Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Regen

Navigation:
Traum vom Windpark verweht

Windparkende Traum vom Windpark verweht

Zwei Jahre nach der Gründung beschloss die Generalversammlung der Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach deren Auflösung.

Voriger Artikel
Bademantel-Auftritt erinnert an Udo Jürgens
Nächster Artikel
Innenstadt-Insel wird teurer

Die an der Errichtung eines Windparks im Dreieck Herzhausen – Bellnhausen – Sinkershausen interessierte Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach löst sich auf. Das beschloss die Generalversammlung bei vier Enthaltungen.

Quelle: Benedikt Bernshausen

Herzhausen. Die am 28. Januar 2013 gegründete Genossenschaft hatte insbesondere die Errichtung und den Betrieb eines Windparks mit fünf Anlagen zwischen Herzhausen, Bellnhausen und Sinkershausen als Ziel. Infolge einer ersten Berechnung kamen schon während der Hauptversammlung im Oktober 2014 erhebliche Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projektes auf.

Der beauftragte Vorstand holte weitere Informationen ein und stellte eine zweite, tiefergehende Berechnung an. Diese wurde am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus in Herzhausen vorgestellt - mit gleichlautendem Ergebnis: „Wir empfehlen keine Investition in Windkraft“, betonte Dirk Reuter.

Gutachten: Zu wenig Wind für einen wirtschaftlichen Betrieb

Zuvor stellte das Vorstandmitglied ein umfassendes Zahlenwerk vor. Gutachten vermuten Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 5,8 Metern pro Sekunde (m/s). Wahrscheinlich sei ein Stromertrag aller Anlagen von rund 27,6 Gigawattstunden pro Jahr. Nach der Gegenüberstellung aller prognostizierten Erträge und Aufwendungen könnten mit dem Projekt bei einer Laufzeit der Anlagen von 16 bis 20 Jahren jedoch keine Überschüsse erwirtschaftet werden. Im Gegenteil: Bei 16-jähriger Nutzung und Windgeschwindigkeiten von 5,8 m/s läge das Gesamtdefizit bei rund 4,7 Millionen Euro, erläuterte Reuter.

Grundsätzlich ändere sich die Betrachtung auch nicht, wenn die Windgeschwindigkeiten im Gebiet tatsächlich 6,0 m/s betrage. Dann jedoch reduziere sich das Defizit bei gleicher Laufzeit auf insgesamt rund 650000 Euro.

Kosten für eine Messung im fünfstelligen Bereich

Nur in einem Fall würden voraussichtlich Gewinne erzielt, nämlich bei Windgeschwindigkeiten von mindestens 6,0 m/s und einer Laufzeit der Anlagen von mindestens 20 Jahren - im günstigsten Falle betrage der Überschuss in diesem Szenario rund drei Millionen Euro. Der Haken: „Bei einem derart knappen Kalkulationsmodell könnten wir auf eine Windmessung nicht verzichten“, betonte Dirk Reuter.

Die Kosten einer solchen Messung seien allerdings hoch, lägen im mittleren bis oberen fünfstelligen Bereich. Bloß glaube der Vorstand weder an sechs Meter Wind im Baugebiet, noch an eine Laufzeit der Anlagen von 20 Jahren.

Doch die Genossenschaft war nicht ausschließlich auf Windkraft fokussiert. Laut Satzung geht es generell um „die Planung, Finanzierung, Errichtung, den Betrieb und die Unterhaltung von Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien“ sowie um den Vertrieb von Wärme und Strom und ebenso um Aktivitäten in der Elektromobilität oder Energieeinsparung. Jedoch seien alle anderen Projekte von untergeordneter Bedeutung, weil für deren Finanzierung die Erträge aus der Windkraft letztlich unerlässlich seien, erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim Weigand.

Anderen Investoren reiche der Wind

Zu keiner Zeit sei übrigens ein Investorenmodell für den Windpark denkbar gewesen, unterstrich Vorsitzender Gernot Wege: „Wir wollten das Projekt selbstbestimmt verwirklichen, das Heft des Handelns jederzeit in der Hand behalten!“

Joachim Ciliox brachte als Alternative die Beteiligung der Energiegenossenschaft am geplanten Windpark der Gemeinde Dautphetal auf dem Weißenberg ins Gespräch. Reuter erwiderte, dass jeder Genosse seinen Anteil in die neue Genossenschaft reinvestieren könne. Aber die Energiegenossenschaft zwischen die Genossen und eine potenzielle Weißenberg-Beteiligung zu schalten, sei nicht sinnvoll. Denn: Im Laufe der Zeit würden wohl ­allein die jährlichen Fixkosten den Finanzstock der Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach aufzehren. „Wir sollten also keine Hülle erhalten, die nicht lebensfähig ist“, betonten Reuter und Weigand einmütig. Gernot Wege ergänzt: „Eine Bruchlandung wollen wir in jedem Fall vermeiden!“

Und so folgten die Genossen dem Beschlussvorschlag für die Auflösung der Genossenschaft. Unwahrscheinlich ist, ob damit das Kapitel Windkraft in der „Vorrangzone 3123“ zwischen Herzhausen, Bellnhausen und Sinkershausen geschlossen ist. Investoren waren schon vor Ort, wollen auch bei 5,8 m/s bauen. Gernot Wege zuckt mit den Achseln: „Wie das funktioniert? Keine Ahnung!“

von Benedikt Bernshausen

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr