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Viel Gegenwind zu den geplanten Energieflächen

Windvorrangflächen Viel Gegenwind zu den geplanten Energieflächen

Etwa 90 Dautphetaler Bürger diskutierten am Donnerstagabend zum Teil heftig Kritik übend über die geplanten Vorrangflächen für Windkraftanlagen in der Gemeinde.

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Reinhold Leinweber von der Holzhäuser Bürgerinitiative stellte bei der Informationsveranstaltung der Gemeinde Dautphetal im Bürgerhaus Herzhausen eine Frage an das Podium.

Quelle: Helga Peter

Herzhausen. Die Gemeinde Dautphetal hatte zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Teilplan Energie des regionalen Raumordnungsplanes Mittelhessen“ in das Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Gerd Raach, Vorsitzender der Gemeindevertretung, leitete vor 90 Teilnehmern die Versammlung. Das Thema sorgte dafür, dass schon zu Beginn die Emotionen hochschlugen. Raach appellierte an die Teilnehmer, mahnte zu Sachlichkeit und stellte heraus, dass sowohl Gemeindevorstand als auch -parlament gewählte Organe seien, die nach Recht und Gesetz handeln.

Bürgermeister Bernd Schmidt erläuterte die Vorgeschichte des Entwurfs zum Teilregionalplan Energie Mittelhessen und auch die Vorgabe, dass zwei Prozent der Landesfläche als Vorrangfläche für Windenergie ausgewiesen werden sollen. Seitens des Regierungspräsidiums sei die Gemeinde im Juli 2012 aufgefordert worden, substanziellen Raum für Windkraftanlagen zu melden. Dabei seien über ein Planungsbüro in der Gemeinde Dautphetal vier Potenzialflächen herausgearbeitet worden.

Fachbereichsleiter Hermann Henkel stellte diese Flächen detailliert vor und auch die Flächenkarte, die der Offenlage des Entwurfs zugrunde liegt. Der „Weißenberg“ sei darin unverändert ausgewiesen, jedoch seien die Flächen in der Herzhäuser Gemarkung im Nordosten nun reduziert worden, da der Behörde ein Bruthorst eines Schwarzstorches gemeldet worden sei, der in vorhandenen Gutachten nicht aufgezeichnet gewesen sei.

Eine dritte Fläche in den Gemarkungen Damshausen und Allendorf sei zur Offenlage deutlich verkleinert worden, da es sich um Flora-Fauna-Habitat-Gebiete handelt.

Die Gemeinde Dautphetal habe daher beantragt, dass diese aus dem Entwurf des Teilregionalplans herausgenommenen Gebiete nun auch avifaunistisch (alle in der Region vorkommenden Vogelarten) untersucht werden. Henkel verwies auf die weit mehr als 1000 Anregungen zu der Offenlage des Teilregional-planes, die eine zweite Offenlage zur Folge haben.

6,6 statt 4 Prozent ausgewiesene Fläche?

Auf die Frage eines Bürgers, in welcher Höhe die Flächen der Gemeinde Dautphetal in Bezug auf Windhöffigkeit geprüft und ausgewiesen werden sollen, bezifferte Bürgermeister Schmidt mit bis zu vier Prozent. Diese Angabe sei nicht richtig, musste sich der Bürgermeister und auch Fachbereichsleiter Henkel als Zwischenruf von Martin Koch gefallen lassen, der dies mit Zahlen belegte. Martin Koch stellte heraus, dass mit falschen Zahlen auch seitens des Planungsbüros operiert werde. So seien im Bereich „Weißenberg“ bereits 3,33 Prozent der Vorrangflächen erreicht und mit einer Erweiterung in Herzhausen von etwa 200 Hektar bewege sich die Prozentzahl bei 6,6 Prozent der Flächen.

Bernd Schmidt sagte, dass dies nur ein Prüfvorschlag sei und keine Aussage dafür, was an Windkraftanlagen umgesetzt werden könne.

Worauf Dieter Jurkat in die Diskussion warf: „Sie wollen mehr bauen, als das, was wir brauchen und operieren nicht mit richtigen Zahlen. Dies ist nicht natur- und menschenverträglich für die heimische Umgebung.“ Er wollte wissen, wer denn die Gutachterkosten zahle, wenn die Gemeinde in Herzhausen mit viel Privatwaldbesitz eine Prüfung der Flächen betreibe.

Der Bürgermeister berichtete dazu, dass in Herzhausen mit einer gegründeten Energiegenossenschaft Interesse vorhanden sei. Im Übrigen sei die Gemeinde bestrebt, Planungshoheit und -recht zu erhalten. Dies sei äußerst wichtig, unterstrich Raach, damit kein Wildwuchs entstehe.

Diese Aussage wurde mit Gelächter quittiert und Reinhold Leinweber konterte, dass Windkraftanlagen wohl vor allen anderen Nutzungen (Fremdenverkehr und Erholung) stehen. So könnten theoretisch auf 600 Hektar 60 Windkraftanlagen erstellt werden. Dies untermauerte er mit Berechnungen zur Energiewende, deren Vorgaben im Regionalplan verankert seien und ansonsten nicht geschafft werden könne. „Wollen Sie uns das zumuten?“

Ein Bürger wollte wissen, wenn die Gemeinde den Finger auf der Planungshoheit habe, wie viele Windkraftanlagen dann zugelassen werden könnten. Schmidt erklärte, dass politische Gremien darüber befinden müssten. „Wir respektieren die Angst der Bürger“, sagte der Bürgermeister, die diese deutlich in Bezug auf die Anzahl der eventuellen Windkraftanlagen vorbrachten. Eine Teilnehmerin forderte, die Windgeschwindigkeiten bezüglich der Wirtschaftlichkeit gründlich zu ermitteln.

von Helga Peter

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