Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Trotz Verdachts Holzbetrug gefördert

Amtsgericht Trotz Verdachts Holzbetrug gefördert

Der Haupttäter ist noch nicht gefasst. Für drei Angeklagte eines betrügerischen Holzhandels wurden inzwischen die Verfahren trotz Beihilfeleistungen gegen gemeinnützige Arbeitsauflagen eingestellt.

Voriger Artikel
Globalisierung hält in Lohra Einzug
Nächster Artikel
Tiefbauer müssen nachbessern

Um bezahltes, aber nicht geliefertes Brennholz ging es gestern vor dem Marburger Amtsgericht. Die Verfahren gegen drei Angeklagte wurden gegen Auflagen eingestellt.

Quelle: Archivfoto

Marburg. „Wir haben es hier mit Tätern zu tun, die selbst in hohem Maße Opfer waren“, fasste Staatsanwalt Oliver Rust eine Verhandlung vor dem Marburger Amtsgericht zusammen, in dem es eigentlich um groß angelegten Betrug ging. Die Verfahren gegen eine Frau und zwei Männer wurden vorläufig beziehungsweise endgültig eingestellt.

Ein 41-jähriger Bad Endbacher, sowie eine 34-Jährige und ein 24-Jähriger aus Marburg standen am Dienstag wegen insgesamt 50 Fällen vor dem Amtsgericht. Es ging um den Verkauf von Brennholz, der vom Jahr 2011 bis 2012 von Gladenbach aus erfolgen sollte, bei dem die Kunden die Ware aber trotz Zahlung nicht erhielten. Die Schadenssumme beträgt insgesamt fast 30000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft warf der Frau vor, 15 Mal mit ihrem damaligen Ehemann gehandelt zu haben, wobei das Gewerbe für den Holzhandel auf ihren Namen gemeldet war. Auch habe sie ihr Konto zur Verfügung gestellt.

Nach der Trennung des Paares habe der Mann mit den anderen Angeklagten den gewerbsmäßigen Betrug weitergeführt. Ab da habe der 41-Jährige das Gewerbe angemeldet und sein Konto zur Verfügung gestellt, der Marburger habe die Geschäftsführung übernommen. Den beiden wurde Betrug in 35 Fällen angelastet.

Alle drei Angeklagten gestanden ihre Beteiligung an den Geschäften. Dass es sich um großangelegten Betrug gehandelt habe, davon hätten sie jedoch nichts gewusst, beteuerten sie.

Ehefrau machte Werbung, Gatte sollte liefern

„Ich dachte, es läuft“, so die Frau. Sie habe Werbung geschaltet und Angebote über das Internet gemacht, berichtete sie. Auch die telefonischen Bestellungen habe sie angenommen und an ihren Mann weitergeleitet. Sie habe die Ware gesehen und sei daher ahnungslos gewesen. Allerdings, so räumte sie ein, habe es auch Beschwerden gegeben, sie habe aber immer noch gedacht, ihr Mann werde sich schon um die Angelegenheiten kümmern.

Der 41-Jährige sagte aus, er habe sich nach der Trennung des Ehepaares auf Bitte bereiterklärt, das Gewerbe auf sich anzumelden. Warum, habe er nicht gefragt. Er habe in dem Geschäft nicht gearbeitet, allerdings hätten ihm die Geräte gehört und er habe ab und an bei der Holzbearbeitung geholfen.

Kunden seien dann plötzlich bei ihm zu Hause aufgetaucht und hätten sich beschwert, so der Mann. Sein Verteidiger ergänzte, „mein Mandant verfügt nur über eingeschränkte kognitive Fähigkeiten, er wurde ausgenutzt“. Dazu passe auch, dass er überhaupt nicht gemerkt habe, dass sein Konto genutzt wurde, der Haupttäter habe ohne sein Wissen Zugang darauf gehabt. Er selbst habe von den Betrügereien nicht profitiert.

Zuletzt sagte der 24-Jährige, er sei zwar angestellt gewesen, habe aber nie Geld erhalten. Er ­habe praktisch nur die Bestellungen ausgedruckt, sich weiter nicht gekümmert. Am Telefon habe er ständig Kunden vertrösten müssen, „das war mir zwar peinlich, aber ich habe geglaubt, dass neues Holz kommt“.

Staatsanwalt Rust stellte schließlich den Antrag, alle Verfahren einzustellen, gleichwohl es sich wohl um Beihilfehandlungen handelt. Dem Antrag folgte das Gericht unter Vorsitz von Richter Dominik Best.

Der 24-Jährige habe noch den untergeordnetsten Beitrag geleistet, so Rust, weshalb für ihn die Sache erledigt sein könne. Die Frau und der Bad Endbacher hätten jedoch geholfen, den Betrieb aufzubauen „und gemerkt, dass etwas nicht gut läuft“. Sie müssen binnen vier Monaten 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Dann hätten auch sie keine Strafe mehr zu befürchten.

Der Aufenthaltsort des offensichtlichen Haupttäters ist nicht bekannt. „Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft seiner habhaft werden, wird er sich aber verantworten müssen“, sagte Richter Best abschließend.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr