Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
Tuningtest durch Staatsanwalt

Aus dem Amtsgericht Tuningtest durch Staatsanwalt

Die Anklage lautet auf Fahren ohne Fahrerlaubnis, dennoch begibt sich ein Mann aus dem Ostkreis auf dem Korpus Delikti zur Verhandlung nach Biedenkopf.

Voriger Artikel
Tuningtest vor dem Amtsgericht
Nächster Artikel
Den eigenen Körper wahrnehmen

Für Cross-Rennen abseits öffentlicher Straßen dürfen Mofas getunt sein. Wer allerdings sein Mofa „frisiert“ und sich damit in den Straßenverkehr begibt, macht sich strafbar.

Quelle: Nadine Weigel

Biedenkopf. Gerichtsverhandlungen können auch anders als spröde und trocken verlaufen, davon konnte sich am Dienstagvormittag eine Schulklasse überzeugen.

Erst bekamen die Schüler das Ende eines interessanten Betrugsfalles ( die OP berichtete) mit, bei dem es am vorherigen Verhandlungstag zu einer überraschenden Hausdurchsuchung kam, dann erhielten sie noch Anschauungsunterricht in einem Thema, das ihre Altersklasse anspricht: Fahren ohne Führerschein beziehungsweise das Manipulieren von Mofas, um die zulässige Geschwindigkeit zu übertreffen.

Angeklagt war ein mehrfach vorbestrafter Mann Ende 20, dem Oberstaatsanwalt Reinhard Hormel vorwarf, mit einem frisierten Mofa im Straßenverkehr unterwegs gewesen zu sein. Das, obwohl der Mann unter drei laufenden Bewährungen stand. Die Freiheitsstrafen summieren sich auf elf Monate, verhängt wegen Fahrens ohne Führerschein.

Der Angeklagte gab die erneute Tat auch zu, berichtete aber, dass er das Mofa benötige, um von seinem Wohnort im Ostkreis zu seiner Ausbildungstelle ins Hinterland zu fahren. Er werde gegen Ende des Jahres Vater, wolle sich bessern und das Mofa fahre jetzt auch nur noch 25 bis 30 Kilometer (km/h) in der Stunde, beteuerte er.

Mofa fährt deutlich schneller als erlaubt

Mit dieser Angabe solle ihm ein Märchen aufgetischt werden, vermutete Hormel, und erkundigte sich, wie der Angeklagte nach Biedenkopf gekommen sei. Mit dem Mofa, lautete die Antwort, was Hormel die Möglichkeit gab, das Gefährt unter die Lupe zu nehmen.

Mit der Schulklasse im Schlepptau ging es nach draußen, wo die Maschine vor dem Amtsgericht stand. An Details wie dem Sportauspuff war laut Hormel sofort zu erkennen, dass das Mofa vermutlich „bis zum Anschlag frisiert war“.
Der Oberstaatsanwalt schwang sich selbst auf die Maschine und machte eine Probefahrt auf der Hainstraße. Nachdem er schon auf Höhe der Turnhalle „deutlich mehr als 50 km/h“ erreicht hatte, wurde das Gefährt sofort beschlagnahmt. Herbeigerufene Polizisten transportierten das Mofa ab – einer fuhr die Maschine, der zweite im Streifenwagen hinterher.

Die Fahrleistung des frisierten Mofas wird nun in Gießen auf einem Prüfstand ermittelt. Bis das Ergebnis vorliegt, ist die Verhandlung vertagt. Wer auf so einem veränderten Gefährt im Straßenverkehr erwischt wird, fährt nicht nur ohne die notwendige Fahrerlaubnis, sondern ist auch ohne Versicherungsschutz unterwegs und kann mit einer Nachberechnung der Kfz-Steuer rechnen, verdeutlichte Hormel den Schülern.

von Gianfranco Fain

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr