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Steter Kampf gegen ausbleibende Wähler

Bürgermeister-Wahl Steter Kampf gegen ausbleibende Wähler

Dieses Jahr gab es im Kreis bereits vier Bürgermeister­wahlen mit nur einem Kandidaten. Die fehlende Auswahl drückt nicht nur die Wahlbeteiligung, 
sondern manchmal, wie in Biedenkopf, auch das 
Ergebnis nach unten.

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Bürgermeister-Direktwahlen im Landkreis: Gibt es einen Kandidaten, erreicht die Wahlbeteiligung immer seltener 40 Prozent.

Quelle: Peter Endig/dpa

Biedenkopf. Längst vorbei sind die Glanzzeiten, als die Wähler kurz nach Einführung der Bürgermeister-Direktwahl in Hessen im Jahr 1992 noch an die Urnen strömten.

Die im Landkreis bei den ersten beiden Einzelwahlen erreichten Spitzenwerte werden wohl kaum noch getoppt werden: Artur Künkel erreichte 1994 in Breidenbach 
eine Zustimmung von 95,9 Prozent, Norbert Mai kam in Angelburg 1998 auf 93,8 Prozent wobei die Wahlbeteiligung von 63,8 Prozent unerreicht ist.

Während die Wahlergebnisse 
dieser Persönlichkeitswahlen 
zwar von individuellen Faktoren abhängig sind, aber tendenziell nach unten sacken und in der Regel um 80 Prozent liegen, ist bei der Wahlbeteiligung im Landkreis ein Trend deutlich erkennbar – abnehmend.

Nur Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt gelang es im März dieses Jahres an der Bestmarke von Peter Hartmann zu kratzen, der im Jahr 2006 noch 55,2 Prozent der Wahlberechtigten Wohratals mobilisierte. Schmidts 53,1 Prozent dürften aber auch der Anbindung des Wahltermins an die Kommunalwahl geschuldet sein.

Das am häufigsten genannte 
Argument für das Fernbleiben von der Abstimmung ist, dass man bei nur einem Kandidaten keine echte Wahl habe. Die meisten Wähler verkennen dabei, dass sie bei einer Ein-Personen-Wahl mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen können. Die Amtsinhaber werben deshalb auch darum, ihre Arbeit bewerten zu lassen – mit einer möglichst großen Anzahl an Ja-Stimmen.

Dass dies auch knapp ausgehen kann, erfuhr am vorigen Sonntag Joachim Thiemig. 
 Gegen den Biedenkopfer Amtsinhaber votierten in 5 der 6 Wahllokale der Kernstadt mehr Bürger gegen als für ihn. Die mehrheitliche Zustimmung in den Stadtteilen hievte den Sozialdemokraten noch auf ein Ergebnis von 59,1 Prozent, allerdings bei einer Wahlbeteiligung von nur 36,5 Prozent, dem viertschlechtesten Wert aller bisherigen Einzelwahlen. Darüber sprach die OP mit dem alten und neuen Biedenkopfer Bürgermeister.

OP: Vor der Wahl war Ihnen 
jedes Ergebnis über 50 Prozent Recht. Wie können Sie mit 59,1 Prozent leben?
Joachim Thiemig: Sehr gut. Ich bin mit mir im Reinen.

OP: Sehen Sie es als Makel an, dass von 10.309 Wahlberechtigten bei einer Beteiligung von 36,5 Prozent nur rund ein Fünftel für Sie stimmte?
Thiemig: Nein. Es ist bei einer Wahl mit nur einem Kandidaten immer schwierig, die zufriedenen Menschen zur Stimmabgabe zu motivieren, während die Unzufriedenen sich mobilisieren und ihren Protest ausdrücken. Unter den Ergebnissen in Hessen ist das kein negativer Ausreißer. Meines lag bei den drei Wahlen des Wochenendes in der Mitte. Ich wünschte mir eine bessere Beteiligung, aber 36,5 Prozent sind unter den gegebenen Umständen ein sehr ordentliches Ergebnis ist.

OP: Worin liegt die Diskrepanz zwischen den Ergebnissen in der Kernstadt und den Stadtteilen begründet?
Thiemig: Es ist nicht gelungen deutlich zu machen, dass ich auch für eine Politik für den größten Stadtteil stehe. Wir haben viel für Biedenkopf getan, aber offenbar waren zum Beispiel die Stärkung der Innenstadt, das Projekt Marktplatz 2 oder die Vermarktung von Gewerbeflächen nicht jedem vermittelbar. Aber: Es waren nur 179 mehr Nein- als Ja-Stimmen, was wiederum mit der niedrigen Wahlbeteiligung zusammenhängt. Viele zufriedene Biedenkopfer blieben zuhause, wer vielleicht auch wegen des Windparks mit „Nein“ stimmen wollte, hat das getan.

OP: Wie wollen Sie den Trend in der Kernstadt ändern?
Thiemig: Ich werde weiterhin eine engagierte Politik für die Biedenkopfer betreiben und die Kernstädter davon überzeugen, dass ich auch viel für sie mache.

von Gianfranco Fain

Die Grafik als PDF ( aktualisiert: 14.09.) können Sie hier herunterladen:
BGM_Einzelkandidaten 1.023,11 kB
 
 
 
 
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