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Stiftung soll Ansehen der Stadt fördern

Kulturpreis Stiftung soll Ansehen der Stadt fördern

Vor 116 Jahren kam Dr. Berthold Leinweber zur Welt. Anlässlich seines Geburtstages erinnerten Bürgermeister Peter Kremer und der Erste Stadtrat Walter Jakowetz an den großen Gladenbacher.

Gladenbach. Sie stellten gestern auf dem Friedhof eine Schale mit Frühlingsblumen auf sein Grab.

Am Geburtstag des großen Gladenbachers wurde - erstmals seit 1982 - nicht der gleichnamige Kulturpreis verliehen. Bürgermeister Kremer erinnerte noch einmal, warum sich der Stiftungsvorstand dazu entschlossen hat, den Preis künftig alle zwei Jahre zu verleihen.

Leinwebers Dissertation findet große Beachtung

Das Preisgeld, das mit der Auszeichnung verbunden sei, wird aus den Zinserträgen des Stiftungskapitals erwirtschaftet. Wegen der langanhaltenden Niedrigzinsphase habe das Preisgeld nicht mehr der vorgesehenen Würdigung kultureller Leistungen entsprochen. Damit das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro gewährleistet sei, hätten die Angehörigen von Dr. Leinweber den Wunsch geäußert, den Preis alle zwei Jahre zu verleihen.

Bürgermeister erinnerte an Lebensweg und Wirken Dr. Leinwebers.

In Hessisch-Lichtenau kam er zur Welt, er verbrachte seine Schulzeit in Kassel. Bereits im Alter von fünf Jahren begann er zu malen und veranstaltet - siebenjährig - im elterlichen Gartenhaus seine erste „Ausstellung“. Das städtische Leben habe ihn sehr beeindruckt, schreibt Dieter Blume in dem im Hitzeroth-Verlag erschienenen Heimatbuch „Gladenbach und Schloß Blankenstein“. „Bibliothek, Gemäldegalerie und Theater hinterließen nachhaltige Eindrücke“, berichtet Blume.

Angeregt durch das Marionettentheater begann Dr. Leinweber sich auch früh dichterisch zu betätigen. Vornehmlich Verse, aber auch kleine Theaterspiele waren das Ergebnis. Leinweber studierte in Marburg Psychologie und promovierte an der philosophischen Fakultät unter dem Thema „Zur Typologie des dichterischen Schaffens“ (1929). Die Dissertation fand große Beachtung und wurde nachgedruckt. Nach dem Studium arbeitete Dr. Leinweber in der Berufsberatung, im Schulwesen und in der Lehrerausbildung. Unter anderem leitete er eine Mittelschule. 1951 verschlug es ihn nach Gladenbach, wo er an der Freiherr-vom-Stein-Schule eine Anstellung fand. 1959 wurde er dort Konrektor, von 1961 bis 1964 war er Rektor. Die musischen Neigungen wurden in seinem Beruf als Lehrer integriert.

Im Zeichen- und Deutschunterricht, wo er sich vorwiegend mit der Literatur beschäftigte, versuchte Dr. Berthold Leinweber, etwas von seinem künstlerischen Empfinden an die Schüler weiterzugeben. Tage und Stunden dauere es oft, bis er sich entschließe, etwas als reizvoll anzuerkennen, um es zu gestalten und dann sein Bild zu schaffen, berichtete der damals 80-Jährige im Gespräch mit der OP über seine große Leidenschaft, die Malerei.

Nach seiner Pensionierung setzte sich Dr. Leinweber verstärkt für die Förderung des kulturellen Lebens in Gladenbach ein. Er gründete die Sektion Gladenbach des Universitätsbundes in Verbindung mit der Volkshochschule. Im September 1968, zwei Jahre nachdem er im Auftrag der Stadt die Volkshochschule Gladenbach ins Leben gerufen hatte, interviewte ihn die Oberhessische Presse zur Bedeutung der außerschulischen Bildung.

„Wer seine Herrenjahre nicht durch neue Lehr- und Bildungsjahre unterbricht, gerät in ein erbarmungsloses Hintertreffen“, sagte Dr. Leinweber damals und wurde konkreter: „Wer in kommenden Zeiten in unserer immer kleiner werdenden Welt nur eine Sprache beherrscht, der wird bald zu den Analphabeten zählen.“

Unvergessene Lesungen im früheren Stadtcafé

Dieter Blume schreibt: „Die Erinnerung an die vielen gut besuchten Veranstaltungen mit musischen und wissenschaftlichen Darbietungen lebt bis heute fort.“

1970 gründete er den „Bund der Kunstfreunde“, der sich monatlich traf. Unvergessen sind etwa seine Lesungen im früheren Stadtcafé. Er unterstütze die Lebenshilfe. Ihr ließ er unter anderem durch den Verkauf seiner Bilder 5000 Euro zukommen. Dr. Leinweber erhielt eine Ehrenplakette als Freund der Behinderten und den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Er schrieb insgesamt zehn Bücher und malte zahlreiche Bilder, von denen einige in der Dr.-Berthold-Leinweber-Stube im Haus des Gastes zu sehen sind. Anfang der 1980er-Jahre Jahre rief er eine Stiftung ins Leben, mit deren Hilfe Gladenbacher Bürger für ihre besonderen kulturellen Verdienste ausgezeichnet werden sollten.

Bei der Preis-Verleihung erhalten die Preisträger eine Urkunde und einen Geldbetrag, der aus den Zinsen der Stiftung finanziert wird. Nach dem Willen von Dr. Leinweber soll seine Stiftung auf unbegrenzte Zeit „Anerkennung und Ansporn zur Steigerung des Ansehens unserer Stadt und ihrer Stadtteile sein“. Dr. Berthold Leinweber starb am 23. Februar 1990.

von Hartmut Berge

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