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Ungestümes Liebesleben birgt Gefahren

Paarungszeit des Rehwildes Ungestümes Liebesleben birgt Gefahren

Rehböcke und Ricken, die sich jetzt paaren, sind blind vor Liebe und kreuzen oft und völlig sorglos selbst stark befahrene Straßen. Autofahrer sollten bis Mitte August besonders vorsichtig fahren.

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Diese Ricke blickt aufmerksam zum Fotografen. In der nun begonnen Brunftzeit ist das Rehwild weniger aufmerksam, überquert liebestrunken selbt am hellichten Tag die Straßen.Foto: Willi Rolfes

Quelle: Archivbild

Gladenbach. Vor allem in Waldgegenden und im ländlichen Bereich sollten die Kraftfahrer jetzt besondere Vorsicht walten lassen und die Schilder „Achtung Wildwechsel“ sehr ernst nehmen, mahnt Volker Klingelhöfer. Pressesprecher der Jägervereinigung Hinterland. „Schwere Zusammenstöße zwischen Mensch und Tier können vermieden werden, wenn vorsichtig und vorausschauend gefahren wird, sagt er.“

Das Gegenteil von rücksichtsvollem Fahren erlebt der Biedenkopfer vor seiner Haustür: „Leider fahren viele Verkehrsteilnehmer - vor allem Motorradfahrer - etwa auf der Bundesstraße 253 zwischen Ludwigshütte und dem Eschborn viel zu schnell.

Nach seiner Beobachtung passieren auf diesem Streckenabschnitt immer wieder zum Teil schwere Verkehrsunfälle mit Wildtieren.

Wenn die Rehe Hochzeit halten, steige die Gefahr von Wildunfällen deutlich, mahnt Klingelhöfer. Denn die Reh-Damen nehmen das Heft selbst in die Hand: „Durch Duftstoffe signalisieren sie den Rehböcken, dass sie zur Paarung bereit sind“, erklärt der Biedenkopfer.

Daraufhin beginnen die Böcke ihr zuweilen ungestümes Liebeswerben. Weil die Rehfrauen - der Jäger nennt sie Ricken - gehörig umworben sein wollen, entziehen sie sich zunächst den Nachstellungen ihrer Liebhaber. Doch unermüdlich folge der Bock der fliehenden Ricke, berichtet Klingelhöfer.

16000 Rehe sterben im Jahr im hessischen Straßenverkehr

Vor Liebe buchstäblich blind, führe die wilde Jagd des Rehpaares - oft auch am hellichten Tag - über stark befahrene Straßen, sagt der Pressesprecher und mahnt: „Vor allem in Waldgebieten sollten daher Kraftfahrer jetzt bis Mitte August auch tagsüber besondere Vorsicht walten lassen.“

„Während der Hundstage erreichen die Flitterwochen der Rehe zumeist ihren Höhepunkt“, weiß der Experte. Die Tragezeit beträgt neuneinhalb Monate. Nach der Befruchtung tritt eine viereinhalbmonatige Keimruhe (Ei-Ruhe) ein, das heißt, die befruchteten Eizellen entwickeln sich verzögert. Im Mai/Juni des nächsten Jahres werden meist zwei Kitze mit etwa einem Kilogramm Gewicht geboren.

„Etwa 16000 Rehe fallen in Hessen jährlich dem Straßenverkehr zum Opfer“, berichtet Volker Klingelhöfer. Bundesweit starben im vergangenen Jagdjahr (April 2011 bis März 2012) 171329 Stück Rehwild nach Zusammenstößen mit Fahrzeugen. Insgesamt ereignen sich nach den Worten von Klingelhöfer in Hessen jährlich 25000 bis 30000 Unfälle, an denen Wildtiere vom Feldhasen und Fuchs bis zu Wildschwein und Hirsch beteiligt sind.

„Bei solchen Wildunfällen werden die Rehe oft nicht auf der Stelle getötet, sie schleppen sich manchmal mit schweren Verletzungen noch ein Stück weit und verstecken sich“, sagt Klingelhöfer.

Dann müsse der Jäger das Wild mit einem speziell ausgebildeten Hund suchen, um es von den Qualen zu erlösen. Abgesehen davon sei ein solcher Wildunfall auch nicht ungefährlich für den Autofahrer, mahnt der Pressesprecher.

Die Unfallstatistik 2012 der Polizei weist für den Landkreis Marburg-Biedenkopf 968 Wildunfälle aus, dabei wurden 3 Personen schwer und 17 leicht verletzt. Der Anteil der Wildunfälle an den Gesamtunfällen beträgt 22,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr gab es damit eine Zunahme von 157 Wildunfällen.

Rehwild ist meistin Gruppen unterwegs

Auch der Marburger Polizeisprecher Martin Ahlich rät: Effektiv zur Reduzierung von Wildunfällen könne jeder Verkehrsteilnehmer durch vorausschauendes Fahren beitragen, erhöhte Vorsicht sei erforderlich, und man müsse stets bereit sein, zu bremsen.

Vor allem in Waldstücken müsse die Geschwindigkeit den drohenden Gefahren angepasst sein. Wichtig sei es auch, rechtzeitig abzublenden. Er nennt wichtige Grundsätze bei Begegnung mit Wild auf der Straße: Es gelte an Nachzügler zu denken, denn die Tiere seien meist in Gruppen unterwegs. Im Zweifelsfall sei ein kontrollierter Aufprall besser als unkontrolliertes Ausweichen.

Die Jäger versuchen mit verschiedenen Hilfsmitteln, das Wild davon abzuhalten, über die Straße zu springen, dazu zählen Lichtreflektoren und spezielle Duftstoffe.

Bei Letzteren wird ein schwammiger Kunststoff, der mit einem speziellen Duft getränkt ist, auf Holzpflöcke oder an Halterungen der Leitplanken angebracht.

„Das sieht so ähnlich aus wie Pilze“, sagt Volker Klingelhöfer und berichtet: „Der Duftstoff wird vom Wild gemieden und verhindert, dass es auf die Straße läuft.“ Gleichwohl versuchen die Tiere dann an einer anderen Stelle die Straße zu überqueren.

von Hartmut Berge

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