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Stolz, ein „Bellmann“ zu sein

Traditionspflege Stolz, ein „Bellmann“ zu sein

Am letzten Tag ­dieses Jahres werden die Buchenauer wieder an frühere Zeiten erinnert. Dafür sorgen die „Bellmänner“, die ab dem Morgen durch die Straßen ziehen.

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Immer an Silvester ziehen die vermummten Horden durch die Buchenauer Straßen und erinnern an die armen Bergwerksleute, die früher für Spenden gebettelt haben.

Quelle: Sascha Valentin

Buchenau. Einer von ihnen ist Benjamin Löber, der den alten Brauch bereits seit zehn Jahren pflegt. An Silvester verkleiden sich die Mitglieder der beiden Burschenschaften Damm und Muth, schlüpfen in dreckige Blaumänner, Schürzen und Röcke, Leggins und Strumpfhosen, ziehen sich Masken und Perücken auf und ziehen von Haus zu Haus, um dort um eine Spende zu bitten.

„Damit erinnern wir an die armen Bergwerksleute von früher, die nach ihrer Arbeit auf der Suche nach etwas Essbarem bei den Buchenauern bettelten“, erzählt Löber von den Ursprüngen des Brauchs. Als Dank gaben die Bettelmänner – daher auch der heutige Name – den Spendern einen schwarzen Fleck auf die Wange. Das haben die Burschen bis heute so beibehalten.

Gut 100 von ihnen sind an diesem Tag im Dorf unterwegs, um den jahrhundertealten Brauch jedes Jahr aufs Neue aufleben zu lassen. Die Verkleideten werden dabei von Korbträgern begleitet, die die erhaltenen Spenden verstauen. Dazu gehören außer Geld auch Eier, Wurst, Speck und Brot. Neben der geschwärzte Wange gibt es für die Spender aber auch einen kleinen Schnaps als Dankeschön.

Auch Auswärtige bekommen es mit den „Bellmännern“ zu tun

Auch wenn die vermummten Gestalten mitunter furchteinflößend aussehen, mit Böllern, Raketen und Schreckschusswaffen nicht gerade zu den leisesten Zeitgenossen gehören und zum Spaß auch schon mal kleine Kinder jagen, um ihnen mit schwarzer Schuhcreme durchs Gesicht zu fahren, „finden die Buchenauer diesen alten Brauch toll“, sagt Löber. Er gehöre zu Silvester einfach dazu.

Dabei kommen aber nicht nur die Buchenauer in den Genuss einer „Bellmann-Behandlung“, wie der erfahrene Brauchtumspfleger zugibt.

„An der Hauptstraße machen wir keinen Halt vor Autofahrern“, erklärt er. Die können freilich keine Eier oder Wurst geben – dafür aber sehr wohl einen kleinen Wegezoll, damit sie weiterfahren können.
Gute acht Stunden dauert die Tour der „Bellmänner“ durch den Ort, bevor sie mit ihrer Beute am frühen Abend in ihre Stammkneipen einkehren. Dort werden Eier, Wurst und Speck gebacken und sich so schon einmal auf den Jahreswechsel eingestimmt.

Denn, „Bellmann“ zu sein, hat nicht nur etwas mit Traditionspflege zu tun, sondern auch mit Gemeinschaft, weiß Löber. „Ich bin seit zehn Jahren mit großer Freude dabei und stolz, Teil dieser Gemeinschaft zu sein“, betont er. Buchenau wäre auf jeden Fall um etwas ärmer, wenn dieser Brauch irgendwann einmal sterben würde. Deswegen steht für Benjamin Löber fest: Er wird seinem Sohn davon erzählen, damit er irgendwann einmal ein richtiger „Bellmann“ wird.

von Sascha Valentin

Auch vor Autofahrern machen die „Bellmänner“ keinen Halt. Sie werden gestoppt und es wird 
nach Wegezoll verlangt. Foto: Sascha Valentin
 
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