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Unterernährtes Kind: Mutter steht vor Gericht

Justiz Unterernährtes Kind: Mutter steht vor Gericht

Ein Einsatz von Jugendamt und Polizei rettete vor rund anderthalb Jahren wahrscheinlich das Leben eines 13 Monate alten Mädchens. Das Geschehen findet nun ein juristisches Nachspiel vor dem Landgericht.

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Weil sie ihre Tochter fast verhungern ließ, muss sich eine 22-Jährige vor Gericht verantworten.

Quelle: Ruth Rudolph/pixelio

Marburg. Die Meldungen verbreiteten sich am 16. Februar 2014 über die „Social Media“ wie ein Lauffeuer: In der Gladenbacher Ringstraße kam es in einem Mehrfamilienhaus zu einem Polizeieinsatz und die Spekulationen schossen ins Kraut.
Auslöser der Aktion waren, wie die OP erfuhr, vergebliche Versuche von Jugendamts-Mitarbeitern mit einer 22-Jährigen in Kontakt zu treten. Das Jugendamt hatte einen Hinweis aus der Universitäts-Kinderklinik in Marburg erhalten, weil die 22-Jährige mit ihrem ehemaligen Frühchen nicht zu einem vereinbarten Untersuchungstermin gekommen war. 

Jugendamt und Polizei lassen Haustür öffnen

Als die Vertreter des Jugendamts dann an jenem Donnerstagnachmittag vor der Tür der Wohnung im Mehrfamilienhaus standen, erhielten sie zwar keinen Einlass, vernahmen aus dem Innenraum aber deutlich, dass Kinder in der Wohnung waren. Unter den Augen von herbeigerufenen Polizisten öffnete der Hausmeister die Wohnungstür. Drinnen entdeckten die Beamten zwei Kinder, beide mit Pflegemängeln, eines davon offenbar unterernährt. Wie sich später herausstellte, wog das 13 Monate alte Mädchen nicht einmal 3 600 Gramm.

Möglichkeit des Todes in Kauf genommen

Während das Kleinkind zur medizinischen Versorgung in die Kinderklinik gebracht wurde, kam deren 3-jährige Schwester zu Pflegeeltern. Die Mutter kam vorläufig in Untersuchungshaft, wurde am Freitagnachmittag aber unter Auflagen wieder entlassen.
An diesem Freitag folgt nun für die Mutter das juristische Nachspiel. Wegen der lebensbedrohlichen Unterernährung, gepaart mit Flüssigkeitsmangel, die binnen Tagen zum Tod geführt hätten, so Staatsanwältin Annemarie Petri, muss sich die Mutter wegen versuchten Totschlags verantworten. Denn sie habe die Möglichkeit des Todes des Kindes billigend in Kauf genommen. Davon geht die Anklage aus.
Ob dies der Mutter so nachgewiesen werden kann, wird für das Strafmaß entscheidend sein und auch dafür, ob die Mutter später vor dem Familiengericht das Sorgerecht wiedererlangen kann.

  • Die Verhandlung vor der 6. Strafkammer des Marburger Landgerichts beginnt am Freitag um 9 Uhr in Saal 101
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