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Stromkosten: null, Heizkosten: null

Energieversorgung Stromkosten: null, Heizkosten: null

Steigende Energiekosten kennt Hans Günter Heise nur aus den Medien. Der Obereisenhäuser kümmert sich seit vielen Jahren selbst um Strom und Wärme.

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Hans Günther Heise und seine Frau Anneliese vor dem Generator, der ihr Wohnhaus kostengünstig mit elektrischer Energie versorgt.Foto: Benedikt Bernshausen

Obereisenhausen. Der Tisch im Wohnzimmer liegt voller Fotoalben. „Darin hab´ ich alles dokumentiert“, sagt Hans Günter Heise. Er blättert in den Büchern, erinnert sich und erzählt seine außergewöhnliche Geschichte, die Ende der 1950er Jahre beginnt.

Damals bauten Hans Günter und Anneliese Heise ihre Schreinerei und ihr Wohnhaus außerhalb des Dorfes am „Ende der Welt“. Und weil das neue Anwesen auch fernab des Elektrizitätsnetzes lag, wurde der Schreinermeister sogar ausgelacht: Der Betrieb irgendwo im Nirgendwo - kann das funktionieren?

Heute liegt das Familienanwesen mitten in einem Wohngebiet. Auch das Stromnetz ist vollständig ausgebaut. Doch Hans Günter Heise verzichtet auf einen Anschluss. Er erzeugt seine Energie weiter selbst. Und das genauso effektiv, wie schon vor mehr als 50 Jahren.

Heise zieht Fotos aus einem roten Album, die ihn an der Seite von großen Motoren zeigen. Drei Stück stehen in der Schreinerwerkstatt. Der mittelgroße und wichtigste ist ein 40-Kilowatt-Herford-Motor, den er 1978 eingebaut hat.

Daran ist ein Asynchron-Generator angeschlossen, in dem die elektrische Energie entsteht. „Das ist eine ganz einfache Sache“, sagt Heise schmunzelnd und liefert technische Details. Der Motor hat einen Zylinder mit 17 Litern Hubraum und einen besonders großen Wirkungsgrad. Er verbrenne nur 160 Gramm Treibstoff pro PS und Stunde.

In der Regel reicht der damit erzeugte Strom für das Wohnhaus und die beiden Betriebe aus.

Versorgungsengpässe hat Hans Günter Heise bisher nicht gehabt. Einerseits weil er noch zwei weitere Motoren in der Hinterhand hält - unter anderem eine 20-Kilowatt-Anlage für Schwachlastzeiten. Und darüber hinaus seien seine Motoren in der Vergangenheit zuverlässiger gewesen, als das öffentliche Stromnetzwerk. Wenn das ganze Dorf dunkel war, habe nur beim ihm noch Licht gebrannt, erzählt Heise stolz.

Aus Abfallproduktwird ein Brennstoff

Doch das besondere Geheimnis seiner Erfolgsgeschichte ist der Treibstoff. Denn in der 40 KW-Anlage verbrennt der Schreiner Hydrauliköl. Das Öl ist ein Abfallprodukt in der Industrie und seine Entsorgung teuer. Gern geben die Unternehmen das Altöl deshalb an den Steffenberger Tüftler ab: Die Firmen zahlen keine Entsorgungskosten und Heise nichts für seinen Kraftstoff.

Hans Günter Heise hat einen Abgaswärmetauscher in der Werkstatt installiert, in dem die Motorenabgase ihre Wärme an das durchfließende Wasser des Heizungskreislaufes abgeben. Deshalb zahlt die Familie auch für die Heizung „keinen Pfennig“.

Einziger Nachteil der Konstruktion: Weil man den Abgaswärmetauscher nicht abschalten kann, heizt die Anlage auch im Sommer. „Dann ist es manchmal so warm, dass man nicht im Haus bleiben kann“, berichtet Anneliese Heise mit einem Augenzwinkern.

Das Interesse ihres Mannes für Elektrik und Technik weckte noch vor dem TZweiten Weltkrieg André, der französische Arbeiter in der Schreinerei von Heises Vater. Der junge Bursche aus dem Hinterland möchte den geschickten Franzosen, war ihm ständig auf den Fersen und hat sich vieles bei ihm abgeschaut und das Wissen mit seinem Bruder geteilt.

Derzeit arbeitet der 79-jährige Tüftler an seinem nächsten Projekt: „Ich bin dabei einen Holzvergaser zu bauen.“

von Benedikt Bernshausen

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