pech" hatte laut Amtsrichter Mirko Schulte der führerscheinlose Angeklagte, der nur wenige hundert Meter mit dem Auto fahren wollte, dabei von der Polizei gestoppt und deshalb vom Gericht zu vier Monaten Haft verurteilt wurde.

Biedenkopf. Der Mann aus dem Hinterland war am 3. Dezember 2012 von der Polizei, die in der Nähe seines Anwesens patrouillierte, angehalten worden, als er mit dem Auto auf dem Weg zu einem 500 Meter entfernt wohnenden Nachbarn war. Dort hatte der Angeklagte Holz zum Heizen abholen wollen. Sein Problem: Zu diesem Zeitpunkt war der Beschuldigte nicht in Besitz einer Fahrerlaubnis und befand sich noch innerhalb der Bewährungszeit seiner jüngsten Verurteilung.

Das Landgericht Marburg hatte eine viermonatige Haftstrafe als „letzte Chance“ zur Bewährung ausgesetzt. Nach den Vorwürfen von Oberamtsanwalt Reinhard Hormel gestand der Angeklagte am Donnerstag: „Ich hab‘s getan. Es war eine riesengroße Dummheit.“ Am Tattag sei alles zusammengekommen: Er habe kein Holz mehr gehabt und auch keinen Fahrer. Selbst der Nachbar, der ihm den Brennstoff hätte bringen können, sei krank gewesen - aus diesen Gründen habe er sich zur Tat „hinreißen lassen“. Schulte erinnerte an den jüngsten Prozess, in dem er wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in vier Fällen zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt worden war, weil die Liste seiner einschlägigen Vorstrafen lang ist. „Es gab damals eigentlich keinen Spielraum mehr“, erklärte Schulte. Den sah wiederum das Landgericht, setzte die Strafe zur Bewährung aus und ordnete eine psychotherapeutische Maßnahme an, um zu klären, warum der Angeklagte im strafrechtlichen Sinne „nicht funktioniert“. Doch die Therapie hat der Mann nicht absolviert.

Hormel beschrieb den Angeklagten als einen „nicht zur Rechtstreue“ neigenden Bürger und vermutete, das angeklagte Vergehen sei nur die Spitze des Eisbergs. Der Oberamtswalt forderte eine sechsmonatige Gefängnisstrafe. Richter Schulte verurteilte den Mann zu vier Monaten Haft. Der Richter verwies in seiner Begründung auf das Bewährungsversagen und die Hartnäckigkeit des Angeklagten. Eine erneute Bewährung verbiete die Rechtsordnung, weil keine Hoffnung auf Besserung bestehe. Zum Abschluss warnte Mirko Schulte, dass nun auch der Widerruf der jüngsten Bewährungsstrafe drohe: „Ein Antrag der Staatsanwaltschaft ist zu erwarten.“

von Benedikt Bernshausen

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