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Verstärkung für die Herkulesaufgabe

Archiv der Gemeinde Lohra Verstärkung für die Herkulesaufgabe

Nach jahrelanger Tätigkeit eines Einzelkämpfers arbeitet nun ein Duo das „kollektive Gedächtnis“ der Gemeinde Lohra auf.

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Die sortierten Akten, Fotos und Schriften in den Regalen im Rücken, ein besonderes Stück in der Hand: Werner Franz (links) unterstützt Gemeindearchivar Horst Köhler bei der Sichtung und Pflege des Materials des Lohraer Archivs.

Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Seit acht Jahren kümmert sich Horst Köhler um das Archivgut der Gemeinde Lohra. Bis der heute 76-Jährige sich von Mitarbeitern des Hessischen Staatsarchivs in Marburg zum Gemeindearchivar schulen ließ, fand die Archivierung der für die Nachwelt womöglich wertvollen Unterlagen auf dem Dachboden und im Keller der Gemeindeverwaltung statt. Ohne System und ohne jegliche Ordnung warteten die Karten und Pläne, Bilder und Plakate sowie Flugschriften und auch Zeitungen darauf, gesichtet, gewertet und sortiert zu werden.

Köhler hat seitdem ein Findbuch sowie 2740 Akten angelegt und alles, was er in Händen hielt, auch im PC gespeichert. Von den Originalen befindet sich nur der kleinste Teil im Alten Rathaus, das Meiste befindet sich – gut sortiert – im Keller der Gemeindeverwaltung.

Zudem stellte Köhler im Laufe der Zeit fest, dass viele der alten Texte schwer zu verstehen sind. „Man braucht schon einige Zeit, bis man die alten Schriften lesen und den Inhalt des Textes erfassen kann“, sagt Köhler. Zum ungewohnten Schriftbild kommt auch noch hinzu, dass die alten Schriften in Lohraer Platt geschrieben sind. Damit auch die Nachwelt den Inhalt versteht, hat Köhler ein Wörterbuch als Übersetzungshilfe verfasst.

Seit Jahren ein bewährtes Team

„Horst Köhler hat das Gemeindearchiv vorbildlich auf den Weg gebracht“, meint Bürgermeister Georg Gaul anerkennend. Eine Herkulesaufgabe habe Köhler in Angriff genommen und bisher fast im Alleingang bewältigt. Zwischenzeitlich wurde Köhler von Bernd Bobenau unterstützt, doch jetzt hat er einen ständigen Mitstreiter gewonnen. Werner Franz bildet mit ihm nun ein Duo, von dem Gaul sagt: „Im Team sind sie die Idealbesetzung für unser Archiv.“

Dabei hätte diese Idealbesetzung schon eher zustande kommen können. Franz und Köhler arbeiten bereits seit Jahren als Team, zum Beispiel im Geschichtsverein oder auch im Förderverein der historischen Hufeisenkirche. „Das macht uns Spaß, weil wir uns hervorragend ergänzen“, sagt Franz.

Köhler gibt sein in Seminaren erlangtes Wissen nun an Franz weiter, der allerdings kein Neuland betritt. Der 67-Jährige verfügt unter anderem über eine große Zeitungssammlung. Zusammen wollen sie den aus Bildern und Texten bestehenden Nachlass von Jakob Schlag aufarbeiten. Zwar haben sie damit noch Jahre zu tun, doch sie halten auch Ausschau nach weiteren Privatbeständen.

Eine Aufgabe, die ihm schon einen negativen Ruf eingebracht hat, weiß Köhler zu berichten – fällt es den 
Leuten doch schwer, sich selbst für den sicheren Erhalt von den Erinnerungsstücken zu trennen. Dabei, so Franz, wollen die beiden Archivare nur das „kollektive Gedächtnis der Gemeinde“ verwalten. „Wenn‘s keiner macht, ist es irgendwann weg.“

von Gianfranco Fain

 
Damit spätere Generationen die Schriften auch verstehen können, hat Köhler eine Wörterbuch über den Lohraer Dialekt verfasst. Foto: Gianfranco Fain
 
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