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Tuningtest vor dem Amtsgericht

Gladenbach Tuningtest vor dem Amtsgericht

Die Anklage lautet auf Fahren ohne Fahrerlaubnis, dennoch begibt sich ein Mann aus dem Ostkreis auf dem Corpus Delicti zur Verhandlung nach Biedenkopf.

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Für Cross-Rennen abseits öffentlicher Straßen dürfen Mofas
getunt sein. Wer allerdings sein Mofa „frisiert“ und sich damit
in den Straßenverkehr begibt, macht sich strafbar.
Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Gladenbach. Die Anklage lautet auf Fahren ohne Fahrerlaubnis, dennoch begibt sich ein Mann aus dem Ostkreis auf dem Corpus Delicti zur Verhandlung nach Biedenkopf.

von Gianfranco Fain

Biedenkopf. Gerichtsverhandlungen können auch anders als spröde und trocken verlaufen, davon konnte sich am Dienstagvormittag eine Schulklasse überzeugen. Erst bekamen die Schüler das Ende eines interessanten Betrugsfalles mit, bei dem es am vorherigen Verhandlungstag zu einer überraschenden Hausdurchsuchung gekommen war, dann erhielten sie noch Anschauungsunterricht in einem Thema, das ihre Altersklasse anspricht: Fahren ohne Führerschein beziehungsweise das Manipulieren von Mofas, um die zulässige Geschwindigkeit zu übertreffen.

Erneute Tat während laufender Bewährung

Angeklagt war ein mehrfach vorbestrafter Mann Ende 20, dem Oberamtsanwalt Reinhard Hormel vorwarf, mit einem frisierten Mofa im Straßenverkehr unterwegs gewesen zu sein. Und das, obwohl der Mann unter drei laufenden Bewährungen stand. Die Freiheitsstrafen summieren sich auf elf Monate, verhängt wegen Fahrens ohne Führerschein.

Der Angeklagte gab die erneute Tat auch zu, berichtete aber, dass er das Mofa benötige, um von seinem Wohnort im Ostkreis zu seiner Ausbildungstelle ins Hinterland zu fahren. Er werde gegen Ende des Jahres Vater, wolle sich bessern und das Mofa fahre jetzt auch nur noch 25 bis 30 Kilometer in der Stunde (km/h), beteuerte er.

Mit dieser Angabe solle ihm ein Märchen aufgetischt werden, vermutete Hormel und erkundigte sich, wie der Angeklagte nach Biedenkopf gekommen sei. Mit dem Mofa, lautete die Antwort, was Hormel die Möglichkeit gab, das Gefährt unter die Lupe zu nehmen.

Mit der Schulklasse im Schlepptau ging es nach draußen, wo die Maschine vor dem Amtsgericht stand. An Details wie dem Sportauspuff war laut Hormel sofort zu erkennen, dass das Mofa vermutlich „bis zum Anschlag frisiert“ war.

Mofa ist deutlich mehr als 50 km/h schnell

Der Oberamtsanwalt schwang sich selbst auf die Maschine und machte eine Probefahrt auf der Hainstraße. Nachdem er schon auf Höhe der Turnhalle „deutlich mehr als 50 km/h“ erreicht hatte, wurde das Gefährt sofort beschlagnahmt. Herbeigerufene Polizisten transportierten das Mofa ab – einer fuhr die Maschine, der zweite im Streifenwagen hinterher.

Die Fahrleistung des frisierten Mofas wird nun in Gießen auf einem Prüfstand ermittelt. Bis das Ergebnis vorliegt, ist die Verhandlung vertagt.

Wer auf so einem veränderten Gefährt im Straßenverkehr erwischt wird, fährt nicht nur ohne die notwendige Fahrerlaubnis, sondern ist auch ohne Versicherungsschutz unterwegs und kann mit einer Nachberechnung der Kfz-Steuer rechnen, verdeutlichte Hormel den Schülern.

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