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Verwirrende Aussagen 
um benebelnde Stoffe

Aus dem Amtsgericht Verwirrende Aussagen 
um benebelnde Stoffe

Weil er seiner minder­jährigen Freundin etwa 200 Mal Drogen überlassen haben soll, steht ein 25-jähriger Hinterländer vor dem Marburger Amtsgericht.

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Die Anhörung weiterer Zeugen erfolgt bei Fortsetzung des Drogenprozesses.

Quelle: Boris Roessler

Marburg. Laut Anklage hat der 25-Jährige Ende 2013 bis Sommer 2014 der damals 16-Jährigen praktisch täglich Cannabis gegeben.

Zu Verhandlungsbeginn schwieg der Angeklagte, obwohl der Vorsitzende Richter Dominik Best ihn eindringlich darauf hinwies, dass ein Geständnis strafmildernd wirkt. Würden sich die Vorwürfe bestätigen, wäre angesichts einer einzubeziehenden früheren Verurteilung zu neun Monaten Haft eine bewährungsfähige Strafe wohl fast unmöglich, so Best.

Verteidiger Oliver Staab hob hervor, es werde zunächst sicher kein Geständnis über eine derart hohe Zahl an Weitergaben geben. „Denn 200 Fälle haben mit der Realität nichts zu tun.“

Chatverläufe widersprechen Aussage

Die heute 18-Jährige bestand darauf, zwar regelmäßig konsumiert, von ihrem Ex jedoch nie etwas bekommen zu haben. „Ich habe mir das selbst gekauft“, betonte die Zeugin. Sie habe auch nie etwas in der gemeinsamen Wohnung geraucht.

Erst als Staatsanwalt Oliver Rust sie darauf aufmerksam machte, dass ihr eine erneute Verurteilung wegen Falschaussage drohen könne, räumte sie ein, doch gemeinsam konsumiert zu haben. „Aber wir haben immer unsere eigenen Drogen genommen, von ihm bekommen habe ich nichts.“

Rust verwies darauf, dass der Angeklagte bei der Polizei etwas ganz anderes gesagt habe, was ein Kriminalermittler bestätigte. Laut Protokoll gab der 25-Jährige in seinen Vernehmungen an, dass er ihr zwar „nichts in die Hand gegeben hat“, gleichwohl habe er das Cannabis gekauft, das dann gemeinsam als Joint konsumiert wurde. „Bezahlt hat sie nichts, sie war ja meine Freundin.“

„Das passt nicht“, sagte der Polizist zur jetzigen Aussage der jungen Frau. Die Auswertung von Chatverläufen des Mobiltelefons des Angeklagten habe ergeben, dass die beiden tagsüber bereits ausgemacht hätten, dass abends zusammen konsumiert werden sollte, so der Polizist. Einmal hatte der Mann laut Protokoll gefordert, sie solle „ihm schon mal etwas bauen, um es nach der Arbeit gleich zu nehmen und danach schlafen zu können“.

Polizei soll am 26. Februar Zeugen vorführen

Ein von der Verteidigung mitgebrachter Zeuge sagte aus, nie etwas gesehen zu haben, obwohl er im fraglichen Zeitraum bei den beiden etwa einen Monat gewohnt habe. Er habe nur gewusst, dass beide konsumieren. Wenig zur Aufklärung beitragen konnte auch ein weiterer Zeuge, der seinerzeit mit der besten Freundin der Freundin des Angeklagten zusammen war.

Seinen Angaben nach haben beide Mädchen Drogen genommen. Von Konsum des Angeklagten wisse er nur vom Hörensagen. In seiner Gegenwart, dreimal sei er in dessen Wohnung gewesen, sei dies nicht geschehen.

Dass die beiden Frauen selbst Stoff gekauft hätten, so der Zeuge, habe ein Lockanruf eines Bekannten von ihm ergeben, der ihnen Drogen angeboten habe. Dieser soll nun bei einem Fortsetzungstermin am Freitag, 26. Februar, gehört werden. Vorausgesetzt seine Adresse, die der Zeuge nicht wusste, kann ermittelt werden.

Zudem soll die Polizei einen Zeugen vorführen, der unentschuldigt fehlte und daher mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro oder drei Tagen Ordnungshaft belegt ist. Auch er soll Drogen-Kontakte zu der Ex-Freundin des Angeklagten gehabt haben. Aussagen soll auch die Polizistin, die die Ex-Freundin des Angeklagten vernahm.

von Heiko Krause

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