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Tochter sagt gegen Vater aus

Missbrauchsprozess Tochter sagt gegen Vater aus

Nach der Befragung der Nebenklägerin durch die Verteidiger des Angeklagten im Missbrauchsprozess zweifeln diese deren Glaubwürdigkeit an und halten offensichtlich ein psychiatrisches Gutachten für erforderlich.

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Vor dem Marburger Landgericht läuft eine Verhandlung wegen des Vorwurfs eines schweren sexuellen Missbrauchs an einem Kind.

Quelle: Gianfranco Fain

Marburg. Die Verhandlung gegen einen 56-Jährigen aus dem Südkreis, den seine heute 23-jährige Tochter wegen sexuellen Missbrauchs vor 11 Jahren im Badezimmer angezeigt hat (die OP berichtete), ging am Mittwoch mit der Befragung der als Nebenklägerin auftretenden Tochter durch die Verteidiger des Angeklagten weiter.

Zum Schluss des Verhandlungstages erklärte der Pflichtverteidiger, dass die Zeugin am Ende eines suggestiven Prozesses wohl selbst glauben könne, was an sie - in Gesprächen und therapeutischen Sitzungen - herangetragen worden sei. Zumal diese Erinnerungen über eine Handlung, die sich vor 10 Jahren ereignet haben soll, sich nun verfestigt hätten, während sich die Nebenklägerin an aktuellere Dinge nicht einwandfrei erinnern könne.

Verteidiger: Erinnerung lässt üblicherweise nach

Wissenschaftlich erwiesen sei jedoch, dass die Erinnerung mit der Zeit immer stärker nachlasse. Als „höchst problematisch“ bezeichnete zudem der zweite Verteidiger die von der Nebenklägerin zuvor geschilderten Träume mit sexuellen Handlungen des angeklagten Vaters an ihr.

Nachdem der Vorsitzende Richter Thomas Wolf dazu gesagt hatte, dass die Kammer „die Probleme sehr wohl wahrgenommen hat“, erklärte der zweite Verteidiger, dass sehr viele Merkmale zusammengekommen seien, zu deren Bewertung er nicht die Fachkenntnis habe, und regte ein psychologisches Gutachten an.

Das ließen die Vertreter der zwei Nebenklägerinnen nicht unkommentiert. Thomas Strecker erklärte hinsichtlich des Erinnerungsvermögens, dass der Verteidiger zwar völlig Recht habe, wenn es um einen Verkehrsunfall ginge, aber es sei bekannt und beschrieben, dass die Verdrängung von Ereignissen bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle spiele.

Kinder könnten Ereignisse lange Zeit verdrängen, die dann später zutage treten, ergänzte Rechtsanwältin Elke Edelmann. Gerade deshalb seien die Verjährungsfristen bei Sexualdelikten verlängert worden, damit sich Kinder nach dem Lösen aus der Familie offenbaren können, fügte die Nebenklagevertreterin der 23-Jährigen an.

Zuvor hatte sie sich gegen die „permanent grundlosen Angriffe gegen meine Person“ durch die Verteidiger gewandt, die das Ziel hätten, das Vertrauen ihrer Mandantin in sie zu erschüttern.

Während der Befragung der Nebenklägerin als Zeugin hatte diese ihre Anwältin von der Schweigepflicht entbunden, woraufhin diese als Zeugin den Saal verlassen sollte. Diesen Antrag der Verteidiger lehnte die Kammer ab.

Zeugin: Jeder soll hören können, was passiert ist

Auch die Rolle der Anwältin hinsichtlich des Meinungswechsels bei der vor dem dritten Verhandlungstag bekundeten Zeugnisverweigerung (die OP berichtete) hinterfragten die Verteidiger. Dazu sagte die 23-Jährige, sie habe nach einem Anruf der Anwältin am Dienstag beschlossen, diesen Weg weiterzugehen, um durch das Öffentlichmachen weitere mögliche Taten im familiären Umfeld zu verhindern.

Außerdem könne jeder ruhig mitbekommen, was passiert sei, denn sie stehe als Opfer schlecht da. Auf die Verteidigerfrage, ob sie wolle, dass ihr Vater ins Gefängnis komme, sagte die 23-Jährige: „Das habe ich nicht zu entscheiden.“

Weiterhin antwortete sie, dass, auch wenn sie zu viert waren, es keinen Sinn gemacht hätte, den Vater darauf anzusprechen, damit er damit aufhöre - er hätte sich nicht von ihnen einschüchtern lassen. Über Details habe sie bis zur Anzeige mit niemandem gesprochen, wollte diese auch nicht von ihrem Bruder, der auch betroffen sein soll, hören, wie er auch nicht von ihr.

Schweigepflicht der Therapeutin bleibt

Auch die anderen beiden mutmaßlich Betroffenen hätten sich nicht genau geäußert. Geschwiegen habe sie so lange, weil sie es nicht wagte, sich gegen ihren Vater zu stellen, und die Erinnerung verdrängt habe.

Zwar habe sie sich schon nach der Situation im Bad gefragt, ob das zu einem Vater-Tochter-Verhältnis gehöre; aber erst später habe sie von einer Schul­kameradin und auch während ihrer Ausbildung mitbekommen, dass es zu Missbräuchen von Kindern komme.

Sie habe die Aufarbeitung der verstärkt aufkommenden Erinnerungen zuerst alleine schaffen wollen, habe dann aber auf Ratschläge aus ihrem privaten Umfeld eine psychotherapeutische Therapie begonnen. Die Frage der Verteidiger, ob sie die Therapeutin von ihrer Schweigepflicht entbinden würde, verneinte die Nebenklägerin: „Das ist das einzig Private, was ich noch habe.“

  • Die Verhandlung wird am Dienstag, 7. April, in Raum 104 des Landgerichts fortgesetzt.

von Gianfranco Fain

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Den Angaben des mutmaßlichen Opfers zufolge soll es durch den angeklagten Vater zu ähnlichen, nicht näher beschriebenen Taten an anderen Personen gekommen sein.

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Der zweite Verhandlungstag war nach weiteren Anträgen der Verteidigung mittags schon beendet. Nächsten Dienstag geht es weiter, wenn der „Hauptverteidiger“ wieder dabei sein kann.

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