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Verein präsentiert Lohras Geschichte

Gebietsreform Verein präsentiert Lohras Geschichte

Den Tag der offenen Tür im Rathaus und Bauhof verband der Verein für Geschichte und Volks­kunde Lohra mit einer Ausstellung „40 JahreGebietsreform“.

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Besucher der Ausstellung „Gebietsreform in Lohra 1974“ betrachteten eines der Plakate.

Quelle: Fotos: Klaus Peter

Lohra. Zum Tag der offenen Tür im Rathaus und im Bauhof begrüßte Lohras Bürgermeister Georg Gaul am Wochenende zahlreiche Bürger. Mit diesem Tag der offenen Tür wurde den Bürgern der Umbau des Rathauses vorgestellt. Abteilungen und Personal, die bisher auf zwei Ebenen verteilt waren, sind nach dem Umbau auf der Service-Ebene im Erdgeschoss vereint. Die modernen Mehrarbeitsplatzbüros bedeuten auch schnelle und kurze Wege für die Bürger.

Die Umbaukosten in den beiden vergangenen Jahren haben zusammen rund 97000 Euro betragen. Zusätzlich seien in den Jahren rund 34000 Euro in moderne PC-Arbeitsplätze und neues Mobiliar investiert worden. Durch die Zusammenlegung der Abteilungen und der neuen Organisation zur Optimierung der Abläufe seien seit 2012 jährlich etwa 60000 Euro an Kosten reduziert worden. Auch die Dachdämmung sorge für eine Heizkostenminderung von jährlich 2500 Euro.

Der Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra zeigte in den Fluren des Rathauses Urkunden, Informationen und Bilder zur Gebietsreform unter dem Titel „Gebietsreform in Lohra 1974“. Auch für Lohra ist der 1. Juli 1974 der Stichtag zur kommunalen Gebietsreform und damit die Gründung der Gemeinde Lohra gewesen. Mit der Gebietsreform sollte die große Anzahl der hessischen Gemeinden von 2600 auf rund 500 und die Landkreise auf 20 reduziert werden.

Das Verstal-Konzept kam nicht zum Tragen

In den turbulente Zeiten vor der Reform seien viele Modelle diskutiert worden. Die große Frage damals war: Wer sollte sich wann wem zuwenden und vor allem, wo sollte der Sitz des Rathauses sein?

Wie kaum eine andere politische Entscheidung danach habe die Gebietsreform die politisch Verantwortlichen in allen Parteien und Gruppierungen entzweit, weil an den Grundfesten jahrelanger bestehender politischer Strukturen und regionaler Ausrichtung gerüttelt wurde.

In den Jahren 1970/1971 erarbeiteten die Bürgermeister von Altenvers, Kirchvers, Reimershausen, Rodenhausen, Rollshausen, Seelbach und Weipoltshausen einen Vorschlag beziehungsweise das sogenannte „Verstal-Konzept“, das eine deutliche Absage an die vom Landratsamt in Marburg favorisierte Anbindung an Lohra, Damm und Nanz-Willershausen bedeutete.

Hermann Brand, von 1976 bis 2006 Bürgermeister der Gemeinde Lohra, erinnerte an die Abläufe. Grundlage der Gebietsreform war Ende 1969 ein Erlass des Hessischen Innenministers Heinrich Schneider zur Zusammenlegung der Standesämter und gemeindlichen Kassen und zum Schluss hin die Festlegung der territorialen Grenzen. Die Gebietsreform sollte freiwillig geschehen. Damals hatte der Landkreis Marburg 127 und der Landkreis Biedenkopf 63 Gemeinden. Die Gemeinden seien mit erhöhten Schlüsselzuweisungen „gelockt“ worden, um Grenzänderungsverträge freiwillig abzuschließen.

Unter Bürgermeister Konrad Gaul, der bis 1976 im Amt war, sei es bei einem Teil der Orte in Lohra zu freiwilligen Zusammenschlüssen gekommen. Bei den übrigen Orten sei der Zusammenschluss problematischer gewesen, da die Bürger glaubten, es sei nicht möglich, allen Bürgern in den zehn Ortsteilen das Gleiche bieten zu können. Wichtige Themen der Gebietsreformen seien die Sicherstellung der Wasserversorgung und die Abwasserversorgung gewesen. Daraus sei auch das kommunale Gesamtprojekt „Abwasserzweckverband Mittleres Salzbödetal“ entstanden, dem viele Gemeinden angehören.

Leider seien die Gemeinden heute allein nicht mehr in der Lage, die Aufgaben der Zukunft zu meistern und deshalb sei es notwendig, dass die Kommunen noch enger zusammenarbeiten. Brand ließ offen, ob eventuell eine zweite Gebietsreform oder eine Verbandslösung kommen müsse, um die Gebühren für die Bürger erträglich zu halten. „Die Gebietsreform war notwendig und die Zusammenarbeit der Kommunen ist weiterhin dringend erforderlich“, lautete das Fazit von Hermann Brand.

Hartmut Gaul vom Verein für Geschichte und Volkskunde Lohra berichtete, dass für diese Ausstellung viele Protokollbücher und mehr als 5000 Dokumente gesichtet wurden, um daraus in wenigen Wochen diese Ausstellung präsentieren zu können, die, so der Bürgermeister, mindestens bis Ende des Jahres im Rathaus zu besichtigen ist.

von Klaus Peter

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