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Tötungswerkzeuge: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Galgen im Garten Tötungswerkzeuge: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Aus Sorge um das Wohlbefinden von Flüchtlingen im Nachbarhaus verbarg ein Bauzaun samt Plane Miniaturen eines Galgens, einer Guillotine, eines Streithammers und eines Henkersklotz samt Beil.

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Andere Leute haben Zwerge im Vorgarten stehen, Christoph Schiefelbusch stellt dort unter anderem in Miniatur ein Beil auf einem Henkersklotz, einen Streithammer, einen Galgen und eine Guillotine auf.

Quelle: Gianfranco Fain

Gladenbach. Mehr als zwei Jahre lang störte sich offensichtlich niemand an den Dingen, die Christoph Schiefelbusch im Vorgarten des Hauses Nummer 74 in der Bahnhofstraße zur Schau stellt. Diese „originelle Dekoration“, wie sie Schiefelbusch bezeichnet.

Weil sich aber in der Nachbarschaft etwas verändert, stellten Mitarbeiter des Gladenbacher Bauhofes am Montagmorgen einen Bauzaun vor der Grundstücksmauer auf und verhängten ihn mit einer schlammfarbenen Plane. Der Grund für dieses Handeln sind nicht die zwei Hasen aus Stein, sondern die dort aufgestellten Miniaturen von Hinrichtungswerkzeugen: einen Galgen, eine Guillotine, ein überdimensionierter Streithammer und ein Henkersklotz samt großem, blutigen Beil.

Schiefelbusch wandte sich am Dienstag mit einer Mängelanzeige an die Stadtverwaltung: „In der Nacht zum 27. Juli 2015 haben Unbekannte über die gesamte Breite meines Hauses einen Bauzaun mit davorgehängter Plane aufgestellt. Ich bitte die Stadt, diesen Zaun umgehend entfernen zu lassen. Ich werde auch die Polizei informieren, da ich befürchte, dieser Zaun könnte als Tarnung für einen geplanten Einbruch dienen.“

Andere Leute haben Zwerge im Vorgarten stehen, Christoph Schiefelbusch stellt dort unter anderem in Miniatur ein Beil auf einem Henkersklotz, einen Streithammer, einen Galgen und eine Guillotine auf. Das Bauamt stellte in der Bahnhofstraße 74 ein Zaun vor den Garten, um die Sicht auf die Miniaturen zu versperren.

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Statt der Entfernung des Zauns folgte eine Erweiterung. Zur Mittagszeit beobachtete Schiefelbuschs Ehefrau, wie Bauhofmitarbeiter einen weiteren Zaun aufstellten. Dieser trennte die Eingänge beider Häuser. Von den Fenstern des Nachbarhauses war die Sicht auf die Miniaturen aber immer noch frei. Die Stadt ließ am Mittwochmittag den Blickschutz zwar abbauen, doch da war die Zaun-Posse schon Stadtgespräch.

„Wir hätten das gern normal geregelt“, erklärt der parteilose Bürgermeister Peter Kremer. Er wurde aktiv, als ihn ein Pfarrer auf die Schreckensgebilde ansprach, die neben dem Haus zu sehen sind, in dem die Stadt bis zu 80 Flüchtlinge unterbringt. „Die Absicht war, die eventuell traumatisierten Menschen zu schützen“, erklärt Kremer.

Doch mehrere Gespräche hätten nicht gefruchtet, Schiefelbusch habe sich auf die „künstlerische Freiheit“ berufen. Was also tun? Der Leiter des Ordnungsamtes bekam den Auftrag, sich schlau zu machen und erhielt vom Hessischen Städte- und Gemeindebund den Tipp, einen Sichtschutzzaun aufstellen zu lassen.

Karl-Christian Schelzke, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, erklärt, dass die Empfehlung vor dem Hintergrund der möglichen Störung der Öffentlichen Ordnung oder gar der Sicherheit gegeben wurde. Die Stadt habe zu entscheiden, eine Abbruchverfügung zu erlassen, gegen die geklagt werden kann, oder ein milderes Mittel wie den Bauzaun zu wählen, was womöglich auch das Ergebnis eines Rechtsstreits wäre.

„Vielleicht finden wir auch noch eine andere Lösung“, sagte Kremer dazu. Mittlerweile hat sich Edmund Zimmermann von der Flüchtlingshilfe eingeschaltet, will sich mit Schiefelbusch treffen. Der Gladenbacher fühlt sich von der Stadt drangsaliert und schikaniert, hofft aber mit Zimmermann eine Lösung zu finden. „Ich bin kein zänkischer Typ“, sagt der 45-Jährige.

von Gianfranco Fain

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