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Unverhoffte Ehre für den "Forstmissionar"

Georg-Ludwig-Hartig-Preis Unverhoffte Ehre für den "Forstmissionar"

Professor Dr. Klaus-Peter Rödig ist Träger des Georg-Ludwig-Hartig-Preises. In Gladenbach wurde der Forstwissenschaftler während der Feier zum 250. Geburtstag Hartigs ausgezeichnet.

Gladenbach. Zu seinem 250. Geburtstag kehrt einer der bedeutendsten Klassiker der modernen Forstwirtschaft zurück in seine Heimatstadt - vertreten durch die Stiftung, die seinen Namen trägt: Georg Ludwig Hartig (wir berichteten).

Regelmäßig zeichnet die Stiftung Menschen aus, die sich um Wald und Forst verdient gemacht haben. In diesem Jahr erhält den mit 5000 Euro dotierten Stiftungspreis der Biebertaler Forstwissenschaftler Professor Dr. Klaus-Peter Rödig. In seiner Laudatio betonte Carsten Wilke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung: „Wir zeichnen mit ihm eine Persönlichkeit aus, die viel für das Forstwesen geleistet hat.

Wie nur wenige andere, hat er durch sein waldbauliches und planerisches Wirken in den Wäldern des Landes Hessen Spuren hinterlassen, die weit über seine aktive Dienstzeit hinaus greifen und die das forstliche Bild des Landes prägen!“

Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte Klaus-Peter Rödig in Marburg. Danach studierte er Forstwissenschaften an der Universität Freiburg, wo er das Studium nach sechs Jahren mit der Promotion auf dem Gebiet der forstlichen Bodenkunde meisterte. Nach der Referandarzeit, die Rödig unter anderem im Forstamt Herborn absolvierte, schloss er 1967 seine Ausbildung mit der großen forstlichen Staatsprüfung ab. Schließlich arbeitete er danach für 20 Jahre als Forstassessor in der Forsteinrichtungsanstalt, kurz: FEA; heute: FENA. „Die forstliche Planung wurde und blieb ihr Thema“, betonte Carsten Wilke.

Lehrauftrag an derUniversität Gießen

Er durchlief alle Stationen der Anstalt, vom Forsteinrichter bis zum Leiter der Forsteinrichtung im südhessischen Körperschaftswald. An der FEA trainierte Dr. Klaus-Peter auch mit den Forstreferendaren der nächsten Generation. „Diese Aufgabe war Ihnen auf den Leib geschnitten“, bemerkte Wilke. Mit Eifer und Leidenschaft habe Rödig den forstlichen Nachwuchs für die Bedeutung des Waldbaus und der forstlichen Planung sensibilisiert. Im Jahr 1988 wurde Klaus-Peter Rödig als Leiter des Referates Waldbau/Nachhaltige Waldnutzung in das hessische Forstministerium berufen.

Während der Zeit im Ministerium war Rödig federführend an der Ausarbeitung von Richtungspapieren beteiligt. Seine Erkenntnisse hielt er für nachfolgende Generationen unter anderem in der Waldbaufibel fest, daneben organisierte er Lehrgänge und Fortbildungsveranstaltungen für Forstleute aller Laufbahnen. Schon 1985 hatte Rödig einen Lehrauftrag der Universität Gießen angenommen und war zum Professor ernannt worden.

Außerdem war er zwischenzeitlich Vorsitzender des Kontrollaussschusses der Deutschen Kontrollvereinigung für forstliches Saat- und Pflanzgut. Zu Beginn des Jahres 2003 schied Klaus-Peter Rödig schließlich aus dem aktiven Dienst der hessischen Forstverwaltung aus. Trotzdem blieb die Forstwirtschaft ein bedeutender Teil seines Lebens.

„Die Vorlesungen an der Universität gingen weiter, sie berieten kommunale Waldbesitzer und engagierten sich in verschiedenen Organisationen“, berichtete Carsten Wilke, der abschließend feststellte: „Die Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung ehrt einen würdigen und verdienten Preisträger.

In der ForstverwaltungHeimstatt gefunden

Einen wissenschaftlich ausgerichteten Praktiker, der alle Bereiche der Forstwirtschaft kennt, der theoretische Kenntnisse in praktisches Handeln umzusetzen wusste!“ Das Auditorium honorierte die Leistungen des Südhessen während der Übergabe des Preises mit stehenden Ovationen. Diese Auszeichnung, die den Namen eines Mannes trage, der zu den sechs großen Forstklassikern zähle, sei, so Klaus-Peter Rödig, eine „unerwartete und hohe Ehre“.

In Gladenbach blickte der Preisträger auf seine Karriere zurück: Die Berufswahl sei von dem Gedanken an ein „vielseitiges Metier“, das auch seinen „naturkundlichen Neigungen“ entgegenkommen sollte, geprägt gewesen. So war er zuerst Forstpraktikant, schließlich Student und danach habe ihm die hessische Forstverwaltung eine „makellose Heimstatt“ geboten. „Keiner hat meinen Tatendrang je ernsthaft behindert“, sagte Rödig rückblickend. Oft sei er in seinem Berufsleben von seiner Frau Rosemarie und den Kindern getrennt gewesen. Sein Sohn habe ihn gar einmal gefragt, ob diese FEA, für die er arbeite, blaue Augen habe. Im Ministerium galt Rödig aufgrund seiner vielen dienstlichen Reisen in die Wälder Hessens und Deutschlands scherzhaft als Außenminister, Wanderprediger und Forstmissionar. Nun aber gelte seine ganze Aufmerksamkeit der Familie. „Und nicht mehr diesem geliebten, schönen Beruf“, bemerkte Rödig. Dennoch lasse die Katze bekanntlich das mausen nicht, wenn sich ihr dazu die Gelegenheit biete - wie eben zu dieser Feierstunde, die Rödig mit einem Referat über die Holznutzung, die Werterhaltung des Waldes und die Verantwortung des Menschen gegenüber der ihn umgebenden Schöpfung abschloss. Seinen Vortrag beendete der Professor schließlich mit einem Ausspruch Gottfried Kellers, der einst betonte: „Der Wald zeigt wie ein blanker Schild, dir des Landes Ebenbild!“ Und dazu hat in Hessen auch Klaus-Peter Rödig einen bedeutenden Beitrag geleistet. nEin ausführlicher Bericht über die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag Hartigs folgt.

von Benedikt Bernshausen

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