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"Verschenken kann ich das Grundstück nicht"

Altes Steinwerk "Verschenken kann ich das Grundstück nicht"

Am Freitag berichtete die OP über das alte Steinwerk am Burgberg in Buchenau. Nun äußerte sich auch Inhaber Herbert Herz: "Bin für jede Idee dankbar!"

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Das alte Steinwerk am Burgberg in Buchenau gleicht einer Ruine. Zwar gab es ein Übernahmeangebot durch den Eigentümer an die Gemeinde Dautphetal, doch die hat kein Geld für einen Kauf übrig. Foto: Benedikt Bernshausen

Quelle: Benedikt Bernshausen

Buchenau.. Herbert Herz ist Gesellschafter der Steinwerk Dautphetal Herz KG, die Eigentümerin des Areals ist. Und er stellt fest: „Das ist eine verfahrene Geschichte. Ich weiß auch nicht, wie ich dort weiter machen soll!“

Im Jahr 1989 kaufte der Steinmetzmeister aus dem Allgäu das Steinwerk, in dem bis Ende 2000 gearbeitet wurde. Weil die Konkurrenz im Ausland günstiger produziert habe, sei die Steinindustrie damals am Boden gewesen. „Auch wir mussten aus wirtschaftlichen Gründen aufhören“, berichtet der 70-Jährige.

Kurz nachdem die Maschinen stillstanden, begannen die Probleme: Angefangen habe es damit, dass die Scheiben mit Steinen eingeworfen, die Maschinen beschädigt und vermehrt „Dreck“ auf das Gelände geworfen wurde. Zweimal sei die Werkhalle gar angezündet worden, zuletzt in den Morgenstunden des 3. November 2011.

Pläne, die Herz in der Zwischenzeit für das Areal ausgedacht hatte, konnten nicht realisiert werden: Zunächst wollte der Unternehmer dort ein Krematorium errichten, was im Ort auf wenig Zustimmung stieß. Den Gedanken, auf der Fläche einen Solarpark aufzubauen, verwarf Herz vor fünf Jahren, als im Zuge einer Analyse des nur halbtägig von der Sonne bestrahlten Geländes herauskam, dass die Anlage nicht rentabel sein würde. Deshalb entschloss sich der Schwabe, das Areal der Gemeinde Dautphetal zum Kauf anzubieten. Schließlich sei die Fläche als Gewerbegebiet ausgewiesen und könnte daher Standort anderer Unternehmen sein: „Kleingewerbe, Nahversorger, Gastgewerbe oder Studentenwohnungen“, spekuliert Herz.

Sein drittes und bisher letztes Angebot machte er im November 2012. Anhand der Daten des Gutachterausschusses des Landkreises Marburg-Biedenkopf ermittelte er den Grundstückswert: 7500 Quadrameter misst das Gelände, 20 Euro setzte der Ausschuss pro Quadratmeter fest, also 150000 Euro.

Da auf dem Grundstück aber die Werk-Ruine steht, zog Herz die Abrisskosten, etwa 85000 Euro, vom Grundsückswert ab. Mehr noch: Er bot an, den Kaufpreis von rund 65000 Euro auf Leibrentenbasis, also in monatlichen Teilbeträgen, an ihn zu zahlen. Mit sarkastischem Unterton sagt er: „Ich bin alt, habe einen Schlaganfall hinter mir: Meine Lebenserwartung ist nicht mehr hoch!“

Im Januar 2013 habe die Gemeinde reagiert, in einem Schreiben von einem „interessanten Angebot“ gesprochen und um „etwas Geduld“ gebeten. Seitdem hat der Allgäuer nichts mehr gehört. Doch am Montagmorgen stand das Thema in Folge der OP-Recherchen auf der Tagesordnung einer Besprechung im Dautpher Rathaus.

Anschließend äußerte sich Hermann Henkel, Fachbereichsleiter für Bauen und Finanzen. Er bestätigte Herz´ Angebot, kündigte jedoch an, dass die Gemeinde wohl absagen werde. „Fakt ist, dass wir einfach nicht das Geld haben, das Grundstück zu erwerben und das Werk abzureißen“, betont Henkel. Zwar scheint der Kaufpreis günstig. Allerdings wäre die Gemeinde als neue Eigentümerin auch unmittelbar für den Zustand des Areals verantwortlich, sofort würden die Kosten für Abriss und Entsorgung den Haushalt stark belasten.

Es sei auch geprüft worden, ob Fördergeld aus den „Töpfen“ des Stadtumbaus oder der Dorferneuerung zu bekommen sind. „Doch leider ist kein förderfähiges Projekt auf dem Grundstück in Aussicht“, stellte Henkel fest. Er bezweifelt außerdem, dass eine gewerbliche Nutzung der Fläche künftig möglich sei. Das Gelände liege abgeschieden am Ortsrand, die verkehrliche Anbindung sei nicht ideal. Mittlerweile werde der Wirtschaftsweg, der vom Gelände in die Ortsmitte führt und zugleich Lahntalradweg ist, in erheblichen Maße von Radwanderen genutzt. Im Raum stehe deshalb auch der Wunsch einer touristischen Nutzung der Fläche, etwa in Form einer „ansprechenden Grünanlage“.

Und natürlich habe die Gemeinde großes Interesse daran, dass sich die Situation am alten Steinwerk verbessere, schaffe das aber nicht aus eigener Kraft. „Es wäre schön, wenn sich der Eigentümer etwas mehr kümmern würde“, sagt Henkel, besonders mit Blick auf die Vermüllung: „Eigentum verpflichtet auch!“ Doch Herz verweist zunächst auf den Bauzaun, für den er damals 3000 Euro bezahlt habe. Wenn aber trotzdem Leute auf das Gelände gehen und dort ihren Müll abladen, verstehe er nicht, warum er die Entsorgungskosten tragen solle. Darüberhinaus verfüge er weder über Vermögen, noch eine entsprechende Rente, die ihm ein Einschreiten erlaube. „Ich wäre ja selbst für jede Idee dankbar. Nur verschenken kann ich das Grundstück nicht“, sagt der Schwabe.

Die Gemeinde versicherte derweil, dass Herz nun zeitnah - nach anderthalb Jahren - eine (wohl negative) Antwort auf sein Angebot bekommen werde. Abschließend solle darüber der Gemeindevorstand entscheiden, so der Fachbereichsleiter. Wie es dann mit dem Steinwerk weitergeht, können aber weder Herz noch Henkel sagen.

von Benedikt Bernshausen

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