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Vier Anwärter für einen Posten

Bürgermeisterwahl Vier Anwärter für einen Posten

Ob nach einem Wahlgang oder erst nach einer Stichwahl. Der neue Verwaltungschef in Steffenberg wird ein Neuling auf dem Posten sein.

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Vier Kandidaten bewerben sich um den Chefsessel in der Gemeindeverwaltung Steffenberg (von links): Gernot Wege, Michael Röther, Gerhard Acker und Maik Schmidt.

Steffenberg. Am 6. März fällt der Startschuss zu einer neuen Bürgermeister-Ära in Steffenberg. Ob gleich der erste Urnengang die Entscheidung bringt, oder es am Sonntag, 20. März, zu einer Stichwahl kommt, ist offen, denn diesmal stehen vier Kandidaten zur Wahl. Die rund 3220 Wahlberechtigten können sich zwischen Gerhard Acker, Michael Röther, Maik Schmidt und Gernot Wege entscheiden. Bemerkenswert ist, dass ein SPD-Parteimitglied gegen drei unabhängige Bewerber antreten muss, auch wenn einer von ihnen von der Bürgerliste Steffenberg unterstützt wird.

Dieser ist Gerhard Acker, vielen als Amtsleiter des Steffenberger Rathauses bekannt. In der Gemeindeverwaltung blickt der 56-Jährige auf eine mehr als 40-jährige Tätigkeit zurück, ist der Dienstälteste unter den zehn Angestellten. Seit Jahrzehnten wohnt er in Obereisenhausen, hat dort mit seiner Ehefrau zwei Kinder großgezogen.

Wachsen sehen hat er auch die Gemeinde Steffenberg, deren weiteres Wachstum durch eine Fusion mit Angelburg aber vorerst für drei Jahre ausgesetzt ist. Für Acker ist dennoch klar, dass der Weg an einer engeren Zusammenarbeit nicht vorbeiführt. Bei den Finanzverwaltungen ist das bereits der Fall, nach seinen Vorstellungen soll das Bauamt bald folgen. Gespräche dazu gab es schon, wurden aber wegen der Fusionsbemühungen unterbrochen. Später könnten vielleicht auch das Ordnungs- und das Standesamt hinzukommen, so Acker.

Die Verwaltung soll schlagkräftiger werden

Weitere wichtige Anliegen sind der Abbau des Fehlbetrages von rund 4,3 Millionen Euro sowie der Hochwasserschutz an der Hörle, der rund 1,7 Millionen Euro kosten dürfte. Wie das geschehen soll, müssen die Gemeindegremien entscheiden. Acker sieht den Bürgermeister als „ausführendes Organ“. Um die Finanzkraft der Gemeinde zu erhalten, will Acker die Unternehmen halten, ihnen „wo es nur geht behilflich sein“. Das will auch Gernot Wege, und noch mehr. Das interkommunale Gewerbegebiet soll wiederbelebt werden, um neuen Unternehmen den Start zu erleichtern. Der 46-Jährige unabhängige Kandidat kommt aus der Wirtschaft, er ist Vertriebsleiter bei einem Hinterländer Unternehmen, und sieht das als Vorteil an.

Kommunikationsfreudigkeit sei eine seiner positiven Seiten, das dürfte ihm auch im Amt entgegenkommen. Dort würde er mit den Mitarbeitern die Verwaltung „schlagkräftiger“ machen wollen, indem zum Beispiel die Ergebnisse einer vorliegenden Personalberatung genutzt werden. Dann wäre natürlich der Haushalt 2017 ausgeglichen aufzustellen.

Und dann sieht der Vater zweier Söhne auch noch manch offene „Baustelle“ in der Gemeinde. Der Feuerwehrbedarfsplan müsse endlich verabschiedet werden, um festzulegen, was sich die Gemeinde in den nächsten Jahren leisten muss. Und in diesem Zuge gelte es auch, die Feuerwehrsatzung, die noch auf D-Mark laute, zu aktualisieren, sprich die Gebühren anzupassen. Denn man dürfe nicht nur die Steuern erhöhen, sondern müsse auch schauen, welche anderen Einnahmequellen herangezogen werden können.

Für Fusion wird große Lösung favorisiert

Und die Fusion? Die Gespräche mit Angelburg sollten fortgeführt werden, meint Wege, aber zugleich solle man auch offen für andere oder mehr Partner sein. Eine Strategie, die auch Michael Röther verfolgt. „Die macht nur Sinn, wenn sich drei Gemeinden zusammentun“, meint der Prüfingenieur. Aber zuerst müsste jede Gemeinde ihren Haushalt in Ordnung bringen. Denn: „Einen Kranken will niemand heiraten.“

Um von den Schulden runterzukommen, müsse man auch mal ein bisschen anders denken, findet der 44-Jährige. Da müsse auch nach den Kosten geschaut werden, meint der Selbstständige. Denn die Gemeinde habe schon Probleme, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen, und zum Beispiel schon genug Gebäude, wie die Bürgerhäuser, die „nicht ausreichend genutzt werden“. Deshalb macht es in seinen Augen auch keinen Sinn, als Gemeinde Häuser zu kaufen, zu renovieren und dann zu vermieten. „Leerstand ist Privatsache“, lautet seine Überzeugung. Vorstellen kann er sich allenfalls, auf der Homepage der Gemeinde eine Haus- und Vermietungsbörse einzurichten.

Und neben der Unterstützung der Wirtschaft möchte Röther auch die Vereine zu einer verstärkten Zusammenarbeit anregen, zum Beispiel bei der Nutzung des Pilgerpfades. Das läuft unter dem Punkt „Gemeinde attraktiver machen“.

Freibad mit Kletterpark attraktiver machen

Bei Maik Schmidt heißt das „ins positive Licht rücken“. Der SPD-Kandidat will die Kommunikation verbessern, zum Beispiel mit den Unternehmen, um zu erfahren, wohin sie tendieren. Dann könne ihnen die Gemeinde auch helfen. Zur Wirtschaftsförderung zählt für den 44-jährigen Studienrat auch die Verbesserung der sogenannten „weichen Faktoren“, die für Familien wichtig sind. So schwebt ihm zum Beispiel vor, am vom Förderverein betriebenen Schwimmbad einen Kletterpark entstehen zu lassen.

Um die Gemeindefinanzen zu sanieren, muss gespart werden, allerdings nicht so, dass man sich „kaputtspart“. Intelligentes, dass heißt nachhaltiges Investieren ist für Schmidt ein Teil der Lösung. Das bedeutet nachhaltige Veränderungen, die zum Beispiel bei den Bürgerhäusern die Betriebskosten senken.

Und ein Gemeindezusammenschluss? Da gebe es keine Denkverbote, auch hinsichtlich mehrere Kommunen oder in Richtung Verwaltungsgemeinschaft. Wichtig sei jedoch: Der Prozess müsse ergebnisoffen in kleinen Schritten und mit viel Informationen für die Bürger gestaltet werden.

von Gianfranco Fain

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