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Gästeplus auch ohne Kurbetrieb

Übernachtungszahlen Gästeplus auch ohne Kurbetrieb

Die beiden Hinterländer Heilbäder werden bei den Gästen immer beliebter. Allerdings hat dies nicht überall etwas mit den Gesundheitsangeboten vor Ort zu tun.

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Die Wasseranlagen im Georg-Ludwig-Hartig-Park: Der Titel „Kneippheilbad“ ist wohl bald ­Geschichte.

Quelle: Michael Tietz

Hinterland. 31 Heilbäder und Kurorte gibt es in Hessen. ­Viele von ihnen blicken auf ein ­erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Darauf verweist der Hessische Heilbäderverband. Der vermeldet ein zum Teil deutliches Gästeplus für die regionalen Versorgungszentren.

Demnach stieg die Zahl der Besucher in den hessischen Heilbädern und Kurorten um 1,3 Prozent auf mehr als 2,68 Millionen. Bei den Übernachtungen gab es ein Plus von fast einem Prozent – im Vergleich zu 2015 kletterten sie auf 9,83 Millionen. Damit hat der Verband sein selbstgestecktes Ziel von zehn Millionen Übernachtungen fast erreicht.

Mit mehr als 1,43 Millionen Übernachtungen führt Bad Wildungen/Reinhardshausen (Landkreis Waldeck-Frankenberg) nach wie vor die Liste der besucherstärksten Orte an, gefolgt von Wiesbaden mit mehr als 1,22 Millionen. Den Sprung über die Millionengrenze hat auch das nordhessische Willingen mit rund 1,01 Millionen Übernachtungen (plus drei Prozent) geschafft.

„Der erneute Zuwachs von Gästen freut uns sehr. Er zeigt, dass immer mehr Menschen die einzigartige Kombination aus medizinischer Kompetenz und natürlichen Heilmitteln in unseren Heilbädern und Kurorten zu schätzen wissen und die Kur als Urlaub für die Gesundheit wahrnehmen“, sagt Almut Boller, Geschäftsführerin des Hessischen Heilbäderverbands. Die Gesundheitsangebote in Verbindung mit besonderen Erlebnissen – vom Barfußpfad bis hin zu hochkarätigen Konzerten – seien vielfältig und würden inspirieren.

Bildungsstätten von Verdi und „bsj“ an der Spitze

Auch Gladenbach legte deutlich zu – allerdings nicht aus den Gründen, die der Heilbäderverband für das Gästeplus anführt. 43.553 Übernachtungen verzeichneten die sieben Betriebe. Das sind 13,92 Prozent mehr als noch 2015. In die Statistik flossen aber drei Hotels, zwei ­Hotels garni, ein Gasthof, eine Pension, ein Ferienhaus, ein Schulungszentrum und ein Freizeitzentrum ein. Insgesamt 17.064 Besucher zählten die Gladenbacher Betriebe im vergangenen Jahr, gut 2500 mehr als noch 2015. Sie blieben im Schnitt knapp drei Tage im Stadtgebiet. Im Vergleich zum Jahr 2010 stiegen die Übernachtungen in Gladenbach um fast 9500.

Der Zuwachs sei aber nicht den Gesundheitsangeboten im Noch-Kneippheilbad geschuldet, stellt auch Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) fest. Denn für das traditionelle Kurwesen ist der Zug in Gladenbach längst abgefahren. Kurhäuser oder Kliniken gibt es hier nicht mehr. Die mit Abstand meisten Gäste verbuchen aktuell das Verdi-Bildungszentrum in der Kernstadt sowie die Freizeit- und Bildungsstätte des Marburger Vereins „bsj“ in Weidenhausen. Die Hotels meldeten insgesamt „nur“ 5314 Übernachtungen.

„Wir freuen uns natürlich über jeden Übernachtungsgast“, sagt Kremer. Denn jeder Tourist oder Seminarteilnehmer lasse Geld in der Stadt, sei es beim Einkaufen oder auch beim Besuch im Freizeitbad „Nautilust“.

Mitgliedschaft im Verband läuft noch etwa ein Jahr

Aus Kostengründen verzichtet Gladenbach künftig auf die Titel „Kneippheilbad“ und „Luftkurort“. Diese Prädikate waren zuletzt im Jahr 1991 beziehungsweise 2000 bestätigt worden. Für eine erneute Überprüfung hätte die Kommune rund 20.000 Euro aufbringen müssen. Zu viel, meinte das Gladenbacher Parlament im Oktober 2016. Daraufhin kündigte die Stadt auch ihre Mitgliedschaft im Hessischen Heilbäderverband. Diese­ greift allerdings aufgrund der langen Kündigungsfrist erst im Jahr 2018. Der Stadtteil Weidenhausen soll aber den Titel „Erholungsort“ behalten.

Ein Gesundheitsstandort bleibt dagegen weiterhin Bad Endbach. Unter dem Motto „Ruhig mehr leben“ wirbt das Kneippheilbad für sich. Der Schwerpunkt liegt auf Kuren und Behandlungen in modernen Therapieeinrichtungen, entspannten Wandertouren, Wohlfühlangeboten in der Therme sowie auch auf dem Radtourismus.

66.382 Übernachtungen verzeichnete die Gemeinde im vergangenen Jahr – knapp 2700 mehr als 2015. Auch das ist ein Höchstwert seit 2010. Die Aufenthaltsdauer der ­Besucher liegt in Bad Endbach deutlich über dem Landesdurchschnitt, sie beträgt hier 5,25 Tage. Das ist den beiden großen Kliniken in der Gemeinde geschuldet – dem Rheumazentrum Mittelhessen und der Hessischen Berglandklinik.

Die Gästebilanz des Hessischen Heilbäderverbandes beruht auf den Daten des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden. Gezählt werden alle Übernachtungen in Betrieben ­(Hotels, Pensionen, Ferienhäuser, Vorsorge- und Reha-Kliniken, Schulungs- und Freizeitzentren) mit mehr als neun Betten sowie die Übernachtungen auf Campingplätzen. Für die Statistik werden keine kleinen Betriebe (Privatzimmer, Ferienwohnungen) erfasst. Der Vermieter ist dazu verpflichtet, die Daten zu erheben und weiterzugeben.

von Michael Tietz

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