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Tänzer schweben übers Parkett

OP besuchte Training der TSG Marburg Tänzer schweben übers Parkett

Tanzsportler haben Spaß an Figuren und Haltung. Damit das Tanzen auf dem Parkett geschmeidig wirkt, wird viel trainiert. Die OP besuchte vor der Gladenbacher Tanzgala eine Trainingseinheit der TSG Marburg.

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Zwei Generationen auf dem Parkett: 
Dr. Carola und Dr. Ulf Seifart haben ihre Tochter Flûte – hier mit Tanzpartner Fabian Nowak – für den Turniertanzsport begeistert.

Quelle: Silke Pfeifer-Sternke

Gladenbach. Tanzen ist pure Lebensfreude und übt seit jeher eine besondere Faszination aus. Doch längst ist Tanzen nicht mehr nur ein gesellschaftlicher Zeitvertreib.

Es ist zum Spitzensport avanciert, seine Anfänge reichen zurück ins Jahr 1912. Im ersten deutschen Tanzturnier traten 80 Paare im Berliner Admiralspalast gegeneinander an. Was damals begeisterte, wirkt noch heute nach. Turniertänzer sind infiziert mit einem Virus, der sie viel Schweiß kostet, der aber eine Menge Schwung in ihr Leben bringt.

Bei der TSG Marburg trainieren 28 Paare regelmäßig, um sich mit anderen Tanzsportlern zu messen, so wie das Ehepaar Dr. Carola und Dr. Ulf Seifart. Es wird sich am Samstag, 5. November, während der Tanzgala auf dem Parkett im Gladenbacher Haus des Gastes der bundesweiten Konkurrenz stellen. Seifarts fingen ganz klein an: mit einem Kurs in einer Tanzschule. Damit legten sie den Grundstein für ihre rasante Tanzsportkarriere. Sie haben in diesem Jahr bislang 14 Turniere getanzt, davon 13 Mal Platz 1 bis 3 erreicht.

Bei den großen Turnieren, dem „Blauen Band der Spree“ in Berlin, der „danceComp“ in Wuppertal und den „Mainhattan Dance Days“ in Frankfurt ertanzten sie in der Seniorenklasse II B Standard jeweils die Silbermedaille. Am Sonntag, 30. Oktober, nehmen sie an der Landesmeisterschaft in Rödermark teil und wollen den Aufstieg in die A-Klasse schaffen. Das Turnier in Gladenbach wäre somit ihr erstes Turnier in dieser Klasse.

In der Familie Seifart hat sich auch die 14-jährige Tochter Flûte mit dem Tanzvirus infiziert. Zunächst waren es nur die Tanzkleider der Sportlerinnen, die Flûte magisch anzogen. Später kamen noch die grazile Haltung und das formvollendete Schweben übers Parkett hinzu. Heute trainiert Flûte mit TSG-Sportwart Fabian Nowak, der mit ihrem Tempo Schritt halten muss.

Das Tanzpaar wurde in diesem Jahr Hessenmeister in der Hauptgruppe D Standard und haben bei der „danceComp“ in Wuppertal in der Hauptgruppe D Standard gewonnen und stiegen in die C-Klasse auf. Bei ihrem ersten Turnier in der
 C-Klasse, den „Mainhattan Dance Days“ in Frankfurt, gewann das Tanzpaar die Silbermedaille.
Standardtänze verlangen vor allem eines ab: Disziplin.

„Die Schrittfolgen sind kompliziert und schwierig, aber auf der Tanzfläche muss alles geschmeidig aussehen“, beschreibt Carola Seifart ihre Begeisterung am Tanzen. Studien belegen, dass körpereigene Substanzen beim Tanzsport – wie bei anderen Sportarten auch – in einen rauschähnlichen Zustand versetzen. Eva Zovko, Pressesprecherin der TSG, kennt dieses besondere Tanzgefühl.

Tanzen schweißt zusammen

„Tanzen ist wie fliegen“, sagt sie. Schon Molière verstand es, dieses Gefühl in Worte zu fassen: „Nichts ist dem Menschen so unentbehrlich wie der Tanz.‘‘
Und aus Erfahrung weiß Zovko: „Tanzen ist die beste Form der Paartherapie“. Man könne sich beim Tanzen so richtig in die Haare kriegen, aber es sei ein tolles Gefühl, wenn eine Figur schließlich gelingt, sagt Zovko.

Nicht nur das Tanzen fasziniert, Zovko schaut auch den Profis mit wachsender Begeisterung zu. Es ist die neidlose Anerkennung der Leistung der anderen, die die Tanzsportler zusammenschweißt. Das sei auch während der Turniere spürbar, sagt Zovko.

„So – bitte“, sagt Trainer Adrian Klisan. Über sein Smartphone steuert er die Musik im „TSG-Hauptquartier“ im Cappeler Bürgerhaus. Aus dem Bluetooth-Lautsprechern ertönt ein Musikstück der 1940er-Jahre, passend zum Slowfox. Die Tanzpaare bewegen sich in bequemer Tanzkleidung elegant über das Parkett. Aus der Masse sticht Flûte hervor, weil sie ihr in ihrem mintfarbenen langen Turnierkleid übers Parkett schwebt.

Zwei Stunden lang achtet Adrian Klisan bei allen Paaren auf Takt, Ausführung und Bewegung. Hin und wieder stoppt er ein Paar und gibt Tipps – vor allem zur korrekten Haltung.

Die Tanzsportler üben akribisch die einzelnen Figuren. „Erst muss man die Basis können, damit man die Schrittfolgen richtig beherrscht“, sagt Zovko. Jeder lerne das Gleiche, aber jeder nimmt etwas anderes aus der Trainingsstunde mit. „Adrian kann sich perfekt auf die einzelnen Tänzer einstellen“, sagt sie und meint damit auch die unterschiedlichen Stärken der Tanzpaare.

Jede Bewegung sitzt – auch beim Nachwuchs

Damit das Tanzen in Perfektion ausgeführt werden kann, müssen die Tanzsportler viel üben, zusammen müssen sie die richtige Dehnungshaltung wieder und wieder ausführen, damit sie bei den Tänzen die volle Dynamik entfalten können. Das bringt die Tanzsportler ins Schwitzen. Kondition ist im Turniersport Voraussetzung. Ein in Turnierlänge getanzter Quickstep entspricht zum Beispiel der konditionellen Leistung eines 400-Meter-Laufs.

Dass der Tanzsport nicht nur Erwachsene fasziniert, stellt die TSG-Gruppe der Kinder- und Jugendlichen unter Beweis, die vor den Erwachsenen mit Adrian Klisan trainiert – die Nachwuchstänzer bewegen sich in der gleichen Konzentration und mit der gleichen Dynamik wie die Erwachsenen, nur in kürzerer Schrittlänge. Jede Bewegung sitzt. Damit das Tanzen seine Ästhetik komplett entfalten kann, „brauchen wir Parkettboden, sonst lässt es sich nicht so schön gleiten“, sagt Zovko.

Am Ende der Trainingsstunde üben die erwachsenen Tanzpaare noch mal alle Standardtänze kurz hintereinander: Langsamen Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox, Foxtrott und einen Quickstep – es ist ein Vorgeschmack auf das, was die Besucher der Gladenbacher Tanzgala erwartet.

Als die Musik stoppt, knallen noch die Sektkorken: Sylvia und Hermann Lemmer feiern ihren Aufstieg in die Seniorenklasse IV S – ein Erfolg, der beide stolz und glücklich macht. Lebensfreude ist die Treibfeder, die sie zu tänzerischer Höchstleistung antreibt.

von Silke Pfeifer-Sternke

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