Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Verletzte Katze kostet Finder 500 Euro

Tierarztrechnung Verletzte Katze kostet Finder 500 Euro

Ein zweijähriger Kater hat zwar noch keinen Namen, dafür aber ein neues Zuhause. Der Gladenbacher Matthias Jilg fand das Tier verletzt und blutend am Straßenrand; Diagnose: gebrochene Hinterpfoten.

Voriger Artikel
Bierglaswurf bleibt vorerst ungeklärt
Nächster Artikel
Pferdesteuer ist aus dem Rennen

Glück im Unglück: Der angefahrene Fundkater – hier mit Schienen in den Hinterläufen – fand ein neues Zuhause.

Quelle: privat

Gladenbach. Als Matthias Jilg den Kater aus dem Augenwinkel am Straßenrand der B 3 liegen sah, wollte er weiterfahren. Doch dann hob das Tier den Kopf. Da überlegte Jilg nicht lange, stoppte seinen Wagen und kümmerte sich um den schwerverletzten Kater. Er fand das Tier, das nicht mehr laufen konnte, gut eineinhalb Kilometer vor Staufenberg.

„Damit ging der Ärger los“, sagt Jilg. Statt sich darum zu kümmern, dass das Tier ärztlich versorgt wird, hätte er es eigentlich ins Tierheim Gießen bringen müssen. Das „eigenmächtige“ Handeln könnte den Gladenbacher nun teuer zu stehen kommen.

Für die Versorgung des Fundtieres musste Jilg tief in die Tasche greifen. 500 Euro hat er bisher für die Operation bezahlt. Dem Tier wurden Schienen in die Hinterläufe eingesetzt. In leichter Narkose kommen sie bald wieder raus. Eine Woche musste der Kater beim Tierarzt versorgt werden, seit fünf Wochen lebt er bei den Jilgs. Mittlerweile fühlt er sich dort sehr wohl und versteht sich sehr gut mit der Hauskatze.

Stadt will nicht zahlen

Bevor dem Kater die Schienen eingesetzt wurden, war er bei einem anderen Tierarzt in Behandlung. Dort wurden die Behandlungskosten zunächst auf 800 Euro geschätzt, später auf 1400 Euro korrigiert mit dem Hinweis, dass der Kater nach der Operation nicht mehr richtig laufen könnte. Jilg wurde empfohlen, das Tier einzuschläfern. Doch damit gab sich der Gladenbacher nicht zufrieden. Er überlegte zusammen mit seiner Frau und Bekannten, was zu tun ist.

So kam ein Kontakt zu dem Tierarzt zustande, der sich bereit erklärte, das Fundtier für viel weniger Geld zu operieren. Nachdem der Tierarzt die Röntgenbilder gesehen hatte, versicherte er dem Gladenbacher, dass der Kater nach der Behandlung ganz sicher wieder laufen kann.

Um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben, schrieb Jilg die Stadt Staufenberg an und erhielt prompt eine Antwort: Ablehnung mit Verweis auf die zuständige Gemeinde Lollar. Die Katze sei nicht auf dem Gebiet der Stadt angefahren worden, sondern auf dem der Nachbargemeinde. Jilg schickte also ein gleichlautendes Schreiben dorthin. Noch wartet er auf eine Antwort. Sollte diese ebenfalls negativ ausfallen, will er einen Anwalt einschalten.

Er ist der Auffassung, dass er alles richtig gemacht hat. Schließlich habe sich – während der Kater tierärztlich versorgt wurde – ein Kontakt mit einem potenziellen Besitzer ergeben. Jilg geht davon aus, dass eine Meldung über die Fundkatze vorlag. Der Katzenretter schickte dem Mann Fotos und übermittelte ihm die Höhe der Operationskosten. Seitdem herrscht Funkstille.

Stadt Staufenberg rät: Fundtiere im Tierheim abgeben

Gechipt ist der Kater zwar auch, doch die Registrierung bei dem Verein Tasso, dem nach eigenen Angaben größten Haustierregister Europas, fehlt. Somit bringt Jilg diese Spur nicht weiter. Wäre der Besitzer zu ermitteln, müsste er die Kosten tragen. „Wenn nichts zu holen ist, bleibe ich auf den Kosten sitzen. Man wird für sein Tun bestraft“, sagt Jilg. Auch über den Tierschutzverein sei die finanzielle Unterstützung nur minimal.

Um Ärger mit Fundtieren zu vermeiden, hat die Stadt Staufenberg auf ihrer Homepage den Hinweis veröffentlicht, dass Fundtiere, insbesondere krank erscheinende oder verletzte Tiere, von 8 bis 18 Uhr beim Tierheim Gießen abzugeben sind oder dass man sich dort telefonisch melden soll. Von 18 bis 8 Uhr müssen sich die Finder an die Polizei in Gießen wenden. Dieselbe Vorgehensweise hat auch die Gemeinde Lollar im Amtsblatt veröffentlicht.

Nur wenn der Fund von verletzten Tieren bei der zuständigen Behörde (Gemeinde, Polizei oder Ordnungsamt) der Städte oder Gemeinden gemeldet ist, erfolgt die Übernahme möglicher Tierarztkosten. Doch eine Meldung vor der medizinischen Versorgung des Fundtiers ist wie in Jilgs Fall oft nicht möglich. In Bayern, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ist man deshalb der Auffassung, dass die Fundbehörde die Kosten unaufschiebbarer tierärztlicher Behandlung von Fundtieren auch dann übernimmt, wenn der Finder das Tier sofort behandeln lässt.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
Hintergrund

Fundtiere, deren Besitzer meist unbekannt sind, unterliegen dem Fundrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches. (BGB ff 965-984). Die Bestimmungen für Fundsachen sind auf Tiere anzuwenden. Der Finder hat den Fund dem Eigentümer beziehungsweise der Fundbehörde anzuzeigen. Die Behörde ist verpflichtet, die Fundtiere aufzunehmen und zu betreuen. Die entstehenden Kosten können dem Besitzer – so weit er bekannt wird – in Rechnung gestellt werden.

Quelle: Tierärztliche Umschau

 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr