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Torsten Jungholt macht Kinder stark

Selbstverteidigung Torsten Jungholt macht Kinder stark

Kampfsportler Torsten Jungholt bietet nach den Sommerferien das 15. Jahr in Folge einen Selbstverteidigungskurs für Schüler der Hinterlandschule in Breidenbach an.

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Torsten Jungholt spielt den Angreifer und kassiert Schläge.

Quelle: Björn-Uwe Klein

Breidenbach. In einer Reihe kniend haben sich die AG-Teilnehmer auf den Judo-Matten platziert. Ein Ritual, das zum Trainingsbeginn im Selbstverteidigungskurs an der Hinterlandschule Woche für Woche wiederholt wird. Trainer Torsten Jungholt tritt vor die Schüler und fragt wie üblich, ob es etwas Neues gibt - besondere Situationen etwa, die jemand erlebt hat. Doch offensichtlich hat niemand etwas zu berichten - außer der Schülerin Marie: „Ich bin neun geworden.“

Gespräche sind ein fester Bestandteil des Selbstverteidigungstrainings, denn dieses ist nicht nur auf den Erwerb von Abwehrtechniken angelegt, sondern ebenso auf Persönlichkeitsbildung.

„Jeden Kampf, den man nicht führt, hat man gewonnen“, verdeutlicht Torsten Jungholt immer wieder. Schon seit 2001 leitet er am Standort Breidenbach der Hinterlandschule (ehemals Mittelpunktschule Perftal) eine Selbstverteidigungs-AG für Schüler aus den Klassen 2 bis 4. In diesem Halbjahr zählt sein Kurs 13 Teilnehmer - zehn Jungen und drei Mädchen.

Kampfschrei soll den Gegner erschrecken

Nach der Begrüßung üben die Schüler jeweils zu zweit die Verteidigung auf dem Boden. Nach einigen Minuten verlassen sie die Matten und bilden erneut eine Reihe - diesmal stehend. Torsten Jungholt schreitet die Reihe ab und spielt den Angreifer. Er streckt den Schülern seine durch dicke Kampfhandschuhe gepolsterten Hände entgegen und animiert sie durch Blicke und Gesten, zu schlagen.

Die Schüler kommen der Aufforderung nach - die einen mehr, die anderen weniger eifrig. Und stets ertönt aus den Kehlen der Schüler der Kampfschrei „Kiai“, während Jungholt beim Abschreiten der Reihe bis Zehn zählt. Der Trainer will wissen, was es mit dem Kampfschrei auf sich hat.

„Dann kriegt der Gegner Angst“, lautet die Antwort eines Schülers. Doch nicht nur das: Durch den Schrei, so erklärt Jungholt, entfalte sich eine besondere Schlagwucht.

Wie hilfreich das Stimmorgan bei der Selbstverteidigung sein kann, demonstriert Jungholt anschließend bei einer weiteren Übung. Diesmal kommt es darauf an, Hand und Unterarm dem Griff des Gegners zu entziehen. Jungholt, diesmal in der Rolle des Verteidigers, lässt der Reihe nach mehrere Schüler seinen Unterarm fassen und zeigt zunächst, wie durch eine Handdrehung („zur Not mit der zweiten Hand nachhelfen“) eine Befreiung gelingen kann.

Dann verblüfft er die Trainingsgruppe mit einer anderen Methode: einem lauten, plötzlichen Schrei.

Der Schüler, der Jungholts Unterarm gerade noch fest im Griff hatte, lässt erschrocken von ihm ab. Das Überraschungsmoment ist geglückt. Ganz ohne weiteren Körperkontakt hat sich der Angegriffene befreit. Die Schüler, die eher mit einer geschickten Abwehrbewegung ihres Trainers gerechnet hatten, sind merklich beeindruckt. Und der Trainer bemerkt schmunzelnd: „Ich hab doch gar nichts gemacht.“

Blinde Kuh mal anders

Der nächste Programmpunkt an diesem Tag heißt „Blinde Kuh“: Selbstverteidigung mit verbundenen Augen. Jeder ist mal dran und muss sich mit verbundenen Augen gegen Angriffe von hinten und vorn behaupten. Jungholt zeigt, wie es geht: wie die Hand des Gegners zu fassen ist, welche Oberkörperbewegung die richtige ist, wie man den Schwung dieser Bewegung nutzt und was man vermeiden sollte: dem Gegner durch falsche (Oberkörper-)Bewegungen ein erneutes Angriffsziel zu bieten.

Am Ende der 90-minütigen Trainingseinheit steht ein besonderer Punkt auf dem Programm: Die Schüler erhalten ihre Urkunden - die Bestätigung, dass sie über ein Schulhalbjahr (mit Erfolg) an der AG teilgenommen haben. Für so manchen Kursteilnehmer ein Augenblick des Stolzes. Und Torsten Jungholt erhält zum Abschluss ein Lob: „Du bist cool“, findet der elfjährige Finn.

„Es macht mir Riesenspaß zu sehen, wie es den Kindern gefällt“, sagt Torsten Jungholt nach dem Training im Gespräch mit der OP. „Kinder stark machen“, darum gehe es.

Torsten Jungholt, ehemaliges Mitglied der Anti-Terrorgruppe GSG 9, absolvierte von 1984 bis 1985 eine einjährige Trainerausbildung im Kung-Fu-Center Mönchengladbach.

Seitdem leitete er zahlreiche Fortbildungslehrgänge im In- und Ausland - unter anderem bei der Königlichen Kadettenakademie Brüssel, im Polizeisport und dem Verein „Black Eagle Bundesgrenzschutz Bonn“. Im Januar gab der 57-Jährige in Side/Türkei einen einwöchigen Selbstverteidigungskurs für Frauen. Sein AG-Angebot an der Hinterlandschule kam 2001 über einen Kontakt zum damaligen MPS-Schulleiter Burkhard Schuldt zustande.

Kampfsport-Training erfordert viel Disziplin

Dass sich auch „schwarze Schafe“ für Kampfsport interessieren, denen es nicht um Selbstverteidigung oder einen fairen sportlichen Wettkampf geht, hat Jungholt zwar immer wieder erlebt - allerdings blieben solche Personen erfahrungsgemäß nicht lange dabei. Das Training erfordere nun mal viel Disziplin, es ziele auf die Förderung der Persönlichkeit - und eben nicht auf bloßes Zuschlagen.

Torsten Jungholt wohnt in Niederdieten und ist seit 23 Jahren als Finanzberater tätig.

von Björn-Uwe Klein

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