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Sprengungen sorgen für Zündstoff

Steinbruch Sprengungen sorgen für Zündstoff

Der Betrieb des Steinbruchs in Steinperf bleibt ein Ärgernis. Das hat eine Bürgerversammlung deutlich gemacht. Mehr als 100 interessierte Besucher nahmen teil, einige davon brachten sich energisch ein.

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Bürger aus Steinperf fühlen sich durch geräuschvolle Arbeiten im Steinbruch belästigt.

Quelle: Sascha Valentin

Steinperf. Vorwürfe und Unverständnis kamen aus den Reihen der Bürger. Zentraler Punkt der Versammlung war die künftige Vertragsgestaltung zwischen der Gemeinde Steffenberg und der Firma Trautvetter. Deren Geschäftsführer Christoph Scheld und Stefan Pfuhl nahmen persönlich an der Sitzung teil. Dass sie sich den Fragen der Bürger stellten, rechne er ihnen hoch an, betonte Parlamentschef Armin Reichel (CDU), der zu der Versammlung eingeladen hatte. Zumal viele der besorgten Bürger sie mit Vorwürfen konfrontierten, für die die Vertreter des Unternehmens aber durchaus Verständnis zeigten.

Die Belästigung durch Lärm und Staub durch den Betrieb des Steinbruchs waren da noch die geringsten Sorgen der Anlieger. So stellte eine Besucherin etwa scherzhaft fest, dass es eine feine Geste wäre, wenn die Steinperfer zum Ende des Jahres ein Ledertuch geschenkt bekämen, damit sie ihre Fenster von dem Staub befreien könnten, der durch den Steinbruch entsteht.

Dass es diesbezüglich zu Beeinträchtigungen kommt, dessen seien sie sich bewusst, gab Pfuhl zu. In der Vergangenheit sei durch Besprenkeln mit ­einem Wasserfass versucht ­worden, den Staub zu binden – leider nicht immer erfolgreich. Deswegen sei für die Zukunft der Einsatz einer Sprühnebelanlage entlang der Straße geplant, ähnlich den Anlagen, die Taumittel auf Autobahnen sprühen. Dadurch soll der durch Fahrzeuge aufgewirbelte Staub verhindert werden. Durch eine Einkapselung der Brecheran­lage solle zudem die Lärmbe­lästigung vermindert werden, sagte Pfuhl.

Schwerverkehr und Schmutz sind geringste Übel

Andere Bürger wiesen auf die Verkehrsbelastung durch die große Zahl an Lastwagen hin, die teilweise auch durch den Ort fahren. Zu manchen Zeiten sei ein sicheres Überqueren der Straße kaum noch möglich, lautete ein Vorwurf. Das sei allerdings kein Problem, unter dem nur Steinperf leide, gab Bürgermeister Gernot Wege (parteilos) zu bedenken. Die selben Laster führen auch durch Obereisenhausen und er bekomme in Niedereisenhausen ebenfalls mit, wie viel Schwerverkehr unterwegs sei.

Schwerer als Lärm-, Schmutz- und Verkehrsbelästigung wiegen für viele Bürger aber die Erschütterungen durch die Sprengungen im Steinbruch. Immerhin gibt es davon etwa 40 bis 50 pro Jahr. Und davon seien viele deutlich zu spüren und zu sehen – durch klapperndes Geschirr und Türen oder gar durch Risse in den Hausfassaden. Da half es auch nicht viel, als Scheld und Pfuhl versicherten, dass sämtliche Erschütterungsmessungen unterhalb des Grenzwertes lägen. Das wurde von vielen Besuchern bezweifelt beziehungsweise moniert, dass nur bei solchen Sprengungen gemessen würde, wenn geringe Ladungen verwendet werden.

Normalerweise gibt es pro Sprengung zwischen 13 und 18 Bohrungen. Mitunter können es aber auch doppelt so viele sein. Die Einhaltung der Grenzwerte sei eine Sache, stellte Armin Reichel dazu fest, die persönlichen Empfindungen der Betroffenen sicherlich eine andere. „Für uns ist der Anliegerschutz das wichtigste Ziel“, betonte er. Eine Anwohnerin lud die Trautvetter-Vertreter sogar ­dazu ein, die nächste Sprengung bei ihr zu Hause zu erleben, um selbst einmal zu sehen, wie sehr das Geschirr wackele.

Baumpflanzungen sollen Lärmschutz verbessern

All diese Punkte müssten in einem neuen Vertrag Berücksichtigung finden, machte auch Bürgermeister Wege deutlich, der der Firma Trautvetter zugute hielt, dass sie von sich aus ­bereits mitgeteilt habe, auf einige Dinge verzichten zu wollen, die die Belastungen für die Bürger sonst noch erhöhen würden. Dazu gehöre etwa der Verzicht auf eine Steinbrucherweiterung gen Osten sowie auf einen Parallelsteinbruch im Westen. Ebenso will die Firma von einem geplanten Lagerplatz für Fräsgut auf dem Gelände des ehemaligen Betonwerks absehen, sofern die Gemeinde ihr dafür ­eine andere Fläche zur Verfügung stellt.

Angedacht ist ein ehemaliger Holzlagerplatz oberhalb des Steinbruchs. Auf der bisher dafür vorgesehenen Fläche soll stattdessen ein Grünstreifen mit Bäumen errichtet werden, die für einen zusätzlichen Lärmschutz sorgen, sagten die Trautvetter-Vertreter. Wie Geschäftsführer Pfuhl mitteilte, werde außerdem darauf verzichtet, mit dem Steinabbau auf dem jetzigen Gelände tiefer zu gehen. Hier äußerten mehrere Anwesende ­ihre Sorge, dass ansonsten die Qualität des Grundwassers in Gefahr sein könnte.

Für einige Emotionen und erhitzte Gemüter sorgte schließlich Erhard Theis, der auf die ­finanzielle Seite des Vertrags zwischen der Gemeinde und der Betreiberfirma hinwies. Dabei zitierte er mehrere Stellen aus den bestehenden Verträgen, weshalb Geschäftsführer Scheld die Versammlung verlassen wollte. Daraufhin wies Armin Reichel Theis zurecht, keine Informationen aus nicht öffentlichen Verträgen zu nennen. Der hatte bis dahin jedoch schon genug ausgeplaudert.

Bürgermeister verspricht Nachverhandlungen

Mit den Betreibern ging Theis hart ins Gericht, warf ihnen ­einen „sittenwidrigen Vertrag“ vor, mit dem sie „die Gemeinde über den Tisch gezogen und wie einen Tanzbär am Nasenring herumgeführt hat“. Er wies darauf hin, dass laut einem Ergänzungsvertrag aus dem Jahr 2011 der Anteil der Gemeinde am Verkaufserlös aus dem Steinbruch von 2,5 auf 0,5 Prozent gesenkt wurde. Damit bekomme die Gemeinde nur noch zwischen 8000 und 9000 Euro pro Jahr. Das sei angesichts der Belastungen, die der Steinbruch für die Steinperfer darstelle, ein Witz, sagte Theis. Dem schloss sich Ortsbeiratsmitglied Frank Feist an, der vorrechnete, dass in diesem Falle jeder Bürger nur zwei Euro zahlen müsse, um auf diese Summe zu kommen. Er sei gerne bereit, das zu zahlen, wenn der Steinbruch dann stillgelegt werde, erklärte Feist.

Noch ungeheuerlicher ist für Theis jedoch, dass die Gemeinde keinen Cent für das Verfüllen des Steinbruchs bekommt. Unter Berücksichtigung der Menge an Füllmaterial, die dort hineinpasse, und der dafür üblichen Preise würde die Gemeinde so auf eine Summe von Minimum 60 Millionen Euro verzichten.

Wege gab schließlich zu, dass Gemeinde und Betreiber hinsichtlich der Vergütung tatsächlich noch sehr weit auseinander lägen. „Dies steht derzeit in keinem Verhältnis zu den Be­lastungen für die Bürger. Wir wollen auf jeden Fall die Konditionen zu unseren Gunsten verbessern“, sagte der Bürgermeister. Sollte der Betreiber ihnen dabei nicht entgegenkommen, könnte das auch eine fristlose Kündigung des Vertrags nach sich ziehen, betonte Wege.

von Sascha Valentin

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