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Verfahren gegen 62-Jährigen ist eingestellt

Jugendpornografie Verfahren gegen 62-Jährigen ist eingestellt

Die Berufungskammer am Marburger Landgericht stellte am Freitag das Verfahren gegen einen Bad Endbacher wegen Besitzes jugendpornografischer Bilder ein. Er entgeht somit einer zweimonatigen Haftstrafe.

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Ein Bad Endbacher entgeht einer zweimonatige Haftstrafe, weil das Alter der Nacktmodels nicht zu klären ist. 

Quelle: Thorben Wengert / Pixelio

Marburg. Vor einem Jahr hatte das Amtsgericht Biedenkopf einen 62-Jährigen aus Bad Endbach wegen des Besitzes von sieben jugendpornografischer Bilder zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht stellte das Verfahren nun mit der Begründung ein, dass das Alter der abgebildeten Mädchen nicht eindeutig zu erkennen ist. Konkret ging es um Fotos, auf denen laut erstinstanzlichem Urteil Mädchen im Alter von höchstens 16 Jahren in pornografischen Posen abgebildet waren.

„Ich weiß nicht, woher der Kollege diese Erkenntnis hat“, bemerkte der Vorsitzende der Berufungskammer, Richter Hans-Werner Lange, bei Inaugenscheinnahme der Fotos. Er vermöge nicht zu erkennen, wie alt die Abgelichteten seien, sie könnten auch schon 18 Jahre alt sein. In der Berufungsbegründung hatte der Verteidiger ausgeführt, sein Mandant habe die Bilder von frei zugänglichen Internetportalen, in denen ausdrücklich darauf hingewiesen werde, dass die Modelle volljährig seien. Deshalb sei er auch davon ausgegangen. Wenn überhaupt liege ein straffreier Verbotsirrtum vor.

Lange bestätigte, dass es zwar bei der Strafbarkeit auf das tatsächliche Alter ankomme, wenn der Angeklagte allerdings sicher glaube, dass das Modell älter als 18 Jahre sei, er nicht bestraft würde.

Letztendlich überzeugte der Richter den Staatsanwalt, den Antrag auf Einstellung zu stellen. Andernfalls müssten Sachverständige zur Altersbestimmung hinzugezogen werden, mit offenem Ergebnis. „Für einen Freispruch wissen wir zu wenig, aber wir sind nahe am Freispruch dran.

Die endgültige Einstellung sei schon deshalb sinnvoll, weil in erster Instanz ein viel schwerwiegenderer Vorwurf abgetrennt und inzwischen im Hinblick auf das Berufungsverfahren vorläufig eingestellt worden sei: Die gezielte Suche im Internet nach Kinderpornografie. Vor Gericht kamen beide Sachen nur, weil der Angeklagte gegen Strafbefehle widersprochen hatte.

„Und der schwächste Vorwurf ist letztendlich zur Verurteilung gekommen“, stellte Lange fest.Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass es weitere Ermittlungsverfahren gegen den Mann gebe. Wie dessen Anwalt bestätigte, würden beschlagnahmte Computer derzeit untersucht, er gehe jedoch davon aus, dass nichts gefunden werde.

Wie der Staatsanwalt mitteilte, gehe es auch um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern, näheres wisse er jedoch auch nicht.

von Heiko Krause

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