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Startschuss für Wohnheim Gladenbach

Ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Oranier Startschuss für Wohnheim Gladenbach

Für mehr als 600.000 Euro hat die Firma Oranier das ehemalige Verwaltungsgebäude in Weidenhausen entkernt, saniert und als Flüchtlingswohnheim für 100 Personen umgebaut. Am Dienstag wurde das Wohnheim eingeweiht.

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Weidenhausen. Jeder Gang hat als Orientierungshilfe eine 
andere Farbe, jedes Zimmer verfügt über eine, wie Nikolaus Fleischhacker sagt, „funktionale 
Grundausstattung“. Auf den Zimmern gibt es Kühlschränke, einen TV-Anschluss und über Satellit werden auch arabische Sender empfangen. Die Gemeinschaftsräume sind eher praktisch eingerichtet, sollen 
aber trotzdem zum Verweilen einladen.

Im Keller gibt es mehrere Kocheinheiten, die fast 
alle mit einem Verbotsschild für Schweinefleisch beklebt sind, um Streitthemen bei der Essenszubereitung im vorhinein auszuschließen. In den Fluren vermitteln großformatige Bilder Wohnhaus-Atmosphäre, das zeigt: Im „Wohnheim Gladenbach“ sollen sich die künftigen Bewohner, die vermutlich Ende Juli, Anfang August einziehen, wohlfühlen.

„Es ist kein Stein auf dem 
anderen geblieben“

Bei der Umsetzung des Projektes habe Oranier nicht auf den Cent geschaut, nachdem klar wurde, dass das Gebäude komplett entkernt werden muss, erklärte Fleischhacker. Insgesamt wurden mehr als 600.000 Euro in das Projekt investiert, das zu Anfang nicht unbedingt auf uneingeschränkte Zustimmung gestoßen ist. „Jetzt steht die Hardware, die Software sind Sie“, sagte der Oranier-Geschäftsführer zu den Gästen der Eröffnungsfeier. Er spielte mit diesen Worten auf eine Integrations-Unterstützung durch die Bevölkerung an.

Vor einem Dreivierteljahr hat Oranier die ersten Gespräche mit dem Landkreis geführt, am 15. April wurde der Vertrag für das „Wohnheim Gladenbach“ unterschrieben, dann ging‘s los. „Es ist kein Stein auf dem 
anderen geblieben“, bestätigte 
Fleischhacker. Kleine Bagger seien auf den Fluren im Einsatz gewesen, um Zwischenwände rauszureißen. Dass vergangene Woche das Gebäude gereinigt werden konnte, schreibt Fleischhacker der guten Koordination der Bauleitung zu.

Während im Obergeschoss die Wände abgerissen wurden, erhielt das Untergeschoss bereits einen neuen Anstrich. Auch den Anregungen des Ortsbeirates zu Sanitäranlagen auf allen Etagen hat sich die Firma nicht verschlossen. Das „Wohnheim Gladenbach“ wurde auf Kosten von Oranier umgebaut und vom Landkreis für 6 Jahre gemietet. Im Schnitt zahlt der Kreis etwa 10 Euro pro Tag und Kopf bei einer Garantiebelegung von 80 Prozent. Im dritten Jahr rechnet sich demnach für Oranier die Investition.

Lob von Bürgermeister Kremer

Die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge hat sich aber deutlich reduziert. Von in Spitzenzeiten 140 pro Woche kommen derzeit mittwochs 20 bis 30 Flüchtlinge im Landkreis an. Vor der Aufgabe, die vor den Weidenhäusern liegt, brauche 
niemand Angst zu haben. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg seien 631 Neubürger nach Weidenhausen gekommen. Ist das Wohnheim ausgelastet, leben rund 130 „Neubürger“ in Weidenhausen. „Das lässt sich wuppen“, sagte Pfarrer Axel Heß.

Bürgermeister Peter Kremer lobte das Projekt, verlor aber auch kritische Worte in Richtung des Kreistages, der sich an einer finanziellen Ausstattung für die Integration der Flüchtlinge nicht beteiligt. „Von dem ursprünglich geforderten Euro als Integrationspauschale haben wir uns ja schnell verabschiedet, aber 25 bis 50 Cent könnte der Landkreis schon beisteuern“, sagte Kremer. In Weidenhausen ist eine von drei größeren Gemeinschaftsunterkünften im Kreis entstanden. Es ist ein „Projekt mit Modellcharakter“ geworden, wie Kremer den sanierten Bau beschrieb.

Die zwei Sozialarbeiter Armin Kunz und Jan Griesing werden für die Bewohner zuständig sein. In der Anfangszeit seien beide Sozialarbeiter vor Ort, um Hilfestellungen zu leisten, sagte Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter. Als Hausmeister ist 
Earl Kolbe verantwortlich für 
 alle Arbeiten im Wohnheim.

von Silke Pfeifer-Sternke

 
Die Zimmer im Flüchtlingswohnheim sind mit einer Grundausstattung eingerichtet. Foto: Silke Pfeifer-Sternke
 
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