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Wenn die Kapelle im Dorf erhalten bleibt

Denkmalschutzpreis Wenn die Kapelle im Dorf erhalten bleibt

Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre die Kapelle in Niedereisenhausen schon längst verschwunden. Für den Einsatz erhielt der Verein Dorf(er)leben am Donnerstag als Anerkennung den Denkmalschutzpreis.

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Vorher und nachher: Im Inneren der Kapelle mussten vor allem das Gebälk erneuert und die Wände verputzt werden (links).

Quelle: Sascha Valentin

Niedereisenhausen. Den dritten Preis in Form einer Urkunde und 2500 Euro überreichte Kunst- und Kulturminister Boris Rhein am Donnerstagnachmittag in der Rotunde des Biebricher Schlosses in Wiesbaden an die Vorstandsvertreter des Niedereisenhäusers Vereins Dorf(er)-leben als Anerkennung für den Erhalt der Kapelle in Niedereisenhausen.

Das kleine Gotteshaus bezeichnet Dr. Bernd Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege bei einem seiner Besuche als „hochrangigstes Kulturdenkmal“, das eine hohe geschichtliche Bedeutung hat. Bemerkenswert seien außerdem das tolle Zierfachwerk, das mittelalterliche Gemäuer und ebenso die „schmucken Verzierungen“ im Innenraum samt der schon 2003 restaurierten Kanzel.

Wann genau die alte Kirche erbaut wurde, ist allerdings nicht bekannt. Eventuell war es im Jahr 913 als Filialkirche der Pfarrei Breidenbach, spätestens aber im dreizehnten Jahrhundert. Im Laufe der Zeit verlor die Kapelle, die 1805 noch fünf Mannsbühnen und dreizehn Weibsbänke aufwies, an Bedeutung. Bis 1960 feierte die Kirchengemeinde noch zweimal im Jahr darin Gottesdienste: am Jakobustag und am Trinitatis-Sonntag.

Weil es danach mit der Nutzung vorbei war, drohte das Kirchlein aus dem Dorf zu verschwinden. Die Landeskirche Hessen-Nassau und der damalige Landeskonservator wollten es ab- und im Vogelsbergkreis wieder aufbauen lassen. Dagegen wehrten sich die Niedereisenhäuser, sodass die Pläne im Jahr 1980 verworfen wurden.

Kosten insgesamt: 230.000 Euro

Im Jahr zuvor begannen Niedereisenhäuser Bürger, sich für den Erhalt einzusetzen. „Wir wollten die Kapelle erhalten, denn vor allem ältere Mitbürger fühlen sich mit dem Gebäude verbunden, sie hängen daran“, beschreibt Ute Ruffert, die Vorsitzende des Vereins Niedereisenhausen Dorf(er)leben, die Beweggründe. Die engagierten Bürger erhielten Unterstützung vom Förderkreis Alte Kirchen, der für die dringendsten Erhaltungsarbeiten sofort rund 65.000 Euro bereitstellte.

Es war der Startschuss zu einer Jahre währenden Sanierung und Restaurierung, deren Kosten sich laut Ruffert auf rund 230.000 Euro summierten. Das Geld kam mehrmals vom hessischen Landesamt für Denkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Bundesrepublik Deutschland, dem Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie weiteren Spendern und Institutionen. Damit wurde nach und nach erst außen dann auch im Inneren bis zum Ende des vergangenen Jahres von örtlichen Fachbetrieben alles instandgesetzt.

„Die Kapelle sieht nun wieder so aus, wie sie früher war“, freut sich Ute Ruffert. Sie fuhr am Donnerstag mit neun der zwölf Vorstandsmitglieder des Vereins Dorf(er)leben nach Wiesbaden, um den Preis – dem zweiten nach dem des Landkreises – entgegenzunehmen. Diesen bezeichnet sie als „tolle Bestätigung für unseren Einsatz“. Und der ist mit der Instandsetzung nicht beendet. Der Verein entstand im Jahr 2009 aus der zuvor tätigen Initiative zum Erhalt der Kapelle und will nun eine kulturelle Nutzung wie bisher zum Beispiel als Konzertsaal, Kino oder Ausstellungsraum gewährleisten.

von Gianfranco Fain

Denkmalschutzpreis
Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) zeichnete am Donnerstag Privatpersonen, Initiativen und Vereine mit dem Denkmalschutzpreis 2017 aus. Eine Jury wählte die Träger der mit insgesamt 27.500 Euro dotierten Preise aus mehr als 50 Vorschlägen aus. Den mit 7500 Euro ausgestatteten Ehrenamtspreis stiftet die Staatskanzlei. Die Preisträger sind: Entwicklungsgesellschaft Solmser Hof für das Solms-Hohensolmser Schloss in Butzbach und die Evangelische Kirchengemeinde Idstein für die Unionskirche (je 6000 Euro); 4000 Euro erhielt Linda Löber für ihr Fachwerkhaus Hohlstraße 2 in Hünstetten; 2500 Euro gingen an den Verein „Niedereisenhausen Dorf(er)leben. Einen der mit 2500 Euro dotierten Ehrenamtspreise erhielten 
die Schlosspatrioten Homberg.
Einen Bericht über die Preisverleihung lesen Sie hier.
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Denkmalschutzpreis
Ute Ruffert, Vorsitzende des Vereins Dorf(er)leben Niedereisenhausen, nahm mit ihren acht Vorstandskollegen in Wiesbaden einen symbolischen Scheck in Empfang. Eine Plakette und eine Urkunde überreichte Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (rechts) auch. Foto: Christine Krienke / LfDH

Eine Tafel ziert demnächst die Kapelle in Niedereisenhausen als Zeichen einer gelungenen Restaurierung des Denkmals.

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