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Unbefristeter Einsatz in Mexiko

Mission Unbefristeter Einsatz in Mexiko

Reisen für den Glauben sind für Tobias und Christiane Eucker nichts Neues. Jetzt beginnt das junge Ehepaar, das der Zeugen-Jehovas-Gemeinde Lohra angehört, eine Missionstätigkeit in Mexiko.

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Tobias und Christiane Eucker während ihrer Mexiko-Reise.Privatfoto

Lohra. Schon einmal waren sie in Mexiko. Im August 2011 reisten Tobias und Christiane Eucker auf die Halbinsel Yucatan. 16 Monate blieben der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und die Mediengestalterin dort, um Menschen für ihre Religion zu gewinnen: Für die Lehre der Zeugen Jehovas, deren Eigenbezeichnung „Jehovas Zeugen“ lautet. Tobias und Christiane Eucker selbst haben diese Lehre schon früh kennengelernt - durch ihre Eltern.

Die Euckers erlebten eine prägende Zeit in Mexiko. Eine Zeit, an die sie anknüpfen wollen. Das tun sie zurzeit - mit einer weiteren Reise in das mittelamerikanische Land, in dem rund 114 Millionen Menschen leben.

Die OP hat das junge Ehepaar kurz vor der Abreise getroffen: Im Elternhaus von Tobias Eucker im Marburger Stadtteil Gisselberg. Der 34-Jährige war schon als Jugendlicher an Religionen interessiert - nicht nur an seiner eigenen. Zwischenzeitlich zweifelte er - wie auch seine Frau Christiane (35), die aus Baden-Württemberg stammt. Bei beiden wichen die Zweifel schließlich der Überzeugung, den richtigen Glauben gefunden zu haben. Sie entschlossen sich, ihn zu verbreiten.

Schon lange bevor sie zum ersten Mal nach Mexiko reisten, gingen die Eheleute in Deutschland auf Mission, zogen von Haus zu Haus, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. 2007 unternahmen sie eine Reise in die USA, besuchten die Weltzentrale der Zeugen Jehovas und lernten dort eine Mexikanerin kennen, die zu den Zeugen Jehovas konvertiert war. Das Ehepaar gab dem Glauben im Alltag mehr und mehr Gewicht.

2011 brachen die Euckers, die der Zeugen-Jehovas-Gemeinde Lohra angehören, nach Mexiko auf. Hin- und Rückreise mussten sie selbst bezahlen, vor Ort erhielten sie Unterstützung vom mexikanischen Zweigbüro der Zeugen Jehovas. Ihre Mission bestand darin, Mennoniten - Anhänger einer freikirchlichen Glaubensgemeinschaft - die Lehre der Zeugen Jehovas näher zu bringen.

Ihre Arbeit konzentrierte sich auf die Gegend um die Kleinstadt Hopelchén auf der Halbinsel Yucatan.

Ehepaar belegt einen„Plaut-Dietsch“-Kurs

Dort lebten sie, mit dem nötigsten ausgestattet, in einer Mietswohnung für umgerechnet 80 Euro im Monat. Fünfmal pro Woche fuhren sie in die Dörfer der Mennoniten. Um sich mit diesen verständigen zu können, hatten Tobias und Christiane Eucker zuvor einen „Plaut-Dietsch“-Kurs belegt. Plaut-Dietsch (Plattdeutsch) ist der Dialekt, den viele Mennoniten sprechen.

Smalltalk sei ein guter Weg, um auf Mission mit Menschen ins Gespräch zu kommen, sagt Tobias Eucker. Ein typischer Satz, aus dem sich viele Unterhaltungen ergeben hätten, sei die Frage gewesen: „Woas macht die Ackerie?“ („Was macht der Acker?“)

Zwischendurch besuchten die Euckers einen Kongress der Zeugen Jehovas im Norden des Landes - und sahen bei der dreitägigen Busfahrt die Größe und Vielseitigkeit Mexikos.

Das Landschaftsbild reicht von Wüste bis tropischem Regenwald. Sprachen und Lebensweise der Menschen unterscheiden sich ebenfalls von Region zu Region. Neben dem Spanischen werden in Mexiko Dutzende indianische Sprachen gesprochen, darunter einige Maya-Dialekte.

Auch die Probleme des Landes bekamen die Euckers zu spüren. Die sozialen Gegensätze seien deutlich sichtbar. Ebenso die Folgen des Drogenkriegs. Kontrollen durch die Militärpolizei an den Ortseingängen und -ausgängen seien nichts Ungewöhnliches. Christiane Eucker: „Einmal wurden wir komplett gefilzt, sogar die Autoreifen.“

Das Ehepaar nutzte die häufigen Kontrollen auch, um die Militärpolizisten auf Glaubensfragen anzusprechen. „Wir haben ihnen dann auch was zu lesen angeboten“, sagt Christiane Eucker - zum Teil mit Erfolg. Es habe Polizisten gegeben, die die Lektüre dankbar angenommen hätten.

Polizei bittet dieEuckers zur Kasse

Eine weniger angenehme Erfahrung mit der Polizei machte das Ehepaar gleich zu Beginn der Reise, nach dem Kauf eines Jeeps. Mit dem Auto waren Tobias und Christiane Eucker in einem Distrikt unterwegs, der nur mit Genehmigung durchfahren werden darf.

Die hatten sie nicht. Allerdings, so Tobias Eucker, seien sie nur deshalb auf die verbotene Straße abgebogen, weil die Polizei sie vorher dazu aufgefordert habe. Anschließend wurden sie angehalten und abkassiert. Um 2500 Pesos - umgerechnet rund 138 Euro - seien sie von den Ordnungshütern erleichtert worden.

Insgesamt aber hätten sie in dem mittelamerikanischen Land viel Achtung erfahren. Generell, so ist sich das Ehepaar sicher, hätten Zeugen Jehovas in Mexiko einen guten Stand und würden respektvoll behandelt.

Zurück in Deutschland, besuchte das Ehepaar eine Bibelschule in Nürnberg, wo es auf weitere missionarische Einsätze vorbereitet wurde.

Der Wunsch von Tobias und Christiane Eucker war es, entweder in Deutschland oder Mexiko auf Mission zu gehen.

Sie wurden erneut nach Mexiko geschickt, diesmal in den Norden, diesmal auf unbefristete Zeit.

Die Eheleute machen deutlich: „Wir wissen nicht so genau, was auf uns zukommt oder wie es weitergeht. Aber wir freuen uns riesig, denn wir sind unheimlich gestärkt durch die 16 Monate, die wir da waren.“

Das Leben der beiden in Deutschland lief seit der Rückkehr aus Mexiko auf „standby“, wie Tobias Eucker es beschreibt. Er selbst arbeitete seitdem im Marketing, seine Frau in einem Hotel.

„Meine Freunde und Verwandten werden mir fehlen, ebenso die deutsche Küche“, sagt Tobias Eucker vor der erneuten Abreise. Mitreisen werde seine Ukulele. Christiane Eucker hofft, dass sie in Mexiko an eine Nähmaschine kommt. Nähen ist ihr während der ersten Mexiko-Reise zum Hobby geworden. Entdeckt hat sie es bei den Mennoniten.

von Björn-Uwe Klein

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