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Stadt setzt auf Blitzer gegen "Flitzer"

Geschwindigkeitsüberwachung Stadt setzt auf Blitzer gegen "Flitzer"

In Gladenbach werden nächstes Jahr drei „Blitzer“ installiert. Wer auf der Ortsdurchfahrt in Weidenhausen oder in der Marburger Straße schneller fährt als erlaubt, wird dann zur Kasse gebeten.

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In der Marburger Straße halten sich nur 54 Prozent der Fahrzeuge an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit, so wie dieser Rettungswagen. Nahe der Tankstelle soll deshalb eine Geschwindigkeitsmessanlage installiert werden.

Quelle: Hartmut Berge, Montage: OP

Gladenbach. Der Haupt- und Finanzausschuss sprach sich am Dienstagabend mit sechs Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme, bei zwei Enthaltungen für eine entsprechende Magistratsvorlage aus.

In seiner Funktion als Chef der örtlichen Ordnungsbehörde könnte Bürgermeister Klaus-Dieter Knierim die Installation der drei Anlagen anordnen, und weil die Stadt dafür nur 5000 Euro investieren muss, würde ein Magistratsbeschluss für die Ausgabe ausreichen.

Dem Vorbild anderer Städte und Gemeinden folgend, will das Stadtoberhaupt aber, angesichts der Bedeutung der Angelegenheit, einen möglichst großen Konsens erzielen und bindet deshalb die städtischen Gremien in die Grundsatzentscheidung ein. Auf eine möglichst breite Mehrheit hofft er deshalb auch bei der Abstimmung über die Vorlage am Donnerstag im Parlament.

Die drei vorgesehenen Standorte befinden sich auf den am stärksten befahrenen Straßen in der Stadt Gladenbach: Der Landesstraße 3050 in Weidenhausen in Höhe des Westrings, Haus Nummer 17, auf der Bundesstraße 255 in Höhe Petersburg, Haus Nummer 25 und ebenfalls auf der B 255 auf der Marburger Straße, etwa in Höhe des Hauses Nummer 25.

Wer dort die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde überschreitet, bekommt Post von der Stadt, samt Überweisungsformular. Nicht wenige werden Punkte in Flensburg kassieren, der eine oder andere sogar seinen Führerschein für eine Weile abgeben müssen.

Zu diesem Schluss kommt man angesichts der während einer Probephase gemessenen Geschwindigkeiten.

Am Westring war 133 Stunden lang - rund um die Uhr - ein Messgerät installiert. 1017 Fahrzeuge wurden registriert, gemessen wurde in beiden Fahrtrichtungen 207 Geschwindigkeitsüberschreitungen, das entspricht 20,3 Prozent aller gemessenen Fahrzeuge.

Auf der Petersburg waren während der 162-stündigen Messphase 5831 der insgesamt 29344 registrierten Fahrzeuge zu schnell, das entspricht 20 Prozent. Auf der B 255 im Weidenhäuser Ortsteil Petersburg rollt sehr viel Verkehr, der größte Teil ist Richtung Herborn, der Rest in Richtung Weidenhausen oder weiter nach Bad Endbach unterwegs. Ein Dorado für Raser ist offenbar die Marburger Straße. 159 Stunden lang speicherte dort ein Messgerät insgesamt 19955 Fahrzeuge und registrierte 9285 Überschreitungen. Damit waren 46 Prozent der motorisierten Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs, und das in einem Abschnitt, an dem zumindest tagsüber auch zahlreiche Fußgänger unterwegs sind. In der Nähe sind zwei Bushaltestellen, ein Wohnheim der Lebenshilfe, eine Gärtnerei sowie eine Tankstelle mit an und abfahrenden Fahrzeugen.

Zwei Raser waren mit150 „Sachen“ unterwegs

Auch die anderen beiden Messpunkte wurden zu den „schutzwürdigen Bereichen“ eingeordnet. Gemessen wurde insgesamt an fünf Standorten, neben den besagten, an denen bald Überwachungsanlagen installiert werden, auch „Auf der Bleiche (L 3288) in Runzhausen und in Höhe der neuen Bushaltestelle („Am Würtenberg“ an der B 255). Die Stadt macht nun das, was zahlreiche Kommunen im Landkreis und auch deutschlandweit bereits praktizieren. Fachfirmen installieren hochmoderne Geschwindigkeitsmessanlagen und tragen zunächst die Investitionskosten. Dafür erhält das betreffende Unternehmen eine sogenannte Fallpauschale pro Verwarnungsgeld.

Beide Seiten verdienen daran, nicht nur für klamme Kommunen ist das verlockend. Würde die Stadt die Sache selbst in die Hand nehmen, dann müsste sie etwa 65000 Euro pro Anlage investieren. Im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag betonte der Bürgermeister, dass die Stadt Gladenbach keinesfalls Abzocke betreiben wolle. Bei der Auswahl der Standorte habe die Verkehrserziehung und Gefahrenabwehr im Vordergrund gestanden, versicherte Knierim.

Bei den gemessenen Geschwindigkeiten in der Marburger Straße könne man nicht von Kavaliersdelikten sprechen. Während der sechseinhalb Tage registrierte das Gerät 487 Fahrzeuge, die mit „100“ unterwegs waren, 189 fuhren 110, 48 rasten mit 120 Sachen die Straße entlang und zwei Verkehrsteilnehmer fuhren in der 50er-Zone mit einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern in der Stunde.

Nach Installation der Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen könnten die mobilen Geräte des gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks verstärkt an anderen Straßen eingesetzt werden, wo bisher nicht so oft gemessen werden konnte, kündigte der Bürgermeister an.

von Hartmut Berge

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