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Verkauf statt Erpressung

Aus dem Amtsgericht Verkauf statt Erpressung

Weil es sich nach Auffassung des Marburger Amtsgerichts lediglich um den Abschluss eines Kaufes handelte, sprach es einen 37-jähriger Dautphetaler vom Vorwurf der Räuberischen Erpressung frei.

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Das Amtsgericht hat einen Angeklagten von allen Vorwürfen freigesprochen.

Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Marburg. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, am 2. Mai 2014 in einem Supermarkt in Gladenbach einen 17-Jährigen gepackt und geschüttelt sowie 70 Euro gefordert zu haben, ohne dass er einen Anspruch auf das Geld hatte.

Zudem habe er laut Anklage 
gedroht, „wenn du abhaust, kriege ich dich und hetze meine Leute auf dich.“ Anschließend habe der Jugendliche 50 Euro an einem Geldautomat abgehoben und übergeben. Um die restlichen 20 Euro zu erhalten, habe der Angeklagte später erneut Drohungen ausgestoßen.

Der 37-jährige betonte, dass der Jugendliche ihm noch 50 Euro schuldete. Seiner Aussage nach verkaufte er ihm ein Mobiltelefon und erhielt nur die Hälfte der 100 Euro sofort, die Restzahlung sei zum Monatsende vereinbart worden. Er habe den jungen Mann jedoch zwei bis drei Monate nicht erreicht.

Von Drohungen will „Opfer“ nichts wissen

Als er ihn im Supermarkt traf, sei er sauer gewesen, räumte der Angeklagte ein, und es sei sicher falsch gewesen, dass er ihn grob herumgerissen habe. Aber als er sein Geld einforderte, habe der Schuldner bereitwillig gesagt, er könne die Schulden von seinem Konto begleichen.

Die Aussage des heute 19-Jährigen reichte am Ende allen Beteiligten nicht, um den Angeklagten der Räuberischen Erpressung zu überführen. Vor Gericht sagte er, die Sache sei für ihn erledigt. Er habe das Telefon gekauft und seine Schulden beglichen. Auch von Drohungen wollte er nichts mehr wissen.

Er habe selbst angeboten, zum Geldautomaten zu gehen. „Das Thema hat sich für mich erledigt“, so der Zeuge. Sicher habe der Angeklagte ihn kurz am Kragen gepackt, „aber er wollte 
nur sein Geld, da ist das verständlich.“

Der Vorsitzende Richter Thomas Rohner hielt ihm seine Aussagen bei der Polizei vor. Dort hatte er Anzeige erstattet und behauptet, den Angeklagten nicht gekannt zu haben, als 
dieser Geld von ihm verlangte.

Später hatte er ausgesagt, die 100 Euro schon vorher bezahlt zu haben. Nur „Gestammel“, wie Rohner es ausdrückte, hörte der Richter auf die Frage, warum er damals log. „Ich weiß nicht mehr und ich habe nicht nachgedacht“, so der Zeuge.

Gericht stuft Zeugen als nicht glaubwürdig ein

Nach mehrfacher Nachfrage 
bestätigte er allerdings, dass der Dautphetaler 20 Euro mehr verlangt habe, als die beiden beim Geldautomat waren und ließ davon auch nicht ab, als Verteidiger Carsten Dalkowski ihm vorhielt, dass alle seine Behauptungen gelogen waren. Der Fall beschäftige seit zwei Jahren das Gericht, weil der junge Mann falsche Angaben bei der Polizei machte. „Und das kostet viel Geld und Nerven“, so der Rechtsanwalt.

Das Gericht folgte letztlich den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Freispruch. Eine Räuberische Erpressung hinsichtlich der 20 Euro sei auch nicht nachzuweisen. Es stehe Aussage gegen Aussage und der 19-Jährige sei nicht besonders glaubwürdig.

Einer seiner Freunde hatte bei der Polizei die Drohungen bezüglich der 20 Euro bestätigt, wollte sich vor Gericht aber nicht mehr daran erinnern. Nach Auffassung aller Beteiligten hatte er zunächst nacherzählt, was ihm sein Freund vorgegeben hatte.

von Heiko Krause

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