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Todesdrohung wegen 150 Euro nicht nachgewiesen

Aus dem Amtsgericht Todesdrohung wegen 150 Euro nicht nachgewiesen

Weil er einen Schuldner angeblich mit dem Tode bedrohte, um sein Geld zurückzubekommen, musste sich ein 
Hinterländer vor 
Gericht verantworten.

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Beweise für eine räuberische Erpressung durch einen 46-jährigen Hinterländer konnte das Gericht nicht feststellen.

Quelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Marburg. Erst der Vater, dann der Sohn: Undurchsichtig gestaltete sich die Verhandlung gegen einen 46-jährigen Hinterländer, dem eine klare Drohung nicht nachzuweisen war. Er wurde freigesprochen.

Der Vorwurf lautete auf 
versuchte räuberische Erpressung. Im Oktober 2013 soll der Beschuldigte in einer Unterkunft für Flüchtlinge im Hinterland einen Bekannten verbal angegangen und Schulden von 150 Euro vom Opfer zurückverlangt haben.

Da der Schuldner nicht bereit war zu zahlen, soll der Angeklagte gedroht haben, ihm „den Kopf abzuschneiden“, seine Ehefrau zur Prostitution 
zu zwingen und ihm „Leute auf den Hals zu hetzen, die dich fertigmachen“, so die Anklage. Und weiter: „Wenn du die Polizei rufst, bist du heute tot“. Dies drohte er angeblich am Telefon.

Kurze Zeit später tauchte er mit weiteren Männern vor dem Haus des Opfers auf, forderte angeblich erneut sein Geld ein. Der verängstigte Hausbewohner rief die Polizei, die Männer verschwanden allesamt. Vor dem Amtsgericht stellte der mutmaßliche Erpresser die Situation völlig anders dar, stritt die Vorwürfe ab: Nicht er, sondern sein Sohn habe dem Geschädigten Geld geliehen und mit ihm Monate später über 
eine Rückzahlung verhandelt.

Vor dem Haus des Bekannten sei es lediglich zu einem „kleinen Streit“ gekommen, beteuerte der Angeklagte. Um zu verhindern, dass sein Junior etwas Dummes anstellte, habe er ihn mit dem Wagen abgeholt, „damit es keinen Ärger gibt“. Die 150 Euro zahlte er aus der eigenen Tasche, um den Frieden zu bewahren.

Mutmaßlich Geschädigter nicht aufzufinden

Der angeblich erpresste Schuldner zeigte trotzdem erst den Sohn, schließlich den Vater an. Auch der Sohn beschrieb die Sache anders. Nicht er habe die Drohung ausgesprochen, vielmehr habe der Bekannte ihn beschimpft und versprochen „den Kopf abzuhacken“.

Es sei nicht die erste Konfrontation zwischen den Männern gewesen, zuvor habe der Bekannte versucht, „Stress zu machen“, wurde in einem Bus handgreiflich. „Der kann mich nicht leiden“, erklärte der Sohn die angebliche Lügengeschichte des Anderen.

Der mutmaßlich Geschädigte 
konnte dazu vor Gericht keine 
Stellung nehmen. Sein Asylantrag ist abgelehnt, wahrscheinlich wurde er ausgewiesen, seinen Aufenthaltsort konnte das Gericht nicht heraus­finden, teilte der Vorsitzende Richter Thomas Rohner mit.

Weitere Zeugen konnten nichts weiter zu der äußerst schwachen Beweislage beitragen. Der undurchsichtige Fall veranlasste selbst den Anklagevertreter auf einen Freispruch zu plädieren: Auch wenn unter den Beteiligten offensichtlich „offene Rechnungen“ bestehen – es gebe nichts, „auf das sich eine Verurteilung stützten lässt“, befand Staatsanwalt 
Sebastian Brieden. Dem schlossen sich Verteidigung und das Schöffengericht an. „Es gab eine Rückforderung von Geld, ob mit oder ohne Drohung lässt sich nicht mehr nachweisen“, schloss Rohner.

von Ina Tannert

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